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3. es kämen häufig eilige Aufträge, die sofort erledigt
werden müßten.
Zunächst ist darauf zu antworten, daß England und Amerika
keine Sonntagsarbeit kennen, obwohl für die dortigen Seehandels
plätze und Großgeschäfte dieselben „dringenden" Gründe vorliegen.
Es wird hier eben Ursache und Wirkung verwechselt. Die eiligen
Bestellungen werden nur deswegen gemacht, weil man in Deutsch
land noch der Meinung ist, es werde am Sonntag überall ge
arbeitet. Wissen die Besteller, daß sie auf eine Erledigung der
Aufträge am Sonntag nicht rechnen können, so werden sie gewiß
warten. Gibt es doch eine Anzahl Geschäfte, die Aufträge am
Sonntag grundsätzlich nicht annehmen. Gerade in Deutschland
hat der Unfug, die Bestellungen auf die letzte Stunde zu ver
schieben, erheblich zugenommen. So erklärt der Inhaber einer
Selterwasserfabrik in einer östlichen Provinzstadt, er müsse Sonntags
arbeiten lassen, weil die Aufträge erst so spät einliefen und eilig
wären. Selbst in Lebensmittelhandlungen ist die Sonntagsarbeit
kaum notwendig. Von einer Engrosfischhandlung in Geestemünde
erfahren wir, daß die Angestellten am Platze sein müssen, obwohl
meistens nichts zu tun ist. Die Fabriken sind bekanntlich Sonntags
geschlossen. So wenig die Herstellung von Waren am Sonntag
ein dringendes Bedürfnis ist, so wenig kann es auch die Ver
sendung sein. Denn das allein könnte in Betracht kommen. Die
Korrespondenz und Buchungen können ebensogut am Montag
erledigt werden. Wenn das Koutorpersonal am Sonntag wirklich
die volle Arbeitszeit hat, liegt es wohl ausschließlich an zu geringer
Personenzahl; diese kann ebendie Arbeit Wochentags nicht bewältigen.
Aber hier ist eine Vermehrung des Personals, nicht Sonntagsarbeit
am Platze. In Wirklichkeit wird jedoch.Sonntags meistens gar
nicht ernstlich gearbeitet. Wie es dabei häufig zugeht, haben wir
in unserem vom Beirat für Arbeiterstatistik eingeforderten Gut
achten über die Arbeitsverhältnisse in Kontoren dargelegt, so daß
wir hier darauf verweisen können. Es mögen noch einige
Äußerungen von Angestellten folgen:
Die Buchhalterin eines Importgeschäftes in Hamburg schreibt