Mikroskopische und biologische Untersuchung.
839
empfohlener Nährboden von folgender Zusammensetzung verwendet werden: 2 1
Fleischwasser, 20 g Pepton Witte, 20 g Nutrose, 10 g Kochsalz, 60 g Agar (mit
Soda neutralisiert); dazu 260 ccm Lackmuslösung nach Kubel-Tiemann mit 30 g
Laktose; zum ganzen werden 4 ccm 10%-ige Sodalösung, 20 ccm einer 0,1 °/ 0 -igen
frischen Lösung von Kristallviolett B (Höchster Farbwerke) gesetzt. Auf diesem
Nährboden erscheinen Koli-Kolonien leuchtend rot.
Da es nicht immer gelingt, die Leitorganismen, wenn sie in geringer Zahl
vorhanden sind, auf den Platten nachznweisen, so wendet man, um besonders häufige
und kennzeichnende Arten zu fassen, zuweilen auch ein „Anreicherungs verfahren“
an, indem man eine Probe des Wassers in eine Nährlösung bringt, die der gesuchten
Art besonders günstige Entwickelungsbedingungen bietet, und aus der an dieser
Art angereicherten Flüssigkeit nach einiger Zeit Platten anlegt. Dieses Verfahren
bietet vor dem Plattenverfahren auch den Vorteil, daß man größere Wassermengen
bequem untersuchen kann. Insbesondere für Bacterium coli sind solche Anreicherungsverfahren
ausgearbeitet worden. Kaiser 1 ) empfiehlt dazu Heuinfus. 600 g Heu
werden mit 6 1 kochendem Wasser Ubergossen und 15 Minuten stehen gelassen.
Das abgepreüte Filtrat wird auf 5 1 ergänzt, filtriert, im Autoklaven eine Stunde
sterilisiert, nach zwei bis drei Tagen filtriert und wieder sterilisiert. Zu diesem
Infus wird so viel des zu untersuchenden Wassers gesetzt, daß ein 3°/ 0 -iges Infus
entsteht. Ferner wird zum Nachweise des Bacterium coli und seiner Verwandten
die Ausführung einer Garprobe mit dem Wasser in Glukosebouillon im Einhornschen
Gärkölbchen empfohlen. Man wird am besten tun, gegebenenfalls alle diese
ziemlich einfachen Verfahren anzuwenden.
Für den Nachweis der im Darm stets vorhandenen anaeroben Fäulnisbakterien
im Wasser hat Eichmond 1 2 ) die Impfung von 10 ccm sterilisierter Milch mit 1 ccm
des Wassers, 10 Minuten langes Erwärmen auf 50°, Bebrütung unter Luftabschluß
bei 37 0 empfohlen. Innerhalb zweier Tage eintretende Gerinnung, Gasentwickelung
und Gestank sollen das Wasser verdächtig machen,
3. Die Bestimmung der auf Gelatine- und Agarplatten wachsenden höheren
Pilze. Die besondere Untersuchung eines Wassers auf Schimmel- und Hefepilze
wird — abgesehen von den für Brauzwecke bestimmten Wässern — nur selten
vorgenommen. Doch ist zu beachten, daß nach Mez gerade für Fäkalverunreinigungen
manche Schimmel äußerst kennzeichnend sein sollen. Die Untersuchung
erfolgt in derselben Weise wie die auf Bakterien, nur verwendet man statt der alkalischen
Nährböden besser saure. Ein sehr guter Nährboden ist eine nicht neutralisierte
10°/ 0 -ige Würzegelatine oder 10°/ o -ige Pflaumengelatine (100 g entkernte
Backpflaumen auf 1 1 Wasser). Mez empfiehlt ferner sterilisiertes Schwarzbrot in
Petri-Schalen. Betreffs der Diagnose der Arten muß wieder auf die genannten
Handbücher verwiesen werden.
4. Die mikroskopische Untersuchung. Alle nicht durch die beschriebenen
Kulturverfahren nachweisbaren Pflanzen, Tiere und toten Beste werden durch unmittelbare
mikroskopische Untersuchung der für diesen Zweck hergestellten Probe
bestimmt. Soweit es sich dabei um abgekratzte Beläge, Krusten, Sedimente u. a.
handelt, werden diese einfach in etwas sterilisiertem Wasser ausgebreitet und
Präparate hergestellt. Die durch die oben (S. 802) beschriebene Filtration aus einer
größeren Wassermenge gesammelten schwebenden Lebewesen und Stoffe werden auf
1 ) Arch. f. Hygiene 1905, 52, 121. Hier findet sich auch eine Zusammenstellung der
älteren, auf B. coli und seinen Nachweis im Wasser bezüglichen Veröffentlichungen.
2 ) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1902, 5, 524.