Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

4.  Bestimmung  des  Stickstoffs  und  der  Stickstoffverbindnngen.
a)  Bestimmung  des  Gesamt-Stickstoffs.  15—20  g  Milch  werden  direkt  in  einem
Kolben  mit  20  ccm  Schwefelsäure  nach  Kjeldahls  Verfahren  versetzt,  erst  im
Wasserbade  oder  über  kleiner  Flamme  erhitzt  und,  wenn  das  Wasser  verdunstet  ist,
weiter  nach  Kjeldahl  (S.  138)  verbrannt.  Oder  man  trocknet  die  Milch  unter  Zusatz
von  etwas  Gips  im  Kolben  ein  und  setzt  dann  die  Schwefelsäure  hinzu.
Für  die  Berechnung  des  Gesamt-Stickstoffs  auf  Stickstoff-Substanz
empfiehlt  es  sich,  nicht  den  sonst  üblichen  Faktor  6,25  zu  wählen,  sondern,  da  das
Kasein  nur  15,7—16,8  °/ 0  und  nicht  16  °/ 0  Stickstoff  enthält,  nach  dem  Vorschläge
von  J.  Munk  hei  Frauenmilch  den  Faktor  6,34  und  bei  Kuhmilch  den  Faktor  6,37.
b)  Bestimmung  der  Gesamt-Eiweifsstoffe  der  Milch  nach  Ritthausen.  25  ccm
Milch  werden  mit  400  ccm  Wasser  verdünnt,  mit  10  ccm  Fehlingscher  Kupferlösung ­
  (34,63  g  Kupfersulfat  in  500  ccm)  und  weiter  mit  6,5—7,6  ccm  einer
Lösung  von  Kalilauge  oder  Natronlauge  versetzt,  welche  14,2  g  Kalihydrat  oder
10,2  g  Natronhydrat  in  1  1  enthält.  —  10  ccm  der  letzteren  entsprechen  allerdings
10  ccm  der  Kupferlösung,  d.  h.  fällen  diese  eben  aus,  indes  genügt  ein  Zusatz  von
6,5—7,5  ccm  Kali-  oder  Natronlauge,  weil  die  Milch  Triphosphat  und  freies  Alkali
enthält.  —  Die  Flüssigkeit  muß  nach  dem  Absetzen  des  Niederschlages  noch  ganz
schwach  sauer  oder  neutral,  keinesfalls  aber  darf  sie  alkalisch  reagieren;  beim  geringsten
Überschuß  von  Alkali  bleibt  die  Flüssigkeit  trübe.  Die  letztere  wird,  wenn  sie  klar
geworden  ist,  durch  ein  getrocknetes  und  gewogenes  Filter  filtriert,  der  Niederschlag
einigemal  mit  Wasser  dekantiert,  dann  aufs  Filter  gebracht,  mit  Wasser  ausgewaschen, ­
  mit  Alkohol  und  Äther  entfettet,  nach  dem  Trocknen  gewogen  und  verascht ­
  oder  der  Niederschlag  wird  samt  dem  Filter 1 )  nach  Kjeldahl  verbrannt.
Aus  dem  gefundenen  Stickstoff  (d.  h.  Gesamt-Stickstoff  —  Filter-Stickstoff)  berechnet
man  die  Stickstoffsubstanz  durch  Multiplikation  mit  6,34  bezw.  6,37.
Den  Gehalt  an  stickstoffhaltigen  Nichteiweißstoffen  erfährt  man  durch  Eindampfen ­
  des  Filtrats  in  Hoff  meist  ersehen  Glasschälchen  und  Verbrennen  des  samt
Schälchen  zerstoßenen  Rückstandes  nach  Kjeldahl.
J.  Munk  schlägt  zum  Fällen  der  Eiweißstoffe  Gerbsäure  vor.
B.  Bestimmung  des  Milchzuckers.
a)  Gewichtsanalytisch  nach  A.  Scheibe. 2 )  >,25  ccm  Milch,  verdünnt  mit
400  ccm  Wasser,  werden  mit  10  ccm  der  als  Bestandteil  der  Fehlingschen  Lösung
vorrätig  gehaltenen  Kupfersulfatlösung  (69,28  g  im  Liter),  dann  mit  3,5—4,0  ccm
N.-Natronlauge,  darauf  mit  20  ccm  einer  kaltgesättigten  Lösung  von  Fluornatrium 2 )
versetzt,  nach  halbstündigem  Stehen  zu  500  ccm  aufgefüllt  und  100  ccm  des
Filtrats  mit  50  ccm  Fehlingscher  Lösung  in  einer  tiefen  Porzellanschale  6  Minuten
lang  im  Sieden  erhalten.  Das  ausgeschiedene  Kupferoxydul  wird  in  einem  Ashestfilterrohre
  gesammelt,  im  Wasserstoffstrome  reduziert  und  die  entsprechende  Milchzuckermenge ­
  aus  der  von  Soxhlet  angegebenen  Tabelle  (vergl.  Tabelle  VIII  am
Schlüsse)  berechnet.“

*)  Das  Filter  darf  alsdann  nicht  getrocknet  werden.
2 )  Nach  A.  Scheibe  (Zeitschr.  f.  analyt.  Chem.  1901,  40,  1)  ist  für  eine  genaue
gewichtsanalytische  Milchzucker-Bestimmung  die  Entfernung  der  gelösten  Kalksalze  erforderlich, ­
  da  durch  die  Gegenwart  dieser  0,07—0,11  %  Milchzucker  weniger  gefunden
wurden,  als  nach  ihrer  Ausfüllung  durch  Fluornatrium.  Eine  Berücksichtigung  des  Volumens
des  Niederschlages  der  Eiweißkörper  und  des  Fettes  ist  nicht  erforderlich,  da  bei  der
20-fachen  Verdünnung  dadurch  nur  Fehler  von  —f-  0,01  bis  -(-0,02  %  bedingt  werden.
            
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