532 Seehäfen. Trockendocks.
Werke betreiben gewöhnlich gleichzeitig den Bau von neuen Schiffen, da die zur Aus
besserung dienenden Anlagen auch zum Neubau geeignet sind. Da die Anlagen für den
Neubau im Abschnitt über Schiffbau geschildert werden, so können wir uns hier auf
die Anstalten zur Ausbesserung beschränken.
Um kleinere Schiffe reinigen, frisch kalfatern und teeren zu können, läßt man
diese bei Flut auf den Strand auflaufen, wo sie bei zurückgehendem Wasser aufsitzen und
dann gegen den Boden abgesteift werden. Man nennt dies das Banken der Schiffe.
Mit Wiedereintritt der Flut wird das Schiff wieder flott. Die Arbeiten müssen also in
wenig Stunden beendigt sein.
Für länger dauernde Arbeiten wird, wo kein Trockendock vorhanden ist, das Kiel
holen des Schiffes vorgenommen. An entsprechend zugerichteten Stellen am Ufer, den
sogenannten Kielholplätzen, wird das Schiff durch Taue, die an dem oberen Ende
der Untermasten befestigt sind, mittels Winden so weit auf die Seite gelegt, daß der Kiel
über Wasser tritt und die eine Hälfte des Schiffes zur Untersuchung und Ausbesserung
vollständig zugänglich ist. Die Arbeiten müssen möglichst beschleunigt werden, weil der
Schiffskörper in der seitlichen Lage nachteilige Spannungen auszuhalten hat, die bei
längerer Dauer sein Gefüge lockern könnten; kann die Arbeit an einem Tage nicht beendigt
werden, so wird das Schiff über Nacht wieder in seine schwimmende Lage gebracht. Das
Kielholen findet zur Zeit nur noch für kleinere Segelschiffe Anwendung, weil der Schiffs
körper durch dieses Verfahren leicht Not leidet. Auch die früher üblich gewesenen Dock
bänke, die bei Ebbezeit vollständig trocken liefen, sind mehr und mehr außer Gebrauch
gekommen.
Zur gründlichen, längere Zeit dauernden Ausbesserung muß ein Schiff ganz außer
Wasser gebracht werden, und dazu dienen die Trockendocks. Ein solches Trocken
dock ist ein vom Hafen ins Land einspringendes längliches Becken, das auf 3 Seiten von
festen Wänden eingefaßt ist, an der einen Schmalseite durch das sogenannte Dockhaupt
mit dem Wasser in Verbindung steht und durch eine Verschlußvorrichtung wie eine
Schleusenkammer dicht abgeschlossen werden kann. Ältere Docks haben hölzerne Sohle
und hölzerne Wände, die neueren Docks sind massiv aus Stein und Beton gebaut. Das
erste Trockendock in England ist, wie sich aus den Archiven ergibt, in Portsmouth in den
Jahren 1495—96 auf Befehl des Königs Heinrich VII. gebaut worden. Das Dock
war aus Holz und sein Eingang durch zwei Pfeilerreihen, deren Zwischenraum durch
Stein und Kies ausgefüllt war, geschlossen. Jedesmal, wenn ein Schiff in das Dock
oder aus demselben herausgebracht werden mußte, wurde der Eingang in der vor
erwähnten Weise geschlossen oder wieder freigemacht, was natürlich eine lange Arbeits
zeit erforderte.
Soll jetzt ein Schiff trocken gelegt, gedockt werden, so wird dasselbe mit Hilfe von den
auf dem Dockhanpt und auf den Seitenmauern aufgestellten Gangspills in die Dockkammer
verholt, diese wird hinter dem Schiff durch Thore oder ein Ponton abgeschlossen, und das
Wasser alsdann durch kräftige Kreiselpumpen in der Dockkammer gesenkt. Findet in dem
betreffenden Hafen Ebbe und Flut statt, so bleibt der Wasserspiegel in der Dockkammer
so lange mit dem Außenwasser in Verbindung, bis der tiefste Stand der Ebbe eingetreten
ist, damit möglichst wenig Wasser durch die Pumpen gehoben werden muß. Mit dem
Sinken des Wasserstandes senkt sich das Schiff, bis es mit dem Kiel auf den in der Mitte
der Sohle errichteten Böcken, den Kielstapeln, aufsitzt. Gegen Umfallen wird das Schiff
mit dem Sinken des Wassers rechtzeitig durch Stützen gegen die Dockwände gesichert.
Um diese Stützen bequem für die verschiedenen Schiffsformen anbringen zu können, sind
die Dockwände abgetreppt. Die Länge der Dockkammer richtet sich nach den größten
Schiffen, die gedockt werden sollen.
Vielfach sind mehrere Docks von verschiedenen Größen nebeneinander angelegt, um
für kleinere Schiffe an Kosten für die Trockenlegung und für die Unterhaltung des Docks zu
sparen. Die Breite eines Docks wird so bemessen, daß zwischen Schiff und Dockwand ge
nügend Raum zum Arbeiten bleibt und Luft und Licht reichlich Zutritt haben. Die Ver-
schlnßvorrichtung eines Docks besteht entweder ans Thoren wie bei Schleusen, oder in