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quelle verwenden soll, dabei aber wichtige volkswirtschaftliche
Gesichtspunkte mitzuberücksichtigen hat, wie z. B. den Umstand,
daß kohlenarme Länder ihre Wasserkräfte unbedingt auszubauen
aaben, weil sie dadurch vom Auslande unabhängig werden und
zahlreichen Arbeitskräften Beschäftigung geben, ja sogar zur Strom-
ausfuhr (statt der Kohleneinfuhr) gelangen. In der Elektrizitäts-
wirtschaft sind die allgemein anerkannten rationellen Grundsätze
folgende: nicht zu viele kleine Werke, sondern lieber weniger, aber
größere und modernst eingerichtete Anlagen, zentrale Bewirtschaftung
größerer Gebiete mit Vereinheitlichung der Stromarten und rationellem
Stromausgleich, zu dem in Zeiten besonderer Wasserarmut auch
Dampf- oder Ölwerke beitragen können; Bau moderner Fernleitungen
mit Höchstspannungen. Für Großbritannien wurde berechnet, daß
die zentrale Elektrizitätsbewirtschaftung eine jährliche Ersparnis von
14 Millionen Pfund Sterling bedeutet, bei erheblich billigerem Strom
ınd Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie — durchwegs
besonders rationelle Ergebnisse.
Mit der Frage, wie man sich einmal einzurichten haben werde,
wenn die eine oder andere Energiequelle im Verhältnisse zum
— bekanntlich stets zunehmenden — Bedarfe fühlbar abnehmen
sollte, braucht sich der rationelle Volkswirt derzeit nicht zu befassen.
Noch immer gelang es dem technischen Genie, Ersatzstoffe und
Ersatzenergieträger zu entdecken und nutzbar zu machen. Von der
Windkraft wurde schon gesprochen. Die Verwertung der Kräfte, die
beim Wechsel von Ebbe und Flut frei werden, und die motorische
Verwertung der Sonnenwärme wird unausgesetzt studiert. Die
deutschen Ingenieure Meinicke und Dr. Bräuer haben ein Verfahren
ersonnen, nach welchem die verschiedenen Temperaturen des Meer-
wassers (in verschiedenen Tiefen) ausgenützt werden sollen. Inzwischen
bleibt dem rationellen Energiepolitiker noch genug Arbeit von
unmittelbar praktischer Bedeutung, um den Wirkungsgrad der
Benützung der jetzt zur Verfügung stehenden Energiequellen
beständig zu erhöhen.
Schon hier soll auf die ungemein wertvolle Förderung hingewiesen
werden, die durch internationale Zusammenarbeit der Ratio-
nalisierung im allgemeinen, der bestmöglichen Gewinnung, Verteilung
und Verwertung der Naturkräfte und Naturschätze im besonderen
zuteil werden können. Im letzten Abschnitte dieses Buches wird von
ler Rationalisierung auf internationalem Gebiete ausführlicher ge-