Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Bier  und  seine  Rohstoffe.

17.  Mikroskopische  Untersuchung.  Für  die  mikroskopische  Untersuchung
läßt  man  ein  trübes  Bier  in  verschlossener  Flasche,  geschützt  vor  Sonnenlicht,  ruhig
stehen,  bis  sich  die  Schwebeteilchen  zu  Boden  gesetzt  haben.  Zur  Beschleunigung
des  Absetzens  auch  hei  nur  mäßig  trüben  Bieren  kann  man  zentrifugieren.
Hat  sich  der  Bodensatz  gebildet,  so  wird  die  Flasche  äußerlich  zunächst  mit
Wasser,  dann  durch  Ab  reiben  mit  Alkohol  von  anhaftender  Hefe  gereinigt,  das
überstehende  klare  Bier  entweder  abgegossen  oder  ahgehebert,  ohne  daß  der  Bodensatz ­
  aufgerührt  wird,  und  letzterer  der  mikroskopischen  Untersuchung  auf  Hefenarten, ­
  Bakterien  und  die  S.  730  erwähnten  Trübungen  untersucht.
Die  „echte“  Kulturhefe  läßt  sich  an  ihrer  mehr  rundlich-ovalen  Form,
die  „wilde“  Hefe  an  ihrer  mehr  länglichen  oder  auch  zitronenartigen  Form  (vergl.
S.  721  u.  723)  deutlich  von  denBakterien,  Kokken  und  Sarcinaarten  unterscheiden.
Stärke-Trübungen  färben  sich  unter  dem  Mikroskop  mit  Jodjodkalium  blau,
Dextrin-  oder  Kleister-Trübungen  rötlich  bis  rötlich-violett,  Eiweiß-Trübung
gelb.  In  letzterem  Falle  liefert  der  Bodensatz  mit  Milions  Reagens  auch  Rotfärbung.
Harz-Trübungen  geben  sich  als  kleine,  gelb-  bis  dunkelbraune  Körnchen  oder
krümelige  Massen  zu  erkennen,  wenn  man  die  umhüllenden  oder  eingeschlossenen  Hefen
und  Bakterien  durch  Zusatz  eines  Tropfens  einer  10  °/ 0 -igen  Kalilauge  aufgelöst  hat.
Zur  Ermittelung  und  Unterscheidung  der  Mikroorganismen  kann  das  von
Lintner 1 )  empfohlene  Verfahren,  die  Tröpfchenkultur  oder  Beobachtung  im
hängenden  Tropfen  dienen  (vergl.  S.  722  u.  ff.).  Hiernach  wird  das  Bier  direkt  mittels
sterilisierter  Schreib-  und  Zeichenfeder  in  mehreren  Reihen  zu  lang  ausgezogenen
Tröpfchen  auf  ein  vorher  flambiertes  Deckgläschen  aufgetragen  und  letzteres  mittels
Vaseline  auf  einem  hohlen  Objektträger  befestigt.
Die  in  dem  Bier  enthaltenen  Keime  wachsen  infolge  der  eingeschlossenen  Luft
selbst  in  älteren  Bieren  kräftig  aus;  die  jungen  Zellen  bleiben  um  die  Mutterzellen
gelagert  und  bilden  Gruppen,  die  bessere  Unterschiede  zeigen,  als  einzelne  ausgesäete
Zellen.  Es  gelingt  auf  diese  Weise,  nicht  nur  die  Kulturhefe  von  der  wilden  Hefe
zu  unterscheiden,  sondern  auch  die  Bakterien,  z.  B.  die  Sarcinaarten  und  Milchsäure-Bakterien, ­
  auf  dem  natürlichen  Substrat  zum  Wachstum  zu  bringen.
IV,  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung.
1.  Eigenschaften  eines  guten  Bieres.  Das  zum  Genuß  gelangende  Bier  soll  klar-)
oder  höchstens  schwach  opalisierend  sein.  Auf  der  Oberfläche  soll  sich  beim  Ausschenken
in  ein  Glas  ein  aus  kleinen  Bläschen  bestehender  Schaum  bilden,  der  kurze  Zeit  stehen
bleibt  und  dann  erst  allmählich  zusammenfällt,  während  aus  der  Flüssigkeit  stets  kleine
Gasbläsohen  von  Kohlensäure  aufsteigen.  Der  Geschmack  muß  rein,  prickelnd  nach  Kohlensäure ­
  und  je  nach  der  Biersorte  süß  malzig  oder  hopfenbitter  sein.  Obergärige  Biere  dürfen
ferner  einen  säuerlichen  Geschmack  besitzen,  während  dieser  bei  untergärigen  Bieren  neben
der  Kohlensäure  nicht  hervortreten  darf.  Bezüglich  des  Kohlensäuregehaltes  ist  die  Art
des  Bieres  maßgebend.
2.  Trübungen  des  Bieres.  Bei  Beurteilung  der  Trübungen  ist  zu  berücksichtigen,
daß  jedes  zum  Genuß  gelangende,  auch  reife  Bier  Hefezellen  in  der  Schwebe  enthält,  und
daß  ein  Bier,  dessen  Trübung  ausscbießlich  aus  Kulturhefe  besteht,  die  sich  bei  mehrtägigem
ruhigen  Stehen  absetzt,  als  unreif  zu  bezeichnen,  nicht  aber  zu  beanstanden  ist. 3 )
J )  Lintner.  Mikroskopische  Betriebskontrolle  in  den  Gärungsgewerben.  Berlin  1896,
69,  127  u.  ff.
2 )  Einige  besondere  Biersorten,  z.  B.  Weißbier,  pflegen  nicht  klar  zu  sein;  andere
auf  der  Flasche  erzeugten  Biere  haben  einen  Bodensatz  von  Hefe,  die  sich  beim  Ausfullen
leicht  hebt,  aber  auch  wieder  bald  zu  Boden  setzt.
3 )  Auf  Flaschen  reifende  Biere  haben  an  sich  einen  Bodensatz.
            
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