Full text: Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Milch und Molkerei-Erzeugnisse. 
Die allgemeine Formel zur Berechnung des Wirkuugswertes geht unter Benutzung 
der Lösungen von den vorgeschriebenen Konzentrationen über in: 
iur die Labflussigkeit w = 7— 
t 
, T K 1 640000 
und tur Labpulver w = - 
t 
1. Eigenschaften, Titerstellung und Anwendung des Kontrolllabs. Als 
Kontrolllab wählt man zweckmäßig ein gutes Labpulverpräparat des Handels von mittlerer 
Stärke. Dasselbe soll homogen und vollkommen trocken sein, nur geringe Mengen von 
Mineralstoffen enthalten und sich in Wasser klar auflösen. In einem gut verschlossenen 
Glase im Dunkeln aufbewahrt, darf dasselbe auch nach ein bis zwei Jahren weder eine 
Änderung in der Zusammensetzung, noch in seiner Stärke zeigen. Sehr zu empfehlen ist 
es, immer ein Kontrolllab von annähernd gleicher Stärke zu wählen. Devarda benutzte 
zu diesem Zwecke stets ein Labpulver von der Stärke 100000 (Gerinnungszeit etwa 
6 Minuten), welches aus einem viel stärkeren Labpräparate durch Verdünnen mit ge 
pulvertem Zucker (Raffinade) hergestellt wurde. Die Lablösungen müssen unbedingt 
jedesmal frisch bereitet werden. 
2. Für die Bestimmung des Wirkungswertes des Kontrolllabs (Titer) ist 
eine normale Milch unbedingt notwendig, und zwar eine „Mischmilch“, die einem Stalle 
mit größerem Yiehstande entnommen wird, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß die 
Milch nur von gesunden Kühen, welche rationell gefüttert und in den verschiedenen Stufen 
der Laktation sich befinden, verwendet werden darf. Die Milch solcher Kühe, welche 
kurze Zeit vor oder nach dem Abkalben stehen, ist dabei auszuschließen. Von der mit 
aller Sorgfalt und Reinlichkeit gemolkenen und gesammelten Mischmilch wird nun ein 
Durchschnittsmnster von etwa 1 1 entnommen und sofort auf 16° abgekühlt. Erst nachdem 
dieselbe durch wiederholtes Dmgießen von der Kohlensäure befreit und gleichmäßig gemengt 
ist, wird diese Milch zur Labprüfung verwendet. 
Eine wenn auch nur wenige Stunden alte Milch ist für die Prüfung des 
Kontrolllabs zu verwerfen. 
Als endgültigen Wirkungswert eines Kontrolllabs nimmt man das Mittel von 
wenigstens 12 Bestimmungen an, welche mit Frühmilch zu verschiedener Zeit, jedoch 
unter den gleichen Bedingungen ausgeführt wurden. 
Ist der richtige Wirkungswert des Kontrolllabs einmal festgestellt (Titer des 
Kontrolllabs), so wird dasselbe jedesmal benutzt, wenn es sich um die Bestimmung des 
Wirkungswertes eines unbekannten Labpräparates handelt, und zwar ebensowohl bei An 
wendung einer normalen als anormalen Milch. 
3. Bestimmung des Wirkungswertes der Labpräparate des Handels 
unter Anwendung des Kontrolllabs. Sowohl von dem Versuchslab als auch von dem 
Kontrolllab werden jedesmal frische Lösungen, und zwar von den früher angegebenen 
Stärken bereitet und unter Anwendung einer und derselben Milch die entsprechenden 
Gerinnungszeiten bestimmt. Die mit dem Versuchs- und dem Kontrolllab vorgenommenen 
Bestimmungen sind immer unter den ganz gleichen Bedingungen auszuführen, wie es bei 
der ursprünglichen Titerstellung des Kontrolllabs geschah. 
Bezüglich der für solche Bestimmungen zu benutzenden Milch ist folgendes zu 
bemerken: Ist die verfügbare Milch eine bestimmt reine und zugleich frisch gemolkene 
und die Stärke der beiden Lablösungen nicht zu weit voneinander verschieden, dann sind 
die mit den beiden Lablösungen gefundenen Gerinnungszeiten wirklich proportional und 
vergleichbar. In allen anderen Fällen, welche in der Praxis am meisten Vorkommen, 
nämlich wenn über die Reinheit und Frische der Milch nicht die volle Sicherheit herrscht, 
ist die Versuchsmilch vorher bei 75—80° durch 1 / 2 — 3 / 4 Stunden zu sterilisieren, weil nur 
dann die mit den beiden Lablösungen erhaltenen Ergebnisse vergleichbar sind. , 
Wenn mit einer beliebigen Milch unter Berücksichtigung der obigen Bedingungen 
sowohl der Wirkungswert des Versuchslabs als auch des Kontrolllabs festgestellt wurde, 
dann geschieht das Richtigstellen des ersteren nach folgender einfachen Proportion:
	        
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