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Untersuchung von Strontianit.
Zur weiteren Untersuchung derartiger Gesteine sind folgende Verfahren in
Vorschlag gebracht:
1. Sogenanntes deutsches Verfahren: 1 g Strontianit 1 ) wird in über
schüssiger verdünnter Salzsäure gelöst, die Lösung erhitzt und mindestens 10 Minuten
in lebhaftem Kochen erhalten. Nachdem die Lösung etwas abgekühlt ist, wird nach
Oxydation mit etwas ohlorsaurem Kalium mit kohlensäurefreier Ammoniakflüssigkeit in
schwachem Überschuß gefällt (es empfiehlt sich, einige Tropfen Rosolsäurelösung als
Indikator zuzusetzen), die Flüssigkeit zum Kochen erhitzt, bis der Niederschlag flockig
wird, dann rascli filtriert und mit heißem Wasser bis zum Verschwinden der Chlor
reaktion ausgewaschen. Der gesammelte Niederschlag wird verascht, gewogen und
nach Abzug der Filterasche als „Oxyde“ in Rechnung gestellt. Der Niederschlag
besteht aus etwas Eisenoxyd bezw. Schwefelkies, Tonerde und Sand.
Das Filtrat wird mit Ätzammoniak und kohlensaurem Ammon gefällt, der
Niederschlag (Sr C0 8 + Ca C0 8 ) nach dem Absetzen abfiltriert und mit kochendem
Wasser bis zum Verschwinden der Chlorreaktion ausgewaschen. Darauf löst man
den Niederschlag unter Bedecken des Trichters mit verdünnter Salpetersäure, wäscht
mit heißem Wasser bis zum Verschwinden der sauren Reaktion nach und dampft
Lösung und Waschwasser auf dem Wasserbade in einer Glasschale zur Trockne
ein. Man trocknet die Glasschale bei 130° und nimmt nach dem Erkalten mit
einem Gemisch von gleichen Teilen Äther und absolutem Alkohol auf. Um ein
vollständiges Ausziehen des Calciumnitrates zu ermöglichen, müssen die Strontium
nitrat-Kristalle tunlichst zerdrückt werden. Man wäscht die Masse auf einem
Filter mit dem Äther-Alkohol-Gemisch aus, bis das Filtrat mit verdünnter Schwefel
säure nach einigem Stehen keine Reaktion mehr gibt, trocknet bei 100° im
Trockenschrank und wägt, nachdem man das vom Niederschlage befreite Filter für
sich verascht und den Kristallen beigefügt hat. Man kann aber auch richtiger
die Kristalle auf einem vorher gewogenen Filter sammeln, trocknen und wäge»-
Die gefundene Menge Sr(N0 8 ) 2 multipliziert mit 0,697 ergibt die Menge Strontium-
karhonat.
Zur Bestimmung des Calciumkarbonates erwärmt man das Filtrat gelinde
auf dem Wasserbade bis zur Vertreibung des Äthers, fällt mit verdünnter Schwefel
säure, läßt nach dem Erkalten einige Zeit stehen, filtriert, wäscht einmal mft
Alkohol nach, läßt langsam trocknen und glüht, * 2 ) Die gefundene Menge CaS0 4
multipliziert mit 0,735 gibt die Menge des Calciumkarbonates.
2. Sogenanntes französisches Verfahren: 2 g der gepulverten Probe
werden mit Salzsäure in geringem Uberschuß zur Trockne verdampft, mit Wasser, dem
man 10 g Natriumacetat zugesetzt hat, aufgenommen, längere Zeit gekocht, der
Niederschlag (Eisenoxyd und Tonerde neben Gangart) abfiltriert und mit heißem Wasser
gut ausgewaschen. Das klare Filtrat wird in einer Porzellanschale unter Zusatz vo»
400 ccm einer Lösung von schwefelsaurem Ammon, die 260 g festes schwefelsaures
Ammon auf 1 Liter enthält, so daß auf 1 g Substanz 50 g Ammonsulfat komme»)
1 / 2 bis 3 / 4 gelinde Stunde gekocht, sodann 12 Stunden beiseite gestellt, abfiltriert und
mit der erwähnten Ammonsulfatlösung ausgewaschen. (Etwa x / 2 Liter Lösung genügt
zum Auswaschen.) Das Filter wird getrocknet, mit Schwefelsäure befeuchtet, geglüht
und gewogen. Die gefundene Menge SrS0 4 multipliziert mit 0,8088 gibt die
r) Oder besser 10 g, indem man das Filtrat davon auf 1000 ccm bringt und hiervon
100 ccm zur Bestimmung von Strontian und Kalk verwendet.
2 ) Zur Entfernung des CaS gibt man nach dem Erkalten einige Tropfen verdünntet
Schwefelsäure hinzu, dampft ein und glüht vorsichtig.