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Futtermittel.
Bei der Beurteilung der Reinheit von Mahlerzeugnissen des Roggens und Weizens
muß aber beachtet werden, daß eine geringe Beimengung (etwa 5 °/ 0 ) der einen
Getreideart zu der anderen leicht Vorkommen kann, ohne daß ein absichtlicher
Zusatz anzunehmen ist. Geringe Beimengungen der einen in der anderen Getreideart
können daher nicht ohne weiteres als Verfälschung angesehen werden; erst größere
Beimengungen sind zu beanstanden.. Diese lassen sich aber nicht oder nur durch
äußerst sorgfältiges und langwieriges Auszählen der fremden Gewebselemente unter
dem Mikroskop in annähernden Prozentsätzen angeben.
1. Die Untersuchung von Mehlen auf Reinheit. Für die Unterscheidung
von Roggen- und Weizenmehl kommen die vorstehend angegebenen Forraelemente, besonders
die Haare, Quer-, auch Längszellen, ferner das Verhalten der Stärkekörner
und Kl eherzellen in Betracht. Dasselbe gilt von Futtermehlen (Boll-,
Schwarzmehl usw.). Dagegen bedarf
2. die Untersuchung der Kleien noch einiger besonderen Erläuterungen;
denn in diesen finden sicli die Formelemente nicht nur in einem anderen Verhältnis,
sondern auch neben diesen die verschiedensten anderen Verunreinigungen.
Nach den Beschlüssen des Verbandes landw. Versuchs-Stationen i. D. R. ist
Kleie der Abfall, welcher beim Mahlen des vorher von Verunreinigungen
befreiten, also reinen, mahlfertigen Kornes entsteht.
Die Erzeugnisse des Bntspitzens sind demnach zu den Bestandteilen
der Kleie zu zählen, nicht aber etwaige Ansammlungen in den
Staubkammern.
Beim Verkauf von Kleie ist die Gehaltsgarantie für Nährstoffe
möglich und anzustreben.
Die Kleie muß unverdorben sein und soll nur aus dem ihrem Namen
entsprechenden Material hergestellt sein. Mischungen von Kleie sind
unter Angabe der Bestandteile besonders zu bezeichnen.
Bei der Weizenkleie unterscheidet man mehrere Sorten, nämlich: Fiugkleie,
bestehend aus den beim Putzen durch den Ventilator abgeblasenen Staubteilchen
und Schalenblättern, die zur Fütterung nicht verwendet werden soll;
Spitzkleie, bestehend aus den beim „Spitzen“ des Weizens auf einem besonderen
Mahlgang erhaltenen behaarten Spelzen neben einem großen Teil der Weizenschalen
— letztere können durch die neuen Mahleinrichtungen auch fast rein für sich gewonnen
werden —; sie werden aber mit der Spitzkleie der gewöhnlichen Kleiesorten entweder
der groben bezw. Schalenkleie oder der feinen bezw. Gries- oder Dunstkleie
zugesetzt. Letztere enthalten neben den Bestandteilen der Frucht- und Samenschale
die Gesamtreste des unter der letzteren liegenden Knospenkernes, die Aleuronschicht
und Reste des Stärkekörpers.
Bei der Vermahlung des Roggens fällt neben dem Futtermehl durchweg
nur eine Sorte Kleie ab; um so mehr ist sie den Verunreinigungen bezw. den Verfälschungen,
besonders durch die jetzigen Abfälle des Weizens ausgesetzt, welche,
wie die Weizengrieskleie, Spitz- und Flugkleie, mit unbewaffnetem Auge der Roggenkleie
ähnlich erscheinen oder ihr eine helle — d. h. beliebtere — Farbe erteilen.
Besonders häufig ist der Zusatz von dem Kornausputz oder Ausreuter bei
beiden Kleien; unter Kornausputz bezw. Ausreuter versteht man alle beim Reinigen
und Putzen des Getreides abgeschiedenen Abfälle organischer Natur, als da sind:
Vermengung der Bestandteile des Bodensatzes mit denen der Decke weit mehr ausgeschlossen.
Vergl. die von Ed, Spaeth (Zeitschr. f. angew. Chemie 1897, 10) für diese
Zwecke besonders vorgeschlagenen Sedimentiergläser S. 262.