OESTERREICH. — Finanzen Deficit).
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Nach dem Verluste der Lombardei und der Einführung des neuen
Münzfusses war das officielle Deficit :
1S62 (Voranschlag) 94’122,889 fl.
1863 (ditto) 62*502,654 -
1864 (ditto) 45*712,724 -
Somit Gesammtdeficit in 17 Jahren 1,839*142,986 fl. ö. W. Dabei ist zu
bemerken, dass gleichzeitig mit der Verkündigung des letzten Voranschlags zwei
weitere Gesetze promulgirt wurden, welche ausserordentliche Credite im Betrage
von 9*646,315 fl. bewilligten, um welche Summe sich sonach die Ziffer des De
ficits sofort vergrössert, abgesehen von dem früher bewilligten 6 Mill.-Anlehen
zur Milderung der Noth in Ungarn etc.
Mittlerweile verkaufte die Regierung 1855 die ungarischen und böh
mischen Staatsbahnen, sammt Ländereien und Bergwerken, an eine franz.
Gesellschaft lun 80 Mill. C. M. ; ebenso 1850 die Lombardo-Venetiani-
sche Bahn, ausser der Strecke von Verona nach Südtirol, an die Wiener
Creditanstalt um 100 Mill. Lire = 33V* Mill. ; endlich 1858 auch die
Südliche Staatsbahn an dieselbe Gesellschaft um 100 Mill, fl., wovon
die letzten 30 Mill, erst bei 7% Ertrag zu bezahlen sind. Nebenbei Ver-
äusserung der siebenbürgischen Eisenbergwerke etc. ; dann Verbrauch
der den Italienern auferlegten Contnbutionen, und der Kriegsentschädi
gung, welche Sardinien nach 1849 mit / 5 Mill. hrcs. ^ 28 o/1,000 fl.
leisten musste. Auch die Entschädigung für den Schuldantheil der Lom
bardei mit 42*300,000 fl. neuer Währ, in Silber ist verbraucht.
1859 280*939,213 fl. R.W.
1860 65*062,810 -
1861 (vori.Berechn.) 109*500,000 -
Im October 1849, nach Bewältigung der Revolution, war übrigens
die Octroyirung einer Reihe »provisorischer Gesetze« über das Besteue
rungswesen erfolgt. Zu diesem Behufe wurden die Privilegien der ein
zelnen Länder und das Selbstbesteuerungsrecht derselben aufgehoben,
und der Einheitsstaat hergestellt. Man unterwarf Ungarn, Kroatien, Sla-
vonien und Siebenbürgen namentl. dem Tabaksmonopol und den Con-
sumtionsabgaben, wovon sie frei gewesen ; erweiterte die Häusersteuer ;
führte eine Abgabe vom inländ. Zucker ein ; schuf eine Einkommensteuer ;
dehnte die Biersteuer auch auf Lombardo-Venetien aus, und erhöhte
überhaupt die meisten Steuern um 25® „. Ohne Zweifel waren die Be
dürfnisse dringend. Auch steigerte man damit die Staatseinkünfte bis zu
dem oben angegebenen Betrage. Eigentlich musste man nach allen ge
troffenen Anordnungen eine viel bedeutendere Ertragserhöhung erwarten.
(Ungarn, das 1848 nur 4*099,(MMi fl. beitrug, musste schon 1862 83*/»
Mill, bezahlen etc.) Die Hauptsache: Deckung des Bedarfs durch die
laufende Einnahme, misslang vollständig, da sich die Ausgaben weit
mehr als die Einnahmen vermehrten. Das Gesammt-Resultat, welches
man im Jahrzehnt 1848-57 erreichte, war :
Ordentliche Einnahmen .
Ausgaben
Deficit
(Das Militär allein kostete
2163 Mill. fl. C.-M.
3296 - - - ^ ,
1133 - - - = 52 ®/o der Einnahme !
1512 - - - )
Unterm 13. Mai 1859 erhöhte man die Steuern durch Kriegssteuer
beischläge folgendermassen ;