Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

658

Rohstoffe  und  Erzeugnisse  der  Stärkefahrikation.

Darauf  wird  der  Kolken  unter  Wiederherstellung  des  Verschlusses  hei  v  gewogen ­
  und  aus  dem  Gewichtsverlust  an  Kohlensäure  nach  der  Gleichung:
C 6 H 12 0 6  =  2C0 2  +  2C 2 H ö 0
der  Gehalt  an  Glukose  hezw.  vergärharen  Stoffen  berechnet,  indem  man  den  Gewichtsverlust ­
  mit  2,045  oder,  weil  nach  Pasteur  nur  etwa  95  °/ 0  der  Glukose  in
Kohlensäure  und  Alkohol  übergeführt  werden,  richtiger  mit  2,15  multipliziert.  Angenommen, ­
  die  in  200  ccm  Lösung  verwendeten  20  g  Stärkezucker  würden  hei  der
Gärung  5,56  g  an  Gewicht  verloren  haben,  so  würden  diese  5,56  x  2,15  =  11,954  g
Glukose  entsprechen,  also  würden  100  g  Stärkezucker  59,77  °/ 0  Glukose  bezvr.
vergärbaren  Zucker  enthalten.
Oder  man  ermittelt  den  Alkoholgehalt  in  dem  vergorenen  Rückstand,  indem
man  von  den  200  ccm  die  Hälfte  abdestilliert,  von  dem  Destillat  das  spezifische
Gewicht  bestimmt,  die  diesem  entsprechenden  Gewichtsprozente  Alkohol  aus  einer
Alkohol-Tabelle  abliest  und  daraus  durch  Multiplikation  mit  1,956  oder  aus  genanntem ­
  Grunde  richtiger  mit  2,06  den  Gehalt  an  Glukose  berechnet.
Angenommen,  es  seien  in  dem  Destillat  5,82  g  Alkohol  gefunden,  so  haben
die  200  com  =  20  g  Substanz  5,82x  2,06  =  11,989  g  oder  100  g  Stärkezucker
=  59,95  °/ 0  Glukose  bezw.  vergärbare  Stoffe  enthalten.
Man  kann  nach  E.  Sieben  die  Gärungsergebnisse  nur  auf  vergärbare  Stoffe
und  nicht  auf  „Glukose“  zurUckführen,  weil  der  Stärkezucker  neben  Glukose  noch
Maltose  bezw.  dextrinartige  Verbindungen  enthält,  welche  ebenfalls  mit  Hefe  zu
Alkohol  und  Kohlensäure  zerfallen.
M.  Jodlbauer 1 )  empfiehlt  für  die  Gärversuche  bei  Zuckerarten  eine8°/ 0 -ige
Lösung,  nämlich  2  g  Zucker  in  25  ccm  Wasser,  dazu  1  ccm  der  Hayduckschen  Nährlösung ­
  (enthaltend:  0,025  g  Monokaliumphosphat,  0,0085  g  Magnesiumsulfat  und
0,02  g  Asparagin)  und  1  g,  d.  h.  50  °/ 0  des  verwendeten  Zuckers  von  einer  frischen,
gereinigten,  auf  einer  Tonplatte  entwässerten  Bierhefe.  Die  Gärung  wird  in  einem
Wasserbade  vorgenommen,  dessen  Temperatur  mittels  eines  Thermoregulators  auf
38°  gehalten  werden  kann.  Das  Gasableitungsrohr  ist  mit  einem  Kühler  verbunden ­
  und  daran  schließt  sich  ein  U-förmiges  Rohr,  welches  mit  konzentrierter
Schwefelsäure  angefeuchtete  Glasperlen  enthält,  und  weiter  ein  Kaliapparat.  In
letzterem  wird  die  entwickelte  Kohlensäure  aufgefangen  und  direkt  gewogen.
Saccharose  gebraucht  zur  Vergärung  doppelt  soviel  Zeit  als  Glukose.  Zur
Prüfung,  ob  aller  Zucker  vergoren  ist,  soll  die  verdünnte  Gärflüssigkeit  in  einer
Kontrollprobe  mit  1  g  salzsaurem  Phenylhydrazin  und  2  g  essigsaurem  Natrium
auf  dem  Wasserbade  erhitzt  werden;  wenn  noch  nicht  aller  Zucker  vergoren  ist,
so  färbt  sich  die  Flüssigkeit  gelb  und  liefert  einen  gelben  Niederschlag.
Die  letzten  Mengen  Kohlensäure  werden  wie  vorstehend  unter  Erwärmen
und  Durchleiten  von  kohlensäurefreier  Luft  ausgetrieben.
Unter  Einhaltung  dieser  Vorsichtsmaßregel  ist  nach  Jodlbauer  1  Teil
Kohlensäure  =  2,029  Teilen  Saccharose  und  =  2,148  Teilen  Glukose.
Die  unvergärbaren  Stoffe  des  Stärkezuckers  bezw.  -sirups  besitzen  stark  rechtsdrehende ­
  Eigenschaften  und  beruht  hierauf  das  Verfahren,  die  Anwesenheit  dieser
Erzeugnisse  in  zuckerhaltigen  Flüssigkeiten  nachzuweisen.  Versetzt  man  die  stark
konzentrierte  wässerige  Lösung  mit  90  °/ 0 -igem  Alkohol,  so  bleiben  die  am  stärksten

*)  Zeitschr.  d.  Vereins  f.  Rübenzuckerindustrie  38,  308,  und  Zeitschr.  f.  anal.
Chemie  1889,  28,  625.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.