Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Futtermittel.

gehen  mehr  Körner  in  das  Hektoliter,  und  wenn  dieses  78  kg  statt  75  kg  wiegt,  wird
der  Weizen  verhältnismäßig  viel  höher  bezahlt.
Der  Nachweis  des  Ölens  ist  kaum,  wenigstens  nicht  immer,  mit  Sicherheit  zu  erbringen. ­

Wir  behandelten')  2  Stunden  je  1  kg  ungeölten  und  geölten  Weizens  in  der  Kälte
mit  700  ccm  Äther,  gossen  ab  und  spülten  den  Weizen  mit  weiteren  600  ccm  Äther  ab.
Der  Äther  wurde  filtriert,  verdunstet  und  der  Fettrückstand  gewogen;  nicht  geölter  Weizen
gab  auf  diese  Weise  0,90—1,02  0 /„  Fett  an  den  Äther  ab,  geölter  dagegen  0,99—1,17°/,,,
also  nur  ganz  unwesentlich  mehr,  was  bei  den  geringen  angewendeten  Mengen  Öl  zu  erwarten ­
  ist.
Nach  Himly  soll  man  den  fraglichen  Weizen  in  einem  Glase  mit  etwas  Bronzepulver ­
  schütteln,  die  Körner  dann  auf  trocknes  Papier  bringen  und  damit  etwas  abreiben.
Ist  der  Weizen  geölt,  so  überzieht  er  sich  mit  der  Bronze  und  vergoldet  sich  gleichsam;
ungeölter  Weizen  dagegen  reibt  sich  leicht  ab,  es  bleibt  nur  in  der  Kerbe  und  an  den
Haaren,  dem  sogenannten  Bart,  etwas  hängen.
Ähnlich  wie  Bronzepulver  verhält  sich  Kurkumapulver;  die  Unterschiede  treten
hier  sogar  etwas  deutlicher  hervor.
Ein  anderes  Verfahren  besteht  darin,  daß  man  ein  absolut  fettfreies  Becherglas  mit
Wasser  füllt  und  etwas  Kampferstaub  auf  die  Wasserfläche  streut.  Die  Kampferteilchen
geraten  in  eine  lebhafte  Bewegung;  diese  hört  aber  auf,  wenn  man  geölten  Weizen  in
das  Becherglas  gibt;  sie  bleibt  dagegen,  wenn  der  Weizen  nicht  geölt  ist.
Die  Prüfungen  mit  Bronze-  und  Kurkumapulver  sind  im  allgemeinen  noch  zuverlässiger ­
  als  letztere,  indes  auch  nicht  so  zuverlässig,  daß  sich  hiernach  mit  Sicherheitgeölter
  und  nicht  geölter  Weizen  unterscheiden  ließe.  Wenigstens  soll  man  stets  nicht
geölten  und  selbst  geölten  Weizen  zum  Vergleich  heranziehen,  um  nicht  irre  zu  gehen.
11.  Bestimmung  des  Volumgewichtes.  Zur  Bestimmung  des  Volum  ge  wichtes
des  Getreides  kann  irgend  eine  zuverlässige  Getreidewage *  2  *  *  * )  benutzt  werden  (vergl.
Untersuchung  von  Sämereien).
12.  Die  zolltechnische  Prüfung  des  Mehles.  Für  eingeführtes  Getreide  braucht
kein  Zoll  entrichtet  zu  werden,  wenn  dafür  eine  entsprechende  Menge  von  Mehl  wieder
ausgeführt  wird;  es  wird  angenommen,  daß  aus  100  kg  Roggen  65  kg,  aus  100  kg
Weizen  75  kg  ausfuhrfähiges  Mehl  gewonnen  werden  können.  Um  zu  sehen,  ob  nicht
etwa  Mehl  von  einer  größeren  Ausbeute  oder  nur  grobes  Mehl  mit  höherer  Ausbeute
nach  Entfernung  der  feinen  Mehlanteile  (No.  0)  für  die  Ausfuhr  genommen  ist,  dient;
a)  die  Beurteilung  des  Mehles  nach  der  Farbe,  für  welche  festgelegte ­
  Muster  oder  Typen  zumVergleich  dienen,  bezw.  das  Pekarisieren.
Zur  Erkennung  der  Farbenunterschiede  formt  man  auf  einer  Glasscheibe  oder  besser
auf  einem  dünnen,  glatten  (geölten)  Brettchen  von  hartem  Holze  aus  etwa  2  Teelöffeln ­
  (15—20  g)  des  fraglichen  Mehles  ein  Parallelopiped  von  etwa  5  cm  Länge,
3  cm  Breite  und  3  mm  Höhe,  indem  man  die  Oberfläche  mit  einer  zweiten  Glasscheibe ­
  durch  Aufpressen  oder  durch  Auflegen  eines  Stückchen  starken  Schreibpapieres
  und  durch  Flachdrucken  mit  einem  Lineal  ebnet  und  durch  Beschneiden  mit
dem  Messer  für  eine  scharfe  Begrenzung  sorgt,  oder  man  bedient  sich  eines  besonderen
Formstechers, 8 )  mit  dem  man  aus  dem  Mehl  ein  Rechteck  heraussticht.  Durch
Vergleichung  der  Farbe  dieser  Rechtecke  mit  den  festgelegten  Mehltypen  lassen
sich  schon  geringe  Unterschiede  erkennen.  Die  Farbenunterschiede  treten  aber  noch
deutlicher  hervor,  wenn  man  das  Brettchen  mit  den  Mohlrechtecken,  vorsichtig
] )  Vergl.  H.  Weigmanu,  Chem.-Zeitung  1888,  12,  1358.
2 )  Für  Preußen  wird  der  Getreideprober  von  Sommer  und  Runge  in  Berlin  SW.,
Wilhelmstr.  122,  empfohlen.
*)  Der  Formstecher  wird  zum  Preise  von  1,50  Mk.  von  dem  Modellschlosser  Külitz,
Berlin  N.,  Invalidenstr.  42,  angefertigt.
            
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