Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Würze.  Hefe.

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jedesmaligem  Zusatz  von  0,2  ccm  einen  Tropfen  auf  neutrales  Laekmuspapier  bringt
und  so  lange  fortfährt,  bis  der  rote  Ring  um  den  Tropfen  verschwindet.
Die  Säuremenge  wird  auf  Milchsäure  berechnet;  1  ccm  1 / 10  Normallauge  =  0,009  g
Milchsäure.
6.  Asche.  25  ccm  Würze  werden  in  einer  geräumigen  Platinschale  zur  Trockne
eingedampft,  darauf  mit  ganz  kleiner  Flamme  verkohlt;  die  Kohle  wird  leicht  zerdrückt,
mit  Wasser  ausgezogen  und  zum  vollständigen  Weißbrennen  nach  S.  195  verfahren.
7.  Farbentiefe.  Siehe  vorstehend  bei  Malz,  S.  713.
VI.  Hefe.
Geschmack,  Aussehen  und  Haltbarkeit  des  Bieres  sind  zum  guten  Teil  durch
die  in  der  zu  seiner  Herstellung  verwendeten  Anstellhefe  vorhandenen  Pilze  bedingt.
Neben  der  Kulturhefe  enthält  die  Anstellhefe  unter  Umständen  sog.  wilde  Hefen
(echte  Saccharomyceten,  Mycoderma-,  Torulahefen)  und  Bakterien,  die  auf  die  Beschaffenheit ­
  und  Haltbarkeit  des  Gebräues  einen  sehr  schädlichen  Einfluß  ausüben.
Es  muß  daher  die  Anstellhefe  von  Zeit  zu  Zeit  auf  ihre  Zusammensetzung  geprüft
werden.  Ebenso  müssen  die  Reinzuchtapparate  der  Brauereien  und  Hefefabriken,
in  denen  die  Kulturhefe  im  großen  vermehrt  wird,  einer  fortlaufenden  biologischen
Kontrolle  unterworfen  werden,  da  sie  sonst  die  Quelle  gefährlicher  Infektionen  des
Brauereibetriebes  werden  können.
1.  Gruudzüge  der  Hefenuntersuchung.  Der  Nachweis  von  Verunreinigungen
der  Anstell-  oder  Reinzuchtapparathefe  wird  durch  mikroskopische  Untersuchung
oder  durch  Kultur  in  Würzetröpfchen  oder  -strichen  unter  dem  Mikroskop  oder,
soweit  es  sich  um  wilde  Hefen  der  Gattung  Saccharomyces  handelt,  durch  diese  begünstigende ­
  Kulturverfahren  bewirkt.
Bei  der  unmittelbaren  mikroskopischen  Untersuchung  wird  die  Hefe
am  besten  mit  nicht  zu  dünner  Natronlauge  verrührt,  die  mancherlei  störende  Ausscheidungen ­
  (Glutin,  Hopfenharz  u.  a.)  löst.  Bakterien  lassen  sich  im  allgemeinen
auf  diese  Weise  schneller  in  der  Hefe  nachweisen  als  durch  Kulturverfahren.
Schwieriger  ist  die  Unterscheidung  der  verschiedenen  Hefenarten  durch  das
Mikroskop,  da  sowohl  bei  Kultur-  wie  wilden  Hefen  verschiedenartige  Zellform  und
-große  Vorkommen.  Nur  sehr  geübte  Beobachter  werden  aus  dem  mikroskopischen
Eil  de  auf  die  Beschaffenheit  der  Hefe  schließen  können.  Im  allgemeinen  erscheint  das
Plasma  der  Kulturhefen  deutlich  körnig,  das  der  „wilden“  Saccharomyceten  homogen.
Sicherer  als  die  bloße  mikroskopische  Untersuchung  der  Hefe,  die  meist  nur
als  orientierende  Yorprobe  dienen  kann,  ist  die  Untersuchung  nach  P.  Lindner  in
den  sog.  Tröpfchen-  und  Adhäsionskulturen.  Beide  beruhen  darauf,  die  in  geringen ­
  Mengen  Würze  oder  Bier  auf  einem  Deckgläschen  verteilten  verschiedenartigen
Zellen  der  Anstell-  oder  Reinzuchthefe  auf  dem  hohlgeschliffenen  Objektträger  getrennt ­
  zur  Vermehrung  zu  bringen  und  die  betr.  Vegetationen  mikroskopisch  zu
untersuchen.  Dabei  zeigen  die  Zellen  der  Kulturhefen  außer  der  schon  erwähnten
Körnung  des  Plasmas  später  kleine  reihenweise  angeordnete  Kügelchen.  In  Bier
Sl nd  die  Zellen  im  allgemeinen  gleich  groß,  in  Würze  entstehen  auch  Schlauchformen.
Eie  wilden  Hefen  der  Gattung  Saccharomyces  zeigen  in  diesen  Kulturen  außer
dem  homogenen  Plasma  eine  schwankende  Zellengröße.  Die  Zellen  sind  oval  bis
wnrstförmig.  Die  Vermehrung  ist  stärker  als  bei  den  Kulturhefen.  Auch  trennen
sich  die  Sproßverbände  dieser  Hefen  leichter  als  die  der  untergärigen  Kulturhefen,
deren  Zellwände  infolge  Verschleimung  verkleben.  Bei  obergärigen  Kulturhefen
fällt  dieses  Merkmal  fort.  Die  Kahrahefen  (Mycoderma)  vermehren  sich  in  mehr
°der  weniger  langgestreckten  Zellen  mit  homogenem  Plasma,  in  denen  neben  großen
            
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