882 Verunreinigung der Gewässer, deren Schädlichkeit und Nachweisung.
C. gracilis, C. nitida, C. porticalis, Vaucheria dichotoma, Y. sessilis und
Y. uncinata in Betracht.
G. Lindau, 1 ) der sehr eingehende Untersuchungen an verschiedenen Vorflutern
ausgeführt hat, kommt zu dem Schluß, daß, abgesehen von Sphaerotilus natans und
Leptomitus lacteus, spezifische Leitpflanzen für Verunreinigungen bisher nicht be
kannt sind. Alle Pilze und Algen, die in verschmutzten Wässern Vorkommen,
leben auch in nicht verunreinigten. Doch werden die verschiedenen Gruppen dieser
Pflanzen durch organische Stoffe in verschiedener Weise begünstigt oder gehemmt,
so daß ein Beobachter mit reichen praktischen Erfahrungen bei gleichzeitiger
Beachtung der Flora zweifellos nicht verunreinigter Stellen desselben Gewässers
aus den Lebensgenossenschaften einen Schluß auf eine etwaige Verunreinigung ziehen
kann. Nach Lindau sind Spaltalgen (Oscillatoria u. a.) in reinem Wasser in ge
ringer Zahl vorhanden und werden durch Verunreinigungen in der Vermehrung
stark gefördert. Grünalgen sind in reinem Wasser häufiger, treten aber auch in
viel stärkerem Maße in verunreinigtem auf. Bacillariaceen (Diatomaceen) herrschen
unter den Algen in reinem Wasser vor, treten aber bei Verschmutzungen sehr
zurück. Zu beachten ist aber hierbei noch, daß die Jahreszeit auf die Menge der
einzelnen Algengruppen sehr verschieden einwirkt. Die Spaltalgen sind besonders
zahlreich in der Zeit vom Ende des Winters bis zum Beginn des Sommers, die
Grünalgen erreichen ihre Höchstzahl im Frühjahr, die Bacillariaceen eine solche im
Frühjahr und vom August bis Oktober.
Eine Flora, die für bestimmte Verunreinigungen (durch Fäkalwässer,
Brennerei-, Papierfabrikwässer u, a.) kennzeichnend wäre, ist zurzeit nicht
bekannt.
Wie mit der Flora verhält es sich auch mit der Fauna. Nach Schiemenz 1 )
sind spezifische Leittiere für Verunreinigungen nicht bekannt, und nur das tiber
wiegen gewisser Arten und bestimmte Genossenschaften verraten eine Verunreini
gung. Die Berücksichtigung der größeren Flora und Fauna wird von manchen
Beobachtern für praktisch, von anderen für weniger wuchtig gehalten. Angaben
darüber geben u. a. Schorler 2 ) und Schiemenz. 1 )
3. Unorganische Stoffe der Abwässer. Ablagerungen von Ultramarin, Kaffee
satz, Papierresten, Textilfasern pfanzlichen Ursprunges deuten auf Hausabwässer hin.
In den Abwässern der Papier- und Zellulosefabriken findet man Zellulosefasern,
unter Umständen auch Strohreste. Stärkekörner kommen in den Abwässern der
Stärkefabriken, Teilchen von Gerberlohe in solchen von Gerbereien vor usw.
C. Die Verunreinigung der Gewässer, deren Schädlichkeit
und Nachweisung.
Für die Beurteilung der Schädlichkeit des durch ein Abwasser verunreinigten
Bachwassers ist zu berücksichtigen, daß ein solches sich selbst zu reinigen
vermag. Die Selbstreinigung des Flußwassers besteht darin, daß die ihm zu-
geftihrten organischen Stoffe, Schwefelwasserstoff oder Schwefelverbindungen unter
Mitwirkung von Mikroorganismen oxydiert und vergast, oder daß z. B. Säuren
durch vorhandenes kohlensaures Calcium im Wasser oder im Flußbett neutrali
siert werden.
*) Vierteljahresschr. f. gerichtl. Medizin 1901, 21, Suppl.-Heft, 61.
2 ) Zeitsohr, f. Gewässerkunde 1898, 25; Centralbl. f. Bakteriologie II. Abt., 7, 396.