Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Trink  wasser.

Auch  etwaige  Fäulnisvorgänge,  die  unabhängig  von  einer  von  außen  stattfindenden ­
  Verschmutzung  in  Brunnen  verlaufen  und  auf  den  Geruch  und  Geschmack
des  Wassers  unvorteilhaft  einwirken,  lassen  sich  durch  den  Nachweis  gewisser  Lebewesen ­
  mit  Sicherheit  erkennen  und  ihrem  Wesen  nach  aufklären.  So  ist  die  Schwefelbakterie ­
  Beggiatoa  alba  der  sicherste  Indikator  für  Schwefelwasserstoff.  Merkliche
Fäulnisvorgänge  gehen  stets  Hand  in  Hand  mit  einer  hohen  Bakterienzahl  und
Anhäufung  von  Protozoen.  Nach  Mez  lassen  auf  Geschmacksfehler  u.  a.  stets
folgende  Arten  schließen;  Von  Pilzen  alle  Beggiatoa-  und  Spirillum-Arten,  von
Ehizopoden  Amoeba  verrucosa,  Hyalodiscus  guttulata  und  limax,  von  Flagellaten
Monas  guttulata,  vivipara,  vulgaris,  sämtliche  Bodo-Ärten,  Anthophysa  vegetans,
von  Ciliaten  Paramaecium  Aurelia,  caudatum,  putrinum  und  viele  andere.
Außerordentlich  wichtig  ist  der  rechtzeitige  Nachweis  der  sog.  Eisenbakterien ­
  im  Wasser,  da  diese  nicht  nur  durch  Ausscheidung  roter  Flocken  das
Wasser  unappetitlich  machen,  sondern  auch  durch  mächtige  Wucherungen  Röhren
verstopfen  können.  Wo  Wasser  mit  einem  Gehalt  von  Ferrokarbonat  mit  der  Luft
in  Berührung  tritt,  entwickelt  sich  in  ihm  bald  eine  Vegetation  dieser  Eisenbakterien.
Diese  Bakterien  führen  ihren  Namen  deshalb,  weil  sie  Eisenoxyd,  in  höherem  Grade
aber  noch  Manganoxyd  und  nach  Angaben  von  Jackson 1 )  zuweilen  auch  Aluminiumoxyd ­
  in  den  Membranen  aufspeichern.
Der  wichtigste  dieser  Pilze  ist  Crenothrix  polyspora  Cohen,  der  in  Brunnen
auf  dem  Grunde  in  zottigen  Vegetationen  vorkommt,  die  graubraun  bis  schwarz
gefärbt  sind,  im  ersteren  Falle  meist  auch  noch  grauweiße  Flocken  enthalten.
Letztere  bestehen  aus  zarten  farblosen  Fäden,  die  braunen  bis  schwarzen  Massen
aus  braun  oder  schwarz  gefärbten  Fäden  oder  leeren  Scheiden  (s.  u.)  von  außerordentlicher ­
  Dicke.  Über  die  Entwickelung  dieses  wichtigen  Pilzes  sei  nach  Zopf
folgendes  mitgeteilt:
Die  Sporen  (Konidien)  der  Crenothrix  polyspora,  von  größter  Kleinheit,  werden
umschlossen  von  einer  zarten  Membran,  welche  später  durch  Quellung  in  einen
Gallertmantel  übergeht.  Darauf  findet  ein  Anwachsen  dieser  Sporen  zu  gegliederten
Fäden  statt,  indem  sich  durch  Einschnürung  zunächst  2,  dann  4  vegetative  Zellen
bilden;  durch  hierauf  eintretende  Streckung  der  Glieder  und  weitere  Zweiteilung
derselben  verlängern  sich  solche  Fäden  allmählich.  Gleichzeitig  differenzieren  sich
die  Seitenwände  der  einzelnen  Glieder  in  2  Lamellen,  von  denen  die  innere  ein
Bestandteil  des  Gliedes  bleibt,  während  die  äußere  zu  einer  Scheide  sich  abgrenzt
(vergl.  Fig.  310,  S.  843).
Durch  Heraustreten  der  einzelnen  Glieder  aus  der  Scheide,  welche  letztere  die
Eigenschaft  besitzt,  zu  vergallerten,  erlangt  jede  einzelne  Zelle  die  Fähigkeit,  ebenso
wie  die  Sporen  sich  durch  weitere  Teilung  zu  vermehren.  Nicht  selten  tritt  der
Fall  ein,  daß  sich  die  vegetativen  Gliederfäden  auch  schon  aus  den  Konidien  entwickeln, ­
  bevor  dieselben  ihren  Fruchtbehälter,  das  Sporangium,  verlassen  haben.
Die  jungen  Fäden  durchbrechen  hierbei  die  meist  schon  gallertartig  gewordene
Membran,  um  in  das  umgebende  Wasser  hineinzu  wachsen.  Da  der  Auskeimungsvorgang ­
  meist  an  ganzen  Gruppen  dicht  gelagerter  Konidien  stattfindet,  so  bilden
sich  in  der  Regel  große  Fadenbüschel,  welche  die  verschiedenen  Alterszustände  mit
ihren  wechselnden  Dickenverhältnissen  aufweisen.
Nicht  unter  allen  Verhältnissen  führt  die  Auskeimung  der  Konidie  zur  unmittelbaren ­
  Bildung  vegetativer  Fäden.  Unter  gewissen  Ernährungsbedingungen
Q  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1903,  6,  656.
            
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