Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Mikroskopische  und  biologische  Untersuchung.

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empfohlener  Nährboden  von  folgender  Zusammensetzung  verwendet  werden:  2  1
Fleischwasser,  20  g  Pepton  Witte,  20  g  Nutrose,  10  g  Kochsalz,  60  g  Agar  (mit
Soda  neutralisiert);  dazu  260  ccm  Lackmuslösung  nach  Kubel-Tiemann  mit  30  g
Laktose;  zum  ganzen  werden  4  ccm  10%-ige  Sodalösung,  20  ccm  einer  0,1  °/ 0 -igen
frischen  Lösung  von  Kristallviolett  B  (Höchster  Farbwerke)  gesetzt.  Auf  diesem
Nährboden  erscheinen  Koli-Kolonien  leuchtend  rot.
Da  es  nicht  immer  gelingt,  die  Leitorganismen,  wenn  sie  in  geringer  Zahl
vorhanden  sind,  auf  den  Platten  nachznweisen,  so  wendet  man,  um  besonders  häufige
und  kennzeichnende  Arten  zu  fassen,  zuweilen  auch  ein  „Anreicherungs  verfahren“
an,  indem  man  eine  Probe  des  Wassers  in  eine  Nährlösung  bringt,  die  der  gesuchten
Art  besonders  günstige  Entwickelungsbedingungen  bietet,  und  aus  der  an  dieser
Art  angereicherten  Flüssigkeit  nach  einiger  Zeit  Platten  anlegt.  Dieses  Verfahren
bietet  vor  dem  Plattenverfahren  auch  den  Vorteil,  daß  man  größere  Wassermengen
bequem  untersuchen  kann.  Insbesondere  für  Bacterium  coli  sind  solche  Anreicherungsverfahren ­
  ausgearbeitet  worden.  Kaiser 1 )  empfiehlt  dazu  Heuinfus.  600  g  Heu
werden  mit  6  1  kochendem  Wasser  Ubergossen  und  15  Minuten  stehen  gelassen.
Das  abgepreüte  Filtrat  wird  auf  5  1  ergänzt,  filtriert,  im  Autoklaven  eine  Stunde
sterilisiert,  nach  zwei  bis  drei  Tagen  filtriert  und  wieder  sterilisiert.  Zu  diesem
Infus  wird  so  viel  des  zu  untersuchenden  Wassers  gesetzt,  daß  ein  3°/ 0 -iges  Infus
entsteht.  Ferner  wird  zum  Nachweise  des  Bacterium  coli  und  seiner  Verwandten
die  Ausführung  einer  Garprobe  mit  dem  Wasser  in  Glukosebouillon  im  Einhornschen
  Gärkölbchen  empfohlen.  Man  wird  am  besten  tun,  gegebenenfalls  alle  diese
ziemlich  einfachen  Verfahren  anzuwenden.
Für  den  Nachweis  der  im  Darm  stets  vorhandenen  anaeroben  Fäulnisbakterien
im  Wasser  hat  Eichmond 1  2 )  die  Impfung  von  10  ccm  sterilisierter  Milch  mit  1  ccm
des  Wassers,  10  Minuten  langes  Erwärmen  auf  50°,  Bebrütung  unter  Luftabschluß
bei  37  0  empfohlen.  Innerhalb  zweier  Tage  eintretende  Gerinnung,  Gasentwickelung
und  Gestank  sollen  das  Wasser  verdächtig  machen,
3.  Die  Bestimmung  der  auf  Gelatine-  und  Agarplatten  wachsenden  höheren
Pilze.  Die  besondere  Untersuchung  eines  Wassers  auf  Schimmel-  und  Hefepilze
wird  —  abgesehen  von  den  für  Brauzwecke  bestimmten  Wässern  —  nur  selten
vorgenommen.  Doch  ist  zu  beachten,  daß  nach  Mez  gerade  für  Fäkalverunreinigungen ­
  manche  Schimmel  äußerst  kennzeichnend  sein  sollen.  Die  Untersuchung
erfolgt  in  derselben  Weise  wie  die  auf  Bakterien,  nur  verwendet  man  statt  der  alkalischen ­
  Nährböden  besser  saure.  Ein  sehr  guter  Nährboden  ist  eine  nicht  neutralisierte ­
  10°/ 0 -ige  Würzegelatine  oder  10°/ o -ige  Pflaumengelatine  (100  g  entkernte
Backpflaumen  auf  1  1  Wasser).  Mez  empfiehlt  ferner  sterilisiertes  Schwarzbrot  in
Petri-Schalen.  Betreffs  der  Diagnose  der  Arten  muß  wieder  auf  die  genannten
Handbücher  verwiesen  werden.
4.  Die  mikroskopische  Untersuchung.  Alle  nicht  durch  die  beschriebenen
Kulturverfahren  nachweisbaren  Pflanzen,  Tiere  und  toten  Beste  werden  durch  unmittelbare ­
  mikroskopische  Untersuchung  der  für  diesen  Zweck  hergestellten  Probe
bestimmt.  Soweit  es  sich  dabei  um  abgekratzte  Beläge,  Krusten,  Sedimente  u.  a.
handelt,  werden  diese  einfach  in  etwas  sterilisiertem  Wasser  ausgebreitet  und
Präparate  hergestellt.  Die  durch  die  oben  (S.  802)  beschriebene  Filtration  aus  einer
größeren  Wassermenge  gesammelten  schwebenden  Lebewesen  und  Stoffe  werden  auf
1 )  Arch.  f.  Hygiene  1905,  52,  121.  Hier  findet  sich  auch  eine  Zusammenstellung  der
älteren,  auf  B.  coli  und  seinen  Nachweis  im  Wasser  bezüglichen  Veröffentlichungen.
2 )  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1902,  5,  524.
            
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