Full text : Magdeburger Großkaufleute

85

Wer  die  Briefe,  die  wir  hier  abdruckten,  mit  freiem  Blicke  liest,  wird  nicht
nur  erkennen,  daß  Zuckschwerdt  ein  gewandter  und  erfahrener  Kaufmann  war,
sondern  auch,  daß  er  als  „Persönlichkeit"  im  Goetheschen  Sinne  des  Wortes
mit  den  Jahren  wuchs.  In  dem  langen  Schreiben  vom  10.  Januar  1841,  das
wir  gerne  vollständig  wiedergeben,  tritt  er  uns  als  fertiger  Mensch  entgegen,
ruhig,  sicher,  zufrieden;  jedoch  nicht  ohne  die  schuldige  Dankbarkeit  gegen  ein
giitiges  Geschick,  das  ihm  das  Ziel  seines  Lebens  erreichen  hals,  jenes  Zieles,
welches  schließlich  weiter  nichts  bedeuten  konnte,  als  die  Gewinnung  eines
günstigeren  Ausgangspunktes  für  die  folgenden  Generationen,  deren  Schicksal
  wir  nunmehr  unsere  Aufmerksamkeit  zuwenden.
II.  Hermann  Ludwig  Alexander  Zuckschwerdt.
Äermann  Zuckschwerdt  wurde  geboren  am  10.  Jan.  1826.  Von  4  Kindern
überlebte  er  als  einziges  seinen  Vater.  Nachdem  Äermann  die  Magdeburger
„höhere  Gewerbe--  und  Handelsschule"  besucht  hatte,  wurde  er  Lehrling  im  väterlichen ­
  Geschäft  und  im  August  1845,  also  mit  19  Jahren,  Gehilfe  im  Hamburger
Äause  A.  W.  Goerne  &  Co.  Daran  schloß  sich  für  ihn  ein  Aufenthalt  in  England
und  Frankreich,  der  seinen  kaufmännischen  Blick  weitete.  Der  Tod  des  Vaters
nötigte  dann  den  Zweiundzwanzigjährigen,  zurückzukehren  und  in  die  Firma
Zuckschwerdt  L  Beuchel  einzutreten.  Im  Jahre  1850  wurde  er  Chef  der  Firma.
War  der  Vater,  Ludwig,  der  Gründer  vieler  verzweigter  Unternehmungen  der
Firma,  so  wußte  der  Sohn  das  Geschäft  zu  vereinheitlichen.  Mit  aus  diesem
Grunde  setzte  er  sich,  wobei  er  übrigens  dein  ausdrücklichen  Wunsche  seines  verstorbenen ­
  Vaters  folgte,  im  Jahre  1852  mit  der  Familie  Beuchel  auseinauder.
Bei  dieser  Trennung  kamen  das  Kohlengeschäft  und  die  Zuckerfabriken  au  die
Familie  Beuchel,  während  Lermann  nach  Abfindung  seiner  Schwester,  Frau
Clara  Bette,  die  Firma  Zuckschwerdt  &  Beuchel  als  Alleininhaber  iibernahm.
Wie  sein  Vater  schon  am  1.Januar  1837  die  Zichoriensabrik  Dommerich  &  Co.
an  Äerrn  Carl  Bartels  abgegeben  hatte,  so  stieß  auch  Äermann  Zuckschwerdt
einzelne  kleinere  Unternehmungen  ab,  um  sein  Geschäft  mehr  aus  den  Kolonialwarenhandel
  und  die  Zuckerwarensabrik,wie  endlich  aus  den  immer  mehr  emporblühenden ­
  Zuckerhandel  und  das  damitverbundene  Bankgeschäftzu  konzentrieren.
Im  Jahre  1857  gab  er  das  Kolonialwarengeschäst  aus  und  im  Jahre  1863  die
Zuckerwarensabrik.  Anderseits  ist  zu  erwähnen,  daß  sich  die  Firma  Zuckschwerdt
Lr  Beuchel  von  1851—1863  bei  der  Zuckerrasfinerie  von  E.C.Äelle  beteiligte  und
—  in  sehr  glücklicher  Voraussicht  späterer  Entwickelung—bei  Steinkohlengruben,
namentlich  bei  der  Magdeburger  Bergwerksgesellschaft,  Zeche  Königsgrube.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.