Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Untersuchung;  der  Mineralböden.

77

vorhandenen  Kalis  gefunden  zu  haben.  60  g  Boden  werden  mit  dem  kalifreien  Kalkwaaser
  angerieben,  der  Brei  auf  einen  mit  Watte  verstopften  Trichter  gebracht,  darauf  nach
und  nach  mit  im  ganzen  1200  ccm  Kalkwasser  ühergossen  und  im  Filtrat  das  gelöste  Kali
bestimmt.  Dieselben  Mengen  Kali  werden  auch  gelöst,  wenn  man  10  g  Boden  mit  200  ccm
einer  2  °/ 0 -igen  Chlorcaloiumlösuug  auszieht.
6.  Die  wasserhaltende  Kraft  (oder  die  Wasserkapazität)  des  Bodens.  Im  allgemeinen ­
  steigt  und  fällt  die  Wasserkapazität  des  Bodens  (S.  49)  mit  dem  Absorptionskoeffizienten ­
  für  Ammoniak;  dieses  ist  aber  nicht  immer  der  Fall,  weshalb  eine  jedesmalige
Ermittelung  gerade  dieser  Eigenschaft  von  Belang  ist.  Eine  Wasserkapazität  von  25—35°/ 0
gilt  im  allgemeinen  als  günstig;  niedrigere  und  wesentlich  höhere  Zahlen  bedingen  eine
weniger  gute  physikalische  Eigenschaft  des  Bodens.
R.  Heinrich  legt  neben  der  Wasserkapazität  auch  großen  Wert  auf  die  Bestimmung
der  Luftdurchlässigkeit  des  Bodens  (S.  61).
7.  Das  Wasseraufsaugungsvermögen  (die  Kapillaranziehuug)  des  Bodens.  Die
Fähigkeit  der  Wasserleitung  aus  den  tieferen  Schichten  zur  Oberfläche  gilt  ebenfalls  als
wichtiger  Maßstab  für  die  Beurteilung  der  Güte  eines  Bodens.  Bei  sehr  toniger,  dichter
Beschaffenheit  des  Bodens  steigt  das  Wasser  (nach  S,  64)  in  24  Stunden  nur  um  5—10  cm,
hei  geringerem  Tongehalt  um  10—20  cm  und  bei  sehr  günstiger  physikalischer  Beschaffenheit ­
  um  25—40  cm.  Ein  größerer  Ton-  und  Humusgehalt  vermindert  die  Schnelligkeit
und  den  Grad  des  Aufsteigens  und  ebenso  ist  das  letztere  ein  verhältnismäßig  geringes
bei  sehr  grobem  Korn  des  Sandes.
8.  Die  Benetzungswärme  bezw.  Hygroskopizität  des  Bodens.  Über  die  Verwertung ­
  dieser  beiden  Eigenschaften  zur  Beurteilung  der  Güte  eines  Bodens  vergl.  S.  64  u.  67.
Außer  diesen  als  wesentlichst  bezeichneten  Anhaltspunkten  zur  Beurteilung  der
Ackererden  sind  noch  einige  andere  besondere  Vorschläge  gemacht,  welche  hier  kurz
erwähnt  werden  mögen.
9.  Bestimmung  der  organischen  Substanz  der  „mattere  noire“  (Schwarzstoffes)
von  L.  Grandeau.  L.  Grandeau 1 )  glaubte  seinerzeit  gefunden  zu  haben,  daß  die
Fruchtbarkeit  der  Ackererden  in  direkter  Beziehung  stehe  zu  der  Menge  der  an  organische
Substanz  gebundenen,  in  Ammoniak  löslichen  Mineralstoffe  (Phosphorsäure,  Kali,  Kalk),  daß
der  Fruchtbarkeits-Unterschied  verschiedener  Bodenarten  besonders  mehr  durch  den  Phosphorsäure-Gehalt ­
  des  Ammoniak-Auszugs  als  durch  den  des  Säure-Auszuges  angezeigt  wird.  Behandelt ­
  man  nämlich  einen  Boden  mit  verdünnter  bezw.  so  viel  Salzsäure,  daß  der  vorhandene
Kalk  eben  gelöst  wird,  wäscht  den  Boden  mit  Wasser  aus,  trocknet  ihn  an  der  Luft  und
fügt  man  dann  zu  dem  von  kohlensaurem  Calcium  befreiten  Boden  verdünntes  Ammoniak
(Ammoniak  und  destill.  Wasser  zu  gleichen  Teilen),  so  löst  das  Ammoniak  organische
Substanz  und  an  diese  gebundene  Mineralstoffe,  nämlich  Phosphorsäure,  Kali,  Kalk  auf,
welche  nach  dem  Verdampfen  und  Glühen  des  Auszuges  ermittelt  werden  können.
0.  Titsch *  2 )  und  A.  Tuxen  konnten  indes  derartige  Beziehungen  zwischen  der
Menge  der  an  organische  Substanz  gebundenen  und  inAmmoniak  löslichen  Mineralstoffe  (bezw.
Phosphorsäure)  und  der  Fruchtbarkeit  bei  den  von  ihnen  untersuchten  Böden  nicht  finden;
Tuxen  glaubt  vielmehr,  „daß  die  Menge  von  Stoffen,  welche  die  Salzsäure  durch  das
Freimachen  des  „Schwarzstoffes“  aus  der  Erde  zieht,  maßgebender  ist,  als  die  Bestimmung
des  Schwarzstoffes  und  seiner  Phosphorsäure“.
Im  Anschluß  hieran  mag  erwähnt  sein,  daß  A.  Petermann  und  Friedburg 3 )  s.  Z.
glaubten,  in  der  Dialyse  ein  Mittel  gefunden  zu  haben,  die  Güte  eines  Bodens  zu  bestimmen.
Wenn  man  Boden  in  einen  mit  Pergamentpapier  verschlossenen  Dialysator 4 )  bringt  und  diesen
*)  L.  Grandeau,  Eecherches  expörim.  sur  le  röle  des  matteres  organ.  du  sol  dans
la  nutrition  des  plantes.  Vergl.  dessen  Handbuch  d.  agrik.-chem.  Analyse.  Berlin  1879,  S.
2 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1881,  26,  1.  .
3 )  Ebenda  1872,  15,  466  u.  Bull,  de  l’Aoademie  roy.  de  Belgicpie  1882,  3,  No.  1  im
Centralbl.  f.  Agrik.-Chem.  1883,  22,  361.  .
4 )  Das  Pergamentpapier  darf  nicht  mit  Gummiring,  sondern  muß  mit  einem  cm
breiten  Platinband  um  den  unteren,  verdickten  Glasrand  befestigt  werden;  auch  is'  zu
berücksichtigen,  daß  das  Pergamentpapier  für  sich  allein  Stoffe  an  destilliertes  Wasser  a
gibt,  welche  in  Abzug  gebracht  werden  müssen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.