Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

122

Tierische  Entleerungen.

und  kocht;  enthält  der  Harn  Zucker,  so  wird  das  weiße  Wismutsalz  unter  Schwarzfärhung
  reduziert.
10.  Freie  und  gebundene  Kohlensäure:  Zwei  Proben  frisch  aufgefangenen
Harns  von  je  etwa  100  ccm  werden,  die  eine  mit  einer  reinen,  die  zweite  mit
einer  ammoniakhaltigen  Lösung  von  Chlorbaryum  versetzt,  die  Flüssigkeiten  auf
dem  Dampfapparate  bis  nahe  zum  Kochen  erhitzt,  die  Niederschläge  auf  ein  gewogenes
Filter  gebracht,  ausgewaschen,  bei  100°  getrocknet,  gewogen  und  der  Gehalt  an
Kohlensäure  ermittelt.
11.  Wenn  auch  Kohlenstoff  und  Wasserstoff  in  der  organischen  Substanz
des  Harnes  bestimmt  werden  sollen,  so  geschieht  dieses  mittels  der  Elementaranalyse, ­
  indem  man  10  ccm  Harn  im  Gemenge  mit  feinem  Quarzsand,  welcher
vorher  mit  Säuren  ausgekocht,  gewaschen  und  geglüht  wmrden  ist,  oder  im  Gemenge
mit  präzipitiertem  und  geglühtem  schwefelsauren  Baryum  verdampft,  den  Rückstand
vollständig  austrocknet  und  mit  chromsaurem  Blei  gegen  Ende  der  Behandlung  im
Sauerstoffstrome  verbrennt.
12.  Bestimmung  des  Chlors:  5—10  ccm  Harn  werden  in  einer  kleinen
Platinschale  mit  1  g  reinem  kohlensauren  Natrium  (um  etwaiges  Chlorammonium
in  Chlornatrium  und  kohlensaures  Ammon  überzuführen  und  einen  Verlust  von
Chlor  zu  verhüten)  und  1—2  g  chlorfreiem  Salpeter  im  Wasserbade  zur  Trockne
verdampft;  der  Rückstand  wird  zuerst  gelinde,  später  stärker  bis  zum  Schmelzen
erhitzt.  Die  verbleibende  Schmelze  wird  in  wenig  Wasser  gelöst,  die  Lösung  in
ein  Becherglas  gebracht  und  zu  der  alkalisch  reagierenden  Flüssigkeit  so  lange
tropfenweise  sehr  verdünnte  reine  Salpetersäure  hinzugegeben,  bis  eine  schwach
saure  Reaktion  eingetreten  ist,  die  man  alsdann  durch  eine  Messerspitze  voll  gefällten
kohlensauren  Calciums  wieder  beseitigt.  Das  überschüssige  kohlensaure  Calcium
filtriert  man  vor  der  Titration  nicht  ab,  da  es  die  Schärfe  der  Endreaktion  durchaus ­
  nicht  beeinträchtigt.  Zu  der  Mischung  setzt  man  ferner  2—3  Tropfen  einer
kalt  gesättigten  Lösung  von  chromsaurem  Kalium  und  titriert  dann  mit  Silberlösung, ­
  bis  eine  deutlich  rötliche  Abstufung  auch  nach  dem  ümrühren  bestehen
bleibt.  Die  Silberlösung  soll  im  Liter  18,469  g  Silber  enthalten,  so  daß  ein  Kubikzentimeter ­
  derselben  10  mg  Chlornatrium  oder  6,068  mg  Chlor  entspricht;  sie  darf
keine  Spur  von  freier  Salpetersäure  enthalten,  muß  also  völlig  neutral  sein.
Man  kann  aber  auch  ebenso  schnell  das  Chlor  in  der  salpetersauren  Lösung
gewichtsanalytisch  bestimmen.
13.  Die  etwa  vorhandene  Phosphorsäure  kann  man  durch  Titration  mit
Uranlösung  ermitteln,  sicherer  ist  jedoch  die  gewichtsanalytische  Bestimmung  in  der
Asche  des  Harns  nach  dem  Molybdänverfahren  (vergl.  unter  „Düngemittel“).
Um  die  an  Erden  gebundene  Phosphorsäure  allein  zu  bestimmen,  versetzt  man  je
nach  der  Konzentration  100  oder  200  ccm  des  filtrierten  Harns  mit  Ammoniak  bis  zur
alkalischen  Reaktion  und  läßt  12  Stunden  stehen.  Der  Niederschlag  wird  auf  einem  kleinen
Filter  gesammelt,  unter  Erwärmen  in  möglichst  wenig  Essigsäure  gelöst,  die  Lösung  bis
auf  50  com  verdünnt  und  nach  Zusatz  von  5  ccm  der  essigsauren  Ammoniösung  mit  Uran
titriert.  Will  man  Kalk  und  Magnesia  bestimmen,  so  löst  man  das  Gemenge  der  Phosphate
vor  dem  Glühen  in  möglichst  wenig  verdünnter  Essigsäure  auf,  fällt  den  Kalk  mit  oxalsaurem
  Ammon  und  nach  dem  Abfiltrieren  des  Niederschlages  das  phosphorsaure  Magnesium
durch  Übersättigung  der  Flüssigkeit  mit  Ammoniak.
14.  Schwefelsäure:  50  oder  100  ccm  des  filtrierten  Harnes  werden  mit
Salzsäure  stark  angesäuert,  bis  zum  Sieden  erhitzt  und  mit  Chlorbaryumlösung
gefällt.  Man  läßt  die  Flüssigkeit  noch  einige  Stunden  in  der  Wärme  stehen  und
filtriert  die  klare  Flüssigkeit  ab.  Den  Niederschlag  rührt  man  noch  wiederholt  in
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.