Untersuchung der Moorböden.
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bekannter Form entwickelt und in den Waschflaschen b mit Säuren und Alkali
gewaschen wird. Der aus c austretende Gasstrom geht durch eine v. P ettenkof ersehe
Absorptionsröhre e und tritt in dem Gefäß f unter Waser aus.
Der Gang des Stromes wird durch die Schraubenklemme h geregelt; die feinere
Regelung läßt sich sehr leicht durch höheres oder tieferes Eintauchen des Rohres
im Gefäß f erreichen, wodurch eine Verschiebung des Widerstandes für den aus
tretenden Gasstrom in sehr engen Grenzen möglich ist. Der Ansatz mit dem
Quetschhahn d dient dazu, die Aufschlämmung von kohlensaurem Calcium zu dem
Inhalt im Zersetzungsgefäß c treten zu lassen. Nach Einfüllung des Moorbodens und
von 100—200 ccm Wasser in c wird zunächst durch den ganzen Apparat 1 Stunde lang
Wasserstoff geleitet, um den Sauerstoff und die im Apparat vorhandene Kohlensäure
zu entfernen. Zum Aufschlämmen der Stoffe wird ausgekochtes Wasser benutzt, des
gleichen zur Herstellung der Lösung verdünnter Säure im Wasserstoffentwickelungs
apparat a. Ist aller Sauerstoff und alle Kohlensäure durch Wasserstoff im Apparat
verdrängt, so wird bei ununterbrochenem Gasstrom durch Lüftung des Stopfens in das
Absorptionsrohr e die Absorptionsflüssigkeit (100 ccm oder Natronlauge) einge
füllt, sodann durch d ein Uberschuß von aufgeschlämmtem kohlensaurem Calcium und
unter zeitweiligem Umschütteln des Inhaltes im Gefäß c mindestens weitere 3 Stunden
Wasserstoff in langsamem Strom durchgeleitet, darauf der Inhalt des Absorptions
rohres e unter möglichster Verhütung des Zudringens von Kohlensäure aus der Luft
entleert und die Veränderung der Azidität nach dem Verfahren von CI. Winkler 1 )
(Zusatz von reinstem Chlorbaryum und Titrieren mit oder ^ Salzsäure, unter Ver
wendung von Phenolphthalein als Indikator) bestimmt, indem man die Lösung
samt Niederschlag direkt 2 ) titriert.
Der Gehalt der verwendeten Lauge an freiem Alkali wird vorher in derselben
Weise (unter Einhaltung derselben Verdünnungen) durch Titration mit Salzsäure
nach Zusatz von Chlorbaryum unter Anwendung von Phenolphthalein als Indikator
festgestellt. Die Differenz zwischen den beiden Titrationen ergibt die Menge
Kohlensäure, die aus dem Calciumkarbonat durch Einwirkung der freien Humus
säure des Moorbodens entwickelt worden ist, und in dieser ein Maß für den Säure
grad des Bodens. Wichtig ist es, daß bei der Titration am Schlüsse der
Zusatz der Säure langsam erfolgt.
Durch die Ermittelung des Säuregrades (Gehaltes an freier Säure, Humussäure) lassen
sich nach Br. Tacke eine Reihe Fragen, wie über das Kalkbedürfnis, die Wirkung der
Eohphosphate usw. auf verschiedenen Moorböden beantworten.
IV. Berechnung der Untersuchung und ihre Verwertung zur Beurteilung
der Güte eines Moorbodens.
Die Untersuchungsergebnisse werden am besten auf Prozente der vollkommen trocken
gedachten Moorsubstanz berechnet und daun auf Grund der Volumgewichtsbestimmung er
mittelt, wie viel von den betreffenden Pflanzennährstoffen in einem bestimmten Bodenvolumen,
z. B. auf einer Fläche von 1 ha, in der Oberflächenschicht von 0—20 cm oder in einer gleich
*) Vergl. CI. Winkler, Maßanalyse, und Fr. Boeckmann, Untersuohungsmethoden
1893, 1, 411.
3 ) Vergl, F. W. Küster, Zeitschr. f. anorgan. Chemie 1896, 18, 127, und G. Lunge,
Zeitschr. f. angew. Chemie 1897, 41.