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Futtermittel.
eines Dampftopfes kann man sich auch der Eeischauer-Lintnerschen Druck
fläschchen bedienen, welche 8 Stunden bei 108—109° im Glyzerinbade erhitzt werden.
Der Inhalt des Bechers bezw. Fläschchens wird sodann noch heiß durch einen
mit Asbest gefüllten Trichter filtriert und mit siedendem Wasser ausgewaschen.
Da aber die Lösungen meistens schlecht filtrieren, so füllt man den Inhalt
des Bechers zweckmäßig auf 250 ccm auf und filtriert durch ein trocknes Faltenfilter.
Der Rückstand darf unter dem Mikroskop keine Jodreaktion mehr geben.
Von dem Filtrat werden 200 ccm in einem 500 ccm-Kolben mit 20 ccm einer Salz
säure von 1,125 spezifischem Gewicht 3 Stunden lang am Rückflußkühler im kochenden
Wasserbade erhitzt. Darauf wird rasch abgekühlt und mit Natronlauge so weit
neutralisiert, daß die Flüssigkeit noch eben
schwach sauer reagiert, dann auf 500 ccnl
aufgefüllt und in dieser Lösung die gebildete
Glukose nach Meißl-Allihn bestimmt. Die
gefundene Glukosemenge mit 0,9 multipliziert
ergibt die vorhandene Stärke (vergl. auch
Tabelle VII am Schluß).
Will man die Glukose maßanalytisch
nach Soxhlet bestimmen, so ist die Lösung
auf ein geringeres Volumen zu konzentrieren.
Anm. Selbstverständlich wird durch den
starken Druck, besonders bei Anwendung von
Milchsäure, ein Teil der Hemizellulosen
(Pentosane) außer der Stärke hydrolysiert werden,
so daß ein höherer Gehalt an Stärke erhalten
wird, als wirklich vorhanden ist. Über die
Vermeidung dieses Fehlers vergl. Weiser und
Zaitschek S. 231, Andererseits aber kann
bei dem hohen Druck und der Länge der Ein
wirkung eine teilweise Karamelisierung
oder gar eine Reversion (d. h. Bildung nicht
reduzierender Stoffe) eintreten und daher zu
wenig für Stärke gefunden werden.
c) Direkte Bestimmung der
Stärke. Zur direkten Bestimmung der
Stärke, also des wahren Stärkewertes, sind
mehrere Verfahren in Vorschlag gebracht.
«) Verfahren von J. Mayrhofer,
welches allerdings in erster Linie für die
Bestimmung der Stärke in der Wurst ausgearbeitet, aber auch für andere Fälle
anwendbar ist. 3—20 g Substanz (je nachdem die Jodreaktion größere oder kleinere
Stärkemengen anzeigt) werden im zerkleinerten Zustande in einem Becherglas oder einer
tiefen Porzellansehale (Porzellankasserole mit Stiel) mit 50 ccm 8 °/ 0 -iger alkoholischer
Kalilauge übergossen, das Gefäß mit einem Uhrglas bedeckt und auf ein kochendes
Wasserbad gesetzt. Nach kurzer Zeit ist die Masse aufgelöst (der Auflösung
kann durch Zerdrücken der Schnitten mit einem Glasstab nachgeholfen werden);
man verdünnt sodann mit heißem 50 °/ 0 -igem Alkohol, läßt absitzen und filtriert
(Asbeströhrchen sind Papierfiltern vorzuziehen), wäscht noch zweimal mit heißer
alkoholischer Kalilauge und schließlich mit Alkohol nach, bis das Filtrat auf Zu
satz von Säure vollkommen klar bleibt und nicht mehr alkalisch reagiert. Nunmehr