Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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Vertreter dieses Gewerbes, wie auch der Färberei. Doch bildete 
Rotterdam als Seehafen naturgemäß eine größere Anziehungskraft 
für Händler mit überseeischen Artikeln, wie Zucker, Tabak, Speze- 
reien, Farbwaren. Man schätzte Anfang des 17. Jahrhunderts 
den südniederländischen Bevölkerungseinschlag in Rotterdam auf 
etwa ein Fünftel; diese Einwanderer galten zunächst noch als 
Fremde; erst allmählich fand eine völlige Verschmelzung statt. 
Von einem Einfluß der Zuwanderung auf eines der Hauptgewerbe 
Rotterdams, die Heringsfischerei, verlautet dagegen nichts; ein 
solcher Einfluß war auch unwahrscheinlich, da nach ihrer so- 
zialen Zusammensetzung die Flüchtlinge zu dieser Industrie keine 
Beziehungen hatten‘). 
Neben Leiden hat wohl Amsterdam am meisten den 
Segen der Einwanderung dieser Periode genossen. Nach dem Fall 
von Antwerpen strömte eine große Menge von Kaufleuten, Amts- 
personen und Arbeitern nach Amsterdam. Das hat in den Jahren 
zwischen 1578 und 1600 hier eine wirtschaftliche Revolution herbei- 
geführt; das Handelskapital vermehrte sich mächtig, das Gewerbe 
entstand z. T. ganz neu oder blühte von neuem auf. Aus einer 
Hafenstadt zweiten Ranses war die Stadt 
auf dem besten Wege, ein Mittelpunkt des 
Welthandels zu werden?. Im inneren Zusammenhange 
damit erfuhr das Amsterdamer Gewerbe, namentlich in den Zweigen 
der Luxusindustrie, neue Nahrung durch die Flüchtlinge, so in der 
Satin- und Sammet-, der Teppich- und Möbelstoff-Fabrikation, 
wie auch in der Möbelindustrie. Waren diese Fabrikationen mehr 
oder weniger den Schwankungen der späteren Konjunkturen unter- 
worfen und sind sie nur zum Teil bis zur neuesten Zeit erhalten 
geblieben, so hat dagegen eine von Flüchtlingen nach Amster- 
dam eingeführte Industrie sich bis in die Gegenwart in hoher Blüte 
behauptet; das war die Diamantenindustrie. 
Ein Antwerpener, Pieter Goos, führte 1588 hier die 
Diamantenschleiferei ein?. Über ihre erste Entwick- 
l) Bijlsma, Rott. Welvaren, S. 36 ff. 
®?) van Ravesteyn, S. ı79. Von 1589—1624 verdreifachte sich der 
Amsterdamer Handel (Brugmans, Opkomst, S. 116 f.). 
3 van Schelven, S. 34f.; vgl. auch Polak, S. 5.
	        
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