Full text : Magdeburger Großkaufleute

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er  ein  reiches  Feld  seiner  Tätigkeit,  ja  er  fühlte  sich  bald  so  heimisch,  daß  er  mit
dem  Gedanken  umging,  sich  dort  mit  einem  Freunde  zusammen  niederzulassen.
Doch  es  kain  anders.  Eine  schwere  Erkrankung  seines  Vaters  nötigte  ihn  1855,
nach  Magdeburg  zurückzukehren.  Hier  besprach  er  seine  Pläne  mit  seinem  Onkel
Morgenstern,  der  ihn  bestimmte,  in  Deutschland  zll  bleiben  und  an  Stelle  des
kiirzlich  verstorbenen  Herrn  Placke  in  die  Firma  Brandt  &  Placke  einzutreten.
Im  Jahre  1861  schied  Robert  Brandt,  um  eine  Zichorienfabrik  zu  errichten,  aus
der  Firma  aus,  die  Robert  Weichsel  nunmehr  unter  dem  Namen  Weichsel  &  Co.
allein  weiter  betrieb.
Robert  Weichsel  war  ein  lauterer  lind  klarer  Charakter.  Sein  reiches  Wissen
und  seine  vorzüglichen  kaufmännischen  Kenntnisse  befähigten  ihn,  sein  Geschäft
kräftig  vorwärts  zll  bringen  lnld  es  nicht  nur  zu  einem  der  angesehensten  der
Stadt  Magdebllrg,  sondern  auch  zu  einem  im  Auslande  wohlbekannten  lnld
hochgeachtete;!  zu  machen.  Seine  persönlichen  Beziehungen  zu  fremden  Ländern
kamen  ihm  dabei  sehr  zugute.  Robert  Weichsel  stellte  sich  gern  die  Aufgabe,
seine  kaufmännische  Tätigkeit  auch  aus  Gebiete  zu  verlegen,  die  weniger  bekannt
und  bearbeitet  sind.  Er  war  sich  bewußt,  damit  zwar  eine  größere  Miihe  zu  übernehmen, ­
  hoffte  aber  auch,  entsprechend  größeren  Erfolg  zu  erzielen.  Diesem
Drallge  folgend,  entwickelte  er  ein  ganz  außergewöhnliches  Geschick,  neue  Geschäftszweige
  zu  begründen  und  zu  organisieren.  Der  Wandel  der  Zeiten,  der
sich  während  seiner  Tätigkeit  durch  Ausnutzung  der  Dampfkraft,  Ausbreitung
der  Telegraphie  usw.  vollzog,  spiegelte  sich  in  dem  Entwicklungsgänge  des  Geschäftes ­
  von  R.Weichsel  Lr  Eo.  wieder.  Er  begriindete,  den;  jeweiligen  Bedürfnisse ­
  seines  Geschäftes  nachgehend,  Niederlassungen  seiner  Firma  in  Mailand,
Neapel,  Hamburg,  London  und  Staßfurt,  imt>  knüpfte  lebhafte  Beziehungen
zll  Skandinavien,  Frankreich  mtb  den  Vereinigten  Staaten  all.  Anfangs  bildete
der  Magdeburger  Produktenhandel  die  Grundlage  des  Geschäftes  von  Robert
Weichsel;  deil  Erzeugnissen  der  Magdeburger  Börde  suchte  er  im  Auslande
Absatz  zu  verschaffen.  Tausende  voll  Fässern  Sauerkohl  und  Kirschsaft  fanden
ihren  Weg  nach  Amerika,  bis  man  dort  lernte,  diese  Waren  selbst  zu  erzeugen.
Dabei  nahm  die  Firma  altch  lebhastell  Anteil  am  Aufschwünge  verschiedener
heimischer  Industrien,  wie  der  Sprit-,  Paraffin-  und  Kali-Industrie.  Später
erstreckte  sich  das  Geschäft  auch  aus  ausländische  Waren.  Eil;  so  ausgedehntes
und  vielseitiges  Geschäft  nahm  selbstverständlich  die  Kräfte  des  Inhabers  stark
in  Einspruch.  Bedenkt  man,  daß  Robert  Weichsel  daneben  ausgeprägte  künstlerische
  und  lvissenschaftliche  Neigungen  besaß,  daß  er  in  der  Stadtverwaltung
als  Stadtverordneter,  in  der  Handelskammer  als  Mitglied  —  voll  1874  ab  als
            
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