Full text : Der russisch-japanische Krieg und die japanische Volkswirtschaft

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in  Kürze  zu  untersuchen,  in  welcher  Weise  sich  der  Krieg  auf  dem  Gebiete ­
  der  Armenpflege  und  der  Fürsorge  für  die  Familien  der  im  Felde
stehenden  Soldaten  bemerklich  machte.  Die  Sorge  für  jene  Arbeitselemente, ­
  welche  infolge  des  Krieges  arbeitslos  geworden  sind,  war
keine  sonderlich  große,  wie  ich  bereits  im  Verlause  dieser  Studie  nachgewiesen ­
  habe.  Es  ist  in  Japan  bei  der  vorwiegend  hausindustrielleu
Tätigkeit  für  die  betroffenen  Arbeiter  ein  Leichtes,  sich  von  einem  durch
den  KAeg  ungünstig  beeinflußten  Erwerbszweig  zu  einem  anderen,
günstigeren  hinzuwenden;  auch  fanden  Arbeiter  vielfach  Gelegenheit
in  Stellungen  einzuspringen,  welche  durch  Berufung  der  bisherigen
Inhaber  auf  den  Kriegsschauplatz  frei  geworden  waren.  So  läßt  sich
die  Tatsache  erklären,  daß  trotz  des  augenblicklichen  Krieges  nur  sehr
wenig  Arbeitslose  in  Japan  anzutreffen  sind.
Anders  steht  es  dagegen  um  die  Fürsorge  für  die  zurückgelassenen
Familien  der  Soldaten,  hier  bot  sich  ein  ausgedehntes  Feld  emsiger
Tätigkeit.  In  den  Städten  bemühte  mau  sich,  diesen  Familien  allerlei
passende  Arbeitsgelegenheit  zu  verschaffen,  und  auf  dem  platten  Laude
griff  Arbeitsbeihilfe  statt.  So  bildete  sich  in  dem  Dorfe  Nakagawa
unter  den  zurückgebliebenen  Bauern  ein  Bund,  der  heimlich  die  Besorgung ­
  der  Äcker  von  Soldatenfamilien  übernahm,  sofern  diese  selbst
zur  Bestellung  ihres  Landes  nicht  in  der  Lage  waren.  Sie  pflügten
nn£>  säten  die  Äcker  ihrer  im  Felde  stehenden  Dorfmitglieder  und  wußten
sich  jeder  Dankeserwiderung  zu  entziehen.  In  den  Städten  (z.  B.  Saga)
bildeten  sich  Fraueuvereine  aller  Art,  die  in  den  Soldateufamilien
Hemden  und  Unterhosen  anfertigen  ließen,  oder  leere  Glasflaschen,
Lumpen,  Zigarrenspitzen,  Abfälle  von  Wachs  u.  dgl.  sammelten,  aus
deren  Erlös  dann  die  Familien  der  Soldaten  bezahlt  wurden.  So
nahm  man  diesen  Unterstützungen  den  Charakter  eines  Almosens  und
konnte  zudem  aus  dem  Reinerträge  noch  einen  gewissen  Betrag  für
Liebesgaben  an  die  Soldaten  zur  Verfügung  stellen.  In  Tokyo  wurde
eine  Kinderbewahraustalt  ins  Leben  gerufen,  in  der  nur  Soldateukiuder
Unterkunft  fanden,  so  daß  deren  erwachsene  Familienangehörige  ungehindert ­
  irgend  einer  bestimmten  Beschäftigung  sich  widmen,  oder  in  die
Fabriken  auf  Arbeit  gehen  können.  Auch  bildete  sich  hier  ein  Frauenvereiu
  zur  Beschaffung  von  Arbeitsgelegenheit  für  die  Soldatensamilien.
Ein  müderer  Verein  hat  für  die  Armeeverwaltuug  die  Uniformschneiderei
übernommen  und  überträgt  nun  diese  Arbeit  den  Frauen  der  draußen
im  Felde  stehenden  Soldaten,  so  daß  also  der  Familie  auf  diese  Weise
geholfen  wird.  In  den  Mariuehasen  Iokosuka  hat  sich  ein  Pflegeverein
für  die  Familien  der  Matrosen  und  Unteroffiziere  gebildet;  der  Verein
besitzt  drei  Werkstätten  und  ein  Lazaret.  In  den  Werkstätten  werden
Marineuniformeu,  Fahnen,  Signalflaggen,  wasserdichte  Kleidersäcke  u.a.  m.
            
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