Mikroskopische Untersuchung. Weizen.
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bei Weizenmehlen, aber dies mag damit Zusammenhängen, daß bei der Herstellung von
Roggenmehl durchschnittlich nicht die gleichgroße Sorgfalt in Anwendung kommt, wie
bei Herstellung von Weizenmehl.
Durch eine große Reihe von Einzelversuchen hat Benecko feststellen können, daß
mit der zunehmenden Feinheit des Mehles die Menge des Bodensatzes abnimmt. Es ist also
der Bodensatz von Wm. 000 geringer als von Wm, 00, und dieser wieder geringer als
von Wm. 0 bezw, Wm. I usw,, und ebenso nimmt der Bodensatz zu von Em. 00 zu Rm. 0,
Rm. I, Rm. II usw. Würden wir Rm. 00 und Wm. III vergleichen, so wäre das Verhältnis
ein umgekehrtes, indem der Bodensatz von Wm. III weit beträchtlicher ist als der von Rm. 00.
Da die Hauptmasse des Bodensatzes aus Kleberzellen besteht, so leitet Ben ecke
aus seinen Versuchen den Satz ab: Die Feinheit des Mehles läßt sich nach der
Anzahl der Kleberzellen bemessen. Die Mächtigkeit des Bodensatzes hängt
von dem Feinheitsgrade, die Farbe von der Herkunft des Mehles ab.
, So wie Roggenkleie durch die blauen Kleberkörner in Weizonkleie leicht und sicher
naohgewiesen werden kann, so ist es also auch möglich. Roggeumehl in Weizenmehl auf
zufinden, und zwar etwa 20% Roggenmehl-Zusatz mit größter Sicherheit ohne jede An
wendung des Mikroskops; wenn geringe Sorten Roggenmehl verwendet sind, so lassen
sich auch noch 10% oder sogar 5% nachweisen.
Ein Zusatz von 10% Rm. 0 zu Wm. 00 kann indes nicht mehr mit Sicherheit
durch die grüne Färbung ermittelt werden. Zum Nachweise geringer Zusätze feinerer
Sorten Roggenmehl verfährt man wie folgt:
Die in der Birne 1 ) sich bildende Decke wird vorsichtig zerrührt und mit dem
Chloroform herausgespült; man gießt alsdann Äther in die Birne, rührt den Bodensatz
auf und spült ihn in eine kleine Porzellanschale, läßt absitzen, dekantiert den Äther ab,
übergießt mit mäßig konzentrierter Essigsäure und kocht unter Umrühren den Rückstand
einmal auf. Man wendet so viel Essigsäure an, daß nach dem Erkalten noch eine flache
Schicht über dem gekochten Brei steht.
Weizenmehl in dieser Weise behandelt, zeigt eine gelbbraune Farbe ohne jeden
Stich ins Rote, Roggenmehl dagegen eine prachtvolle, tief rosenrote Färbung. Diese
beiden Farbenreaktionen sind auf der Tafel unter II durch Streifen 1 (Wm. 3) und
Streifen 4 (Rm. 2) zur Darstellung gebracht. Es sind dies dieselben Mehle, welche ohne
Behandlung mit Essigsäure die Farben der gleichlautend numerierten Streifen unter I
zeigen. Unter II sind dann ferner dargestellt: die Farben der Mehlgemische 3, 9 und 8;
Streifen II, 3 (50% Rm, 2 zu Wm. 3) zeigt noch eine stark rote Färbung, bei Streifen 9
(20% R m , o zu Wm. 00) ist die Färbung schwächer, aber noch recht deutlich.
Streifen 8 gibt die Färbung eines Mehlgemisches von 90% Wm. 00 mit 10%
B-m. 0, bei welchem nach alleiniger Behandlung mit Chloroform kein grüner Farbenton mehr
mit Sicherheit wahrzunehmen ist (I, 8). Nach Behandlung des Bodensatzes mit Essigsäure
ls t aber in unzweifelhafter Weise ein rötlicher Parbenton noch nachweisbar, wie ihn II, 8
z ®igt. Auf den ersten Blick mag es scheinen, als ob der rötliche Ton nicht sicher wahi-
zunehmen sei; man braucht aber nur Streifen 9, 3 und 4 mit weißem Papier zu über
decken, um sich vom Vorhandensein des rötlichen Tones zu überzeugen. In der Praxis wird
ühm einfach nur ein in gleicherweise behandeltes, unzweifelhaft reinesAVeizenmehl daneben zu
halten brauchen, um Gewißheit darüber zu erhalten, ob eine rötliche Färbung vorhanden ist
oder — was dasselbe sagen will — ob das Weizenmehl einen Zusatz von Roggenmehl enthält.
Mahl- und sonstige Abgänge von Roggen und Weizen, ihre
Verunreinigung und Unterscheidung.
Zu den tagtäglich wiederkehrenden Aufgaben in den agrikulturchemischen
Laboratorien gehört der Nachweis von Mahlerzeugnissen des Roggens in Weizen oder
umgekehrt, ferner der Nachweis von Verunreinigungen in denselben.
"eiche ri- a -p ^ er Birne werden in diesem Palle zweckmäßiger große Gläser augewendet,
scbließij,,,, 10 ■ < f m e * nes Champagnerglases haben und oben mit einem Korkpfropfen ver-
S1 n , aus solchen Gläsern läßt sich die Decke leicht abheben und daher ist eine