Untersuchung der Moorböden.
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Da durch die Herstellung der unter 1 genannten Misohprobe die natürliche Lagerung
und Struktur des Moorbodens unter Umständen stark geändert werden kann, so ist ferner noch
die Einsendung mindestens eines, besser mehrerer Bodenwürfel von 10 cm Kante aus der
Oberfläohenschicht des Moores bis 20 cm Tiefe, die die durchschnittliche Beschaffenheit der
Oberfläche in ungestörter Lagerung darstellen, anzuraten.
II. Vorbereitung zur Untersuchung und physikalische Untersuchung.
Für die Beurteilung der Güte und Kulturfähigkeit eines Moorbodens ist es
sehr wesentlich, den Grad der Zersetzung zu bestimmen, in welchem sich die moor-
bildenden Pflanzen befinden. Es ist schwierig, hierfür bestimmte Vorschriften zu
geben; nur durch Vergleichungen einer großen Reihe der verschiedenartigsten Moor
bildungen in den verschiedensten Zuständen der Mumifikation ist es möglich, Sicher
heit in der Beurteilung des Zersetzungszustandes zu erlangen.
Im allgemeinen läßt sich folgendes sagen; Ist die Zersetzung der moorbilden
den Pflanzenreste so weit vorgeschritten, daß ihre Struktur mit bloßem Auge
nicht mehr erkennbar ist und das ganze Bodenmuster erdig und mehr oder
weniger krümelig erscheint, so kann die Moorsubstanz als vorzüglich zersetzt be
zeichnet werden. Von vornherein darf als wahrscheinlich, wenn auch nicht als
sicher angenommen werden, daß ein solcher Moorboden einen verhältnismäßig
großen Vorrat an Stickstoff und meistens auch an Kalk enthält. Bei weniger weit
vorgeschrittener Humifikation sind zahlreiche in ihrer Struktur noch erhaltene
Pflanzenreste erkennbar; der betreffende Moorboden wird als gut oder ziemlich gut
zersetzt zu bezeichnen sein. Sind fast alle Pflanzenteile noch vollkommen erhalten,
arm an erdigen Beimengungen, unter Umständen noch sperrig, so ist die Moor
substanz mäßig oder schlecht humifiziert. Trotz vollkommener Erhaltung der
äußeren Struktur kann der Zerfall im Innern der Pflanzenreste so weit gediehen
sein, daß sie z. B. beim Zerreiben zwischen den Fingern vollständig erdig erscheinen.
Ein so beschaffenes Moor wird sich sehr schnell durch die Einwirkung der Atmo
sphärilien vollkommen zersetzen, es ist als vorläufig noch mäßig zersetzt, aber als
leicht zersetzlich zu kennzeichnen. — In jedem Fall wird bei den Moorböden von
unvollkommenem Zersetzungszustand nach der Anlage der Entwässerungsgräben
eine mehr oder weniger beträchtliche Verdichtung und eine dadurch verursachte
Senkung der Mooroberfläche ein treten, worauf bei dem Vorschlag von Kultur
maßregeln notwendigerweise hingewiesen werden muß.
"V or allem ist die Bestimmung der Pflanzen, aus denen das Moor entstanden
und mit denen es im natürlichen Zustande bestanden ist, äußerst wertvoll. Sie läßt
in den meisten Fällen sofort erkennen, ob wir es mit einem von Natur graswüchsigen
sog. Niederungsmoor oder mit einer vorwiegend aus Torfmoosen, Heide und Woll
gräsern entstandenen Hochmoorbildung oder besser einem Heide-Moostorfmoore
zu tun haben. Durch zahlreiche Untersuchungen der Moor-Versuchs-Station ist dar
getan, daß die erstgenannten bedeutend kalkreicher sind als die letzteren. Als
obere Grenze des Kalkgehaltes für die Hochmoore wurde 0,5°/ 0 auf Trocken
substanz berechnet, als untere Grenze für die ausgesprochen graswüchsigen
Moore 2,5 °/ 0 , frei gedacht von zufälligen Bestandteilen, ebenfalls auf Trockensubstanz
berechnet, festgesetzt. Zwischen beiden finden sich selbstverständlich zahlreiche
Übergänge, auch können in demselben Moore durch eine Veränderung der Entstehungs
bedingungen niederungsmoorartige und hochmoorartige Schichten in abwechselnder
Lagerung entstanden sein. Jedenfalls gibt die Erkenntnis, welche Art von Moor
boden vorliegt, schon für die analytische Untersuchung, die Bestimmung der Zer-