Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Vollmilch.  Bestimmung  der  Trockensubstanz  bezw.  des  Wassers.

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Milchglaskonus  eingeschmolzen  ist.  Man  mißt  4  ccm  Milch  ab,  gießt  dieselben  in  den
Zylinder  und  setzt  unter  fortwährendem  Schütteln  so  viel  Wasser  zu,  bis  die  auf  dem
Milchglaskonus  angebrachten  5  schwarzen  Striche  eben  zu  erkennen  sind.  Die  in  gleicher
Höhe  mit  der  Flüssigkeitssäule  befindliche  Zahl  am  Instrument  entspricht  direkt  den  vorhandenen ­
  Fettprozenten.  Sind  die  Striche  bei  einem  Wasserzusatz  bis  2'/a  deutlich  zu  erkennen, ­
  so  ist  die  Milch  verdächtig  und  der  chemischen  Prüfung  zu  unterwerfen.  —  Auf
demselben  Grundsatz  beruht  auch  der  neuerdings  aufgetauchte  Magermilchprüfer  von
Alexander  Bernstein. 1 )
Die  sonstigen  optischen  Milchprüfungsapparate,  das  Laktoskop  von  Donnö,  Vogel,
Trommer-Vogel,  Seidlitz,  Reischauer,  der  optische  Milchprüfer  von  Gehr.
Mittelstraß  in  Magdeburg,  der  Milchspiegel  vonHeusner  usw.  seien  hier  nur  erwähnt.
3,  Bestimmung  der  Trockensubstanz  bezw.  des  Wassers.
Der  Gehalt  an  Trockensubstanz  bezw.  Wasser  wird  ermittelt,  indem  man
10—12  g  der  gut  durcbgemiscbten  Milch  in  einer  mit  etwa  15  g  gewaschenem,  ausgeglühtem ­
  Seesande  oder  einer  entsprechenden  Menge  ausgeglühtem  Bimssteinpulver
beschickten,  vorher  gewogenen  Platinschale  unter  häufigem  Umrühren  im  JVasserhade
  bis  zur  Trockne  verdampft  und  im  Lufttrockenschrank  bei  105°  bis  zur  Beständigkeit ­
  des  Gewichtes  trocknet.  Statt  der  Platinschale  mit  Sand  oder  Bimssteinpulver ­
  kann  man  sich  auch  der  flachen  Soxhl  et  sehen  Nickelschalen  (ohne  Zusatz
eines  Trockenraittels)  und  statt  des  Lufttrockenschrankes  des  Soxhietsehen  Trockenschrankes ­
  mit  Glyzerinfüllung  bedienen.  Jedoch  empfiehlt  es  sich  hierbei,  nur
6—10  g  Milch  zu  verwenden.
Nach  H.  Lührig 2 )  erhält  man  durch  Trocknen  bei  105°  im  Soxhletschen
Trockonschranke  im  Mittel  etwa  0,12—0,15  °/ 0  Trockensubstanz  weniger  als  nach
3—4-stündigem  Trocknen  im  Wassertrockenschranke.
Es  ist  bei  der  größten  Sorgfalt  nicht  zu  vermeiden,  daß  die  eingetrocknete  Milch,
besonders  wenn  sie  sauer  ist,  eine  gelbe  oder  braune  Farbe  annimmt,  jedenfalls  ein  Zeichen,
daß  eine  gewisse  Zersetzung  stattgefunden  hat.  Um  diesen  Fehler  zu  vermeiden,  stellt
man  wohl  die  auf  dem  Wasserbade  nahezu  eingetrocknete  Milch  auf  eine  Schale  mit  erwärmtem ­
  Sand  und  bringt  beides  unter  den  Rezipienten  einer  Luftpumpe.
Über  die  Berechnung  des  Trockensubstanzgehaltes  aus  dem  spezifischen
Gewicht  und  dem  Fettgehalte  vergl.  weiter  unten  unter  No.  16.
Nach  A.  Reinsch  und  H.  Lührig 8 )  liefert  diese  Berechnung  der  Trockensubstanz ­
  zuverlässigere  Ergebnisse  als  die  direkte  Bestimmung,  da  die  Trockensubstanz
von  Tag  zu  Tag  eine  beträchtliche  Abnahme  erfährt.  Nur  die  unmittelbar  nach  der
Gewinnung  der  Milch  bestimmten  Trockensuhstanzgehalte  stimmen  gut  mit  den  berechneten ­
  tiberein.  Bis  zum  Zeitpunkt  des  Gerinnens  der  Milch  können  diese
Differenzen  0,22—1,04°/ 0  betragen.  Auch  Vieth  hat  bereits  früher  auf  diese  Abnahme ­
  des  Trockensubstanzgehaltes  hingewiesen.  Er  fand  nach  48  Stunden  in  hei
10—Ißo  aufbewahrter  Milch  eine  Abnahme  von  0,30  °/ 0  und  in  hei  19—21°  aufhewahrter
  eine  solche  von  0,78  °/ 0 .
')  Milch-Ztg.  1903,  32,  37;  vergl.  auch  daselbst  434  und  Molkerei-Ztg.  Berlin  1903,
13,  505;  Zeitachr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  7,  400  u.  401.  —
Der  Apparat  wird  hergestellt  von  der  Firma  Göran  Lantesson  vorm.  Th.  Oehlenschläger
  &  Co.,  Berlin,  Jägerstr.  63.
2 )  Milch-Ztg.  1900,  29,  76.
3 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1900,  3,  521,
            
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