12. Nheinprovinz.
Handelskammer für Aachen und Burtscheid.
„Wir haben daher auch die neuen Handelsverträge mit Italien. Oesterreich
und Belgien freudig begrüßt, obgleich zur Zeit noch nicht festgestellt werden kann,
welchen Einfluß dieselben auf unser nationales Erwerbsleben ausüben werden.
Jedenfalls hat der Abschluß der Handeloverträge dao Gute gehabt, daß dao Prinzip
der autonomen Zollgesetzgebung, welches im Interesse der heimischen Industrie bio
dahin als richtig anerkannt war, nunmehr verlassen worden ist, und daß dao
Deutsche Reich zu dem System der Vertragstarife übergegangen ist. Diese An-
Näherung der mitteleuropäischen Staaten in gewerbepolitischer Hinsicht ist unter
dem Gesichtspunkte deo allgemeinen Interesses mit Genugthuung zu begrüßen.
Ein weiteres Fortschreiten auf dieser Bahn kann nur empfohlen werden. — Auch
hat die längere Dauer der Handelsverträge noch das Gute, daß die Interessenten
der vertragsschließenden Länder im Stande sind, bebufs Erschließung der gegenseitigen
Absatzgebiete unter Ermöglichung genauer Calculationen ibre Einrichtungen zu
treffen. Unser Handelsvertrag mit der Schweiz wird dagegen weniger günstig be.
urtheilt. Hierbei wird mit Recht bemerkt, daß die Opfer, die dem Teutschen
Reiche vertragsmäßig auferlegt werden, nicht im richtigen Verl'ältniß zu den
Gegenleistungen der Schweiz stehen. Bei Beurtheilung der hier einschlagenden
Verhältnisse ist unseres Erachtens dao Moment der beiderseitigen Consumfähigteit
zu wenig berücksichtigt worden. Möchte die Rcichsregierung beim Abschlüsse weiterer
Verträge einen glücklicheren Griff thun."
Handelskammer zu Barmen.
„Wenngleich die in der abgelaufenen Geschäftoperiodc diesseits für die hiesige
Industrien unternommenen Schritte zur Erlangung günstigerer Verkehrobezichungm
mit verschiedenen Ländern der Vergangenheit angehören lind meist nur noch
historisches Interesse haben, so erachten wir nichtsdestoweniger einen Rückblick auf
jene Thätigkeit der Handelskammer an dieser Stelle für geboten. Hatten wir
schon im Jahre vorher die Wünsche unserer heimischen Industriellen bezüglich der
Nachbarstaaten Oesterreich - Ungarn an maßgebender Stelle Ausdruck verliehen, so
waren es nunmehr die Staaten Rumänien, Serbien, Belgien, Schweiz, Italien
und Spanien, bezüglich deren wir unsere Anträge darlegten.
„Auf die Einzelheiten der letzteren einzugehen, verbietet Raum und Zeit, wie
nicht minder handelspolitische Rücksichten, dagegen tonnen und dürsen wir eo uns
nicht versagen, die Eingabe mit der wir unsere Wünsche und Anträge begleitet
haben, hier zum Ausdruck zu bringen. < Folgt der Abdruck der Eingabe.)
„Leider haben unsere Kundgebungen bei den bio jetzt abgeschlossenen Verträgen
mit Oesterreich-Ungarn, Italien, Schweiz und Belgien wenig oder gar keine Be
rücksichtigung erfahren. Das Wenige, was für die Industrie, besonders die Tertil-
Jnduftrie, erreicht ist, trifft unsere heimathliche Industrie nur vereinzelt und in
geringem Maße. Dagegen bat unsere Besatz-Industrie für ihre Ausfuhr nach der
Schweiz in Folge deo dort im October v. Js. eingeführten neuen General-Zoll.
tarifs, trotz der später vertraglichen Herabsetzung, wesentliche Zollerhöhungen, wie
nicht minder das geringe Entgegenkommen Oesterreich-Ungarns zu beklagen, dessen