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Geist der Angestellten eine Erholung zu ermöglichen, so ist sie
für den Ladenangestellten eine ebenso wichtige, wenn nicht dringen
dere Notwendigkeit wie für die Kontoristen. Die Angestellten im
Kleinhandel resp. in offenen Verkaufsstellen haben eine weit
längere, tägliche Arbeitszeit, die ganze Art ihrer Arbeit, in
häufig staubigen, zugigen, in der kalten Jahreszeit ungeheizten
Lokalen, erheischt für die Angestellten in offenen Verkaufsstellen
einen vollen Ruhetag in jeder Woche mindestens ebenso dringend,
wie für die Angestellten im Kontor. Der Zentralverband der
Handlungsgehilfen und Gehilfinnen Deutschlands fordert deshalb
für alle Kategorien der Handlungsgehilfen völlige 36stündige
Sonntagsruhe.
Die gegen die Durchführbarkeit der völligen Sonntagsruhe
im Handelsgewerbe geltend gemachten Bedenken sind durchaus
hinfällig. Für den Großhandel spielen dabei die etwa ein
treffenden Telegramme, die Posteingänge, sowie die Erledigung
dringender Bestellungen und die Erteilung von Dispositionen eine
große Rolle. Nun ist das Eingehen dringender Bestellungen
und dergleichen an Sonntagen doch immer nur Zufall, dessent
wegen den Handlungsgehilfen der freie Sonntag nicht vorenthalten
werden darf. Dann können Warensendungen infolge der be
stehenden Sonntagsruhe im Post- und Eisenbahndienstc entweder
gar nicht, oder nur in ganz beschränktem Umfange expediert
werden, so daß also diese Bestellungen an Sonntagen, trotz der
Sonntagsarbeit in den Geschäften, nicht erledigt werden können
und bis zunl nächsten Wochentage liegen bleiben müssen. Dadurch
kann aber eine Schädigung des Geschäftes einzelner nicht eintreten.
Dafür spricht die Tatsache, daß heute bereits ein großer Teil
der Betriebe im Großhandel völlige Sonntagsruhe eingeführt hat.
Nach den Erhebungen der Kommission für Arbeiterstatistik über
die Arbeitszeit in Kontoren (September 1901) fand in 66,97°/,
der befragten 13 673 Betriebe eine Arbeit an Sonntagen nicht statt.
Wenn auch dieser eine zahlenmäßige Angabe nicht ganz den tatsäch
lichen Verhältnissen entspricht, so läßt sich doch daraus entnehmen,
daß die Mehrzahl der Betriebe im Großhandel heute schon ohne