Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes Buch. Die Begründer* 
d. h. er sieht in der Rente die natürliche Wirkung einer von Gott der 
Erde verliehenen Eigenschaft . . einer Eigenschaft, die der Erde die 
Kraft gibt, mehr Menschen zu erhalten, als zu ihrer Bestellung nötig sind“. 
Für ihn ist aber die Bodenrente nicht nur das Kesultat eines physischen 
Gesetzes; sie ergibt sich auch aus einem wirtschaftlichen Gesetze, 
das in dem einzigartigen Privilegium der Erde liegt, selbst die Nachfrage 
nach ihren Produkten hervorzurufen, so daß sie ohne Ende ihr eigenes 
Einkommen und ihren eigenen Wert aufrecht erhalten und vermehren 
kann. Woher kommt das? Weil die Bevölkerung beständig dahin strebt, 
mit dem Vorrat von Lebensmitteln gleichen Schritt zu halten und sogar 
darüber hinaus zu wachsen, mit anderen Worten: weil überall zum min 
desten ebensoviele Menschen geboren werden, wie die Erde ernähren kann. 
Diese neue Erklärung der Bodenrente ist eine Schlußfolgerung aus dem 
Gesetze Malthus’, nämlich des beständigen Pressens der Bevölkerung 
gegen ihren Nahrungsspielraum. 
Weiter hebt Malthus einen anderen Grundzug der Bodenrente 
hervor, eine so richtige und bedeutsame Beobachtung, das» an ihr die 
Theorie Ricardo’s sich entzündete: da die Erde nicht gleichmäßig frucht 
bar ist, geben auch notwendigerweise die auf ihre Bestellung verwendeten 
Kapitalien ungleichmäßigen Gewinn. In diesem Unterschiede zwischen 
dem normalen Gewinne aus mittelmäßigem Boden und dem größeren 
Gewinne aus fruchtbareren Feldern besteht nun gerade zugunsten der 
Besitzer fruchtbareren Bodens eine besondere Rentenkategorie, die diffe 
rentiale Bodenrente, wie man sie später nennen sollte. 
Diese Rente erscheint Malthus, wie früher den Physiokraten, als 
völlig gerechtfertigt und durchaus im Einklang mit dem öffentlichen 
Nutzen. Für die Urbesitzer ist sie nur der gerechte Entgelt „ihrer Kraft 
und Geschicklichkeit“ gewesen, und für diejenigen; welche die Güter 
nachher erworben haben, gilt dasselbe, da sie ja mit den Früchten ihres 
Fleißes und ihrer Gewandtheit erworben worden sind. Sie besteht ohne 
Zweifel unabhängig von der Arbeit des Besitzers, aber sie ist wie das große 
Los, das otium cum dignitate, das die gerechte Belohnung jeder ver 
dienstlichen Anstrengung darstellt 1 ). 
Ricardo schlägt nun einen neuen Weg ein. Er bricht vollständig 
mit der von den Physiokraten und A. Smith vorgetragenen Lehre, die 
Malthus beibehalten hatte, indem er verächtlich jeden Gedanken an 
eine von der Natur geleistete Mitarbeit verwirft. Dieser Finanzherr hatte 
keinen abergläubischen Respekt vor der Natur, wenn er auch selbst 
Großgrundbesitzer war, und lächelnd würde er das Wort: „Wer ist denn 
die Dame?“ das später geprägt wurde, ausgesprochen haben. Er führt 
als Gegenüberstellung zu dem berühmten Ausspruch Smith’s den von 
*) S. 192; siehe auch S. 172 und 178.
	        
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