Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Untersuchung  der  Minerälböden.

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Wurzeln  der  Pflanzen  für  das  geeignetste  Organ,  weil  sich  in  ihnen  die  Differenz
des  Nährstoffgehaltes  (zwischen  „arm“  und  „reich“)  am  meisten  und  deutlicher  zeigt,  als
in  den  höher  gelegenen,  jüngeren  Pfianzenteileu.  Als  Kulturpflanze  wählte  er  zunächst
den  Hafer,  weil  er  auf  den  verschiedenartigsten  Böden  wächst.  Der  Hafer  wurde  teils
auf  sehr  reichen,  teils  auf  an  aufnehmbarem  Stickstoff  sehr  armen  Böden  gezogen;  letztere
wurden  dann  durch  einseitige  Düngung  mit  Stickstoff  und  Kali  bezw.  Stickstoff  und
Phosphorsäure  erschöpft,  um  auch  einen  an  Phosphorsäure  bezw.  Kali  armen  Boden  zu
erhalten.  Auf  diese  Weise  wurden  in  der  Trockensubstanz  der  Haferwurzeln  gefunden
Mengen:
geringe  mittlere  geringe  mittlere
für  Stickstoff  .  .  0,5  —0,6%  0,7—0,9  %  für  Kalk  .  .  .  0,2—0,3%!)  0,3—0,4  %
„  Kali  ....  0,08—0,1  „  0,2—0,4  „  „  Magnesia  .  .  0,1?  ?
„  Phosphorsäure  0,08—0,2  „  0,2—0,3  „  „  Schwefelsäure  0,03?  ?
Unter  diesen  Niedrigstgehalten  in  den  Haferwurzeln  kann  kein  günstiges  Wachstum
mehr  erwartet  werden.  Je  weiter  sich  aber  die  Gehalte  in  den  Haferwurzeln  von  den
Niedrigstzahlen  entfernen,  desto  weniger  wird  die  Zuführung  von  aufnehmbaren  Nährstoffen ­
  durch  die  künstliche  Düngung  erforderlich  sein.  Weist  die  Trockensubstanz  einer
Haferwurzel  z.  B.  folgende  Gehalte  auf;

1.  Kall  2.  Kall  3.  Pall
Stickstoff  1,24  %  0,82  %  0,61  %
Kali  0,87  „  1,23  „  ’  0,36  „
Phosphorsäure  0,18  „  0,63  „  0,21  „

so  ist  im  1.  Kall  nur  eine  Düngung  mit  Phosphorsäure,  im  2.  und  3.  Kall  nur  die  mit
Stickstoff  angezeigt.  Je  ärmer  die  Wurzeln  an  Nährstoffen  sind,  desto  ärmer  ist  die  betreffende ­
  Ackerkrume;  je  reichlicher  die  normalen  Wurzeln  Nährstoffe  enthalten,  desto
reicher  muß  auch  der  Boden  sein,  dem  sie  ihre  Nährstoffe  entzogen  haben.  Derjenige
Bestandteil,  der  in  geringster  Menge  vorhanden  ist,  regelt  die  Erträge  und  bewirkt,  daß
die  Ernten  gering  oder  mittelgut  ausfallen.  Die  übrigen  Nährstoffe  können  dann  in  viel
reichlicher  als  oben  angegebener  Menge  vorhanden  sein,  ohne  daß  sie  deshalb  den  Ertrag
zu  steigern  imstande  wären.
Wenn  die  Pflanzenwurzeln  einen  hohen  Gehalt  an  Nährstoffen  aufweisen  und  der
Boden  gleichzeitig  eine  hohe  absolute  Menge  Nährstoffe  enthält,  dann  kann  der  Landwirt
die  weitere  Aufschließuüg  der  Bodenbestandteile  dem  regelrechten  Verlauf  der  Verwitterung
überlassen  und  braucht  in  dem  vollen  Ersatz  der  entzogenen  Nährstoffe  nicht  ängstlich  zu
sein.  Ist  der  absolute  Gehalt  des  Bodens  ein  hoher,  der  Gehalt  der  Pflanzenwurzeln  aber
ein  geringer,  so  kommt  es  nur  darauf  an,  durch  entsprechende  Kulturen,  durch  Anwendung
von  Stalldünger  und  indirekt  wirkenden  Düngemitteln  (Gips,  Kalk,  Kochsalz)  den  Vorrat
aufzuschließen  und  in  eine  aufnehmbare  Korm  überzuführen.
A.  v.  Dikow 2 )  hat  die  Versuche  Heinrichs  bei  der  Gerstenpflanze  auf  einem
mageren,  mehrere  Jahre  nicht  gedüngten  Sandboden  unter  Anwendung  steigender  Düngermengen
  nachgeprüft  und  schließt  aus  den  Versuchen,  daß  das  Gesetz  des  Minimums
von  Heinrich  als  richtig  anzusehen,  das  Gesetz  des  Maximums  wahrscheinlich  ist,
daß  die  Wurzeln  der  Pflanzen  wohl  das  Düngerbedürfnis  anzeigen,  daß  aber  der  Nährstoffgehalt ­
  der  Wurzeln  nicht  als  Maßstab  für  die  Menge  der  aufnehmbaren  Nährstoffe
im  Boden  dienen  kann;  nur  dann,  wenn  der  Nährstoffgehalt  der  Wurzeln  die  Höchstmenge
erreicht,  ist  der  Zweck  der  Düngung  zur  Erzeugung  der  größtmöglichen  Menge  organischer
Substanz  als  erreicht  anzusehen.
Haeßner 3 )  schließt  aus  seinen  Versuchen,  nach  denen  der  Gehalt  der  gedüngten
Gerstenwurzeln  an  Stickstoff  und  Phosphorsäure  mit  dem  Gehalt  der  Wurzeln  von  unge-*)
  Diese  Zahl  drückt  wahrscheinlich  nicht  die  Niedrigstmenge  aus,  sondern  muß  vielleicht
noch  weiter  herabgesetzt  werden.
2 )  Journ.  f.  Landwirtschaft  1891,  39,  134.
3 )  Haeßner,  Untersuchungen  über  den  Nährstoffgehalt  in  den  Wurzeln  und  Körnern
der  Gerste  und  Verhalten  derselben  zu  den  im  Boden  vorhandenen  assimilierbaren  Pflanzennährstoffen, ­
  1887.
            
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