Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Ausführungs-Bestimmungen  zum  Zuckersteuergesetz.

623

Die  Färbung  erkennt  man  deutlicher,  wenn  man  ein  Blatt  weißes  Schreibpapier
hinter  den  Kolben  hält  und  so  beobachtet,  daß  das  Licht  durch  die  Flüssigkeit  hindurch
auf  das  Blatt  Papier  fällt.
Sollte  die  Flüssigkeit  nach  dem  Kochen  gelbgrün  oder  bräunlich  erscheinen,  so  liegt
die  Möglichkeit  vor,  daß  noch  unzersetzte  Kupferlösung  vorhanden  ist  und  deren  blaue
Farbe  nur  durch  die  gelbbraune  Farbe  des  Ablaufs  verdeckt  wird.  In  solchen  Fällen  ist
wie  folgt  zu  verfahren:
Man  fertigt  aus  gutem,  dickem  Filtrierpapier  ein  kleines  Filter,  feuchtet  es  mit  etwas
Wasser  an  und  setzt  es  in  einen  Glastrichter  ein,  wobei  es  am  Rande  des  Trichters  gut
lestgedrüokt  wird.  Der  letztere  wird  auf  ein  Reagensgläsohen  gesetzt.  Hierauf  filtriert
man  etwa  10  ccm  der  Flüssigkeit  durch  das  Filter  und  setzt  dem  Filtrat  ungefähr  die
gleiche  Menge  Essigsäure  und  einen  oder  zwei  Tropfen  einer  wässerigen  Lösung  von  gelbem
Blutlaugensalz  zu.  Entsteht  hierbei  eine  stark  rote  Färbung  des  Filtrats,  so  ist  noch
Kupfer  in  der  Lösung  und  somit  erwiesen,  daß  der  Zuckerablauf  weniger  als  2  vom  Hundert
Invertzucker  enthält.

2.  Bestimmung  des  Quotienten.  Als  Quotient  im  Sinne  der  Vorschrift  im  §  1
der  Ausführungsbestimmungen  gilt  diejenige  Zahl,  welche  durch  Teilung  des  hundertfachen
Betrags  der  Polarisationsgrade  des  Ablaufs  durch  die  Prozente  Brix  berechnet  wird.
a)  Ermittelung  der  Prozente  Brix.  Man  wägt  in  einem  reinen  Becherglase
von  etwa  1 j a  Liter  Raumgehalt  zusammen  mit  einem  hinlänglich  langen  Glasstabe  200  bis
300  g  des  Ablaufs  auf  1  g  genau  ab.  Nachdem  man  das  Glas  von  der  Wage  heruntergenommen ­
  hat,  fügt  man  etwa  160  ccm  heißes  destilliertes  Wasser  hinzu,  rührt  mit  dem
stets  im  Glase  verbleibenden  Stabe  so  lange  vorsichtig  (um  das  Glas  nicht  zu  zerstoßen)
um !  bis  der  Ablauf  im  Wasser  sich  vollständig  gelöst  hat,  stellt  das  Glas  in  kaltes  Wasser
uud  beläßt  es  daselbst,  bis  der  Inhalt  ungefähr  die  Zimmerwärme  angenommen  hat.  Hierauf
trocknet  man  das  Glas  sorgfältig  ab,  stellt  es  wieder  auf  die  Wage,  setzt  auf  die  andere
Schale  zu  den  vorhandenen  weitere  Gewichtsstücke,  welche  dem  Gewichte  des  Ablaufs  entsprechen, ­
  und  läßt  in  das  Glas  so  lange  destilliertes  Wasser  von  Zimmerwärme,  zuletzt
vorsichtig  und  tropfenweise,  einlaufen,  bis  die  Wage  abermals  einspielt.
Nachdem  die  zweite  Wägung  beendet  ist,  rührt  man  die  Flüssigkeit  mit  dem
inzwischen  im  Glase  verbliebenen  Glasstabe  so  lange  gehörig  um,  bis  sich  auch  nicht  die
geringste  Schlierenbildung  mehr  zeigt.  Der  ursprüngliche  Ablauf  ist  dann  auf  die  Hälfte
se mes  Gehalts  an  Zucker  verdünnt.

Zum  Zwecke  der  Spindelung  wird  ein  Teil  der  so  vorbereiteten  Flüssigkeit  in  einen
Glaszylinder  hineingegeben.  Die  Spindelung  selbst  erfolgt  mittels  der  Brixschen  Spindel
nach  den  für  die  Spindelung  von  Branntwein,  Mineralöl,  Wein  usw.  bestehenden  Regeln  (siehe
z -  ß-  Alkoholermittelungsordnung,  Centralblatt  für  das  Deutsche  Reich  1900,  S.  3(7*).
Zu  beachten  ist,  daß  die  Prozente  auf  Fünftelprozente,  die  Wärmegrade  auf  ganze  Grade
abzulesen  sind.

Da  die  abgelesenen  Wärmegrade  nicht  immer  mit  der  Normaltemperatur  (-0  )  uberemstimmen,
  sind  die  abgelesenen  Prozente  nur  scheinbare.  Zu  ihrer  Umrechnung  aut  berichtigte ­
  Prozente  Brix  dient  die  am  Schlüsse  dieser  Anlage  abgedruckte  Tabelle  1.  Sie
euthält  in  der  ersten  mit  „Wärmegrade“  überschriebenen  Zeile  die  Temperaturen  von  10  bis
29°,  in  der  ersten  mit  „Abgelesene  Prozente“  überschriebenen  Spalte  die  scheinbaren  abgelesenen ­
  Prozente.  Die  folgenden  Spalten  geben  die  berichtigten  Prozente.  Man  sucht
die  der  abgelesenen  Temperatur  entsprechende  Spalte  und  geht  in  dieser  bis  zu  derjenigen
^eüe,  an  deren  Anfang,  in  der  ersten  Spalte,  die  abgelesenen  Prozente  stehen.  Die  Zahl,
<«if  die  man  trifft,  gibt  die  berichtigten  Prozente  der  verdünnten  Lösung.  Betragt  z.  R.
l  |e  abgelesene  Temperatur  22°  und  die  abgelesene  Prozentangabe  38,6,  so  findet  man  tur
die  berichtigten  Prozente  38,7.
Die  so  ermittelten  berichtigten  Prozente  sind  mit  2  zu  vervielfältigen,  um  die  berichtigten ­
  Prozente  der  unverdünnten  Lösung  zu  erhalten.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.