Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Schädlichkeit  für  die  Fischzucht.

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In  beiden  Fällen  hat  der  Untersuchende  einen  Vergleich  mit  einer  benachbarten,
möglichst  gleichartigen,  aber  von  einer  Verunreinigung  nicht  betroffenen  Strecke  desselben
Gewässers  herbeizuführen;  der  Unterschied  im  Reichtum  und  in  der  Zusamensetzung  der
Fauna  ist,  wenn  möglich,  unter  Ermittelung  von  Zahlen,  bezw.  unter  Anführung  der  Arten
in  den  vergleichenden  Gewässerstrecken  festzustellen.
ad  1.  Eine  eingehende  Untersuchung  der  Fauna  eines  Gewässers  wird  mit  aller
wünschenswerten  Sicherheit  den  Mangel  jeglichen  tierischen  Lebens  feststellen  können.
Es  wird  dazu  notwendig  sein,  daß  mit  feinen  Gazenetzen  an  den  verschiedensten
Stellen  sowohl  im  freien  Wasser  wie  an  den  Uferrändern,  namentlich  hinter  Vorsprüngen,
wo  das  Wasser  stagniert,  sorgfältig  gefischt  wird.  Es  ist  ebenso  notwendig,  den  Boden
des  Wassers,  wie  etwa  darin  vorhandene  Pflanzen,  die  Überzüge  auf  Steinen,  faulenden
Holzteilen,  Pfählen  usw.  auf  das  Vorkommen  von  Tieren  zu  prüfen.  Da  diese  Untersuchungen
nur  mit  dem  Mikroskop  und  von  zoologisch  bezw.  botanisch  geschulten  Sachverständigen
ausgeführt  werden  können,  so  sind  genauere  Vorschriften  für  den  Fang  und  die  Untersuchung ­
  überflüssig,  weil  dieselben  jedem  der  vorher  erwähnten  Sachverständigen  geläufig
sind.  Wenn  in  den  nach  der  oben  gegebenen  Vorschrift  eingesandten  Proben  keine  Spuren
lebender  Organismen  vorgefunden  werden,  so  darf  hieraus  noch  nicht  mit  Sicherheit  aut
das  gänzliche  Fehlen  derselben  in  dem  betreffenden  Gewässer  selbst  geschlossen  werden,
sondern  dieser  Befund  muß  durch  eine  Untersuchung  seitens  des  Sachverständigen  an  Ort
und  Stelle  bestätigt  werden.
Schwieriger  gestaltet  sich  die  Untersuchung,  wenn  infolge  von  Verunreinigungen
die  Fauna  nicht  vollständig  vernichtet,  sondern  vorerst  mehr  oder  weniger  im  Rückgang
begriffen  ist.  Es  entsteht  dann  die  Aufgabe,  die  Tierwelt  quantitativ  zu  bestimmen.
Zu  diesem  Zweck  ist  das  Verfahren  der  Hensenschen  Planktonbestimmung  (d.  h.  mit
dem  Doppelkegelnetz)  anwendbar,  aber  nur  mit  größter  Vorsicht  und  unter  verschiedenen
Vorsichtsmaßregeln.  Das  einzige  bisher  bekannte  Verfahren  der  quantitativen  Bestimmung,
das  Hensensche  Planktonverfahren,  besitzt  nämlich  leider  nur  so  beschränkte  Verwendbarkeit, ­
  daß  es  nur  in  den  seltensten  hier  in  Betracht  kommenden  Fällen  anwendbar  erscheint.
Ausgeschlossen  ist  dasselbe  jedenfalls  in  der  zurzeit  vorliegenden  Form  für  die  fließenden
Gewässer,  namentlich  für  die  kleineren  Flüsse  und  Bäche,  weil  in  denselben  die  frei  flottierende
Menge  der  Tiere  im  Verhältnis  zu  den  am  Boden  und  am  Ufer  vorkommenden  Tieren  so
sehr  zurücktritt,  daß  aus  dem  Plankton  kein  sicherer  Schluß  auf  die  im  ganzen  vorhandene
Masse  der  Tierwelt  gezogen  werden  kann.  Ähnlich  liegen  die  Verhältnisse  bei  den
kleineren  und  flachen,  stehenden  Gewässern  (Seen  und  Teichen).
So  bleibt  die  Anwendung  des  Planktonverfahrens  nur  auf  die  großen  und  tieferen
Seen  beschränkt,  in  welchen  eben  das  Plankton  die  am  Ufer  und  am  Boden  lebende  Tiermenge ­
  tibertrifft  oder  derselben  etwa  gleichkommt.
Da  für  die  vorliegende  Anweisung  die  größeren  Seen  praktisch  nur  selten  in  Betracht ­
  kommen,  so  kann  an  dieser  Stelle  davon  Abstand  genommen  werden,  für  die  Anwendung ­
  des  Planktonverfahrens  besondere  Vorschriften  zu  geben,  welche  im  übrigen  aus
der  Arbeit  von  Apstein:  „Das  Süßwasserplankton“  (Kiel  und  Leipzig  1896,  Lipsius  u.
Fischer)  zu  ersehen  sind.
Es  wird  somit  meist  nur  ein  länger  andauerndes  Studium,  welches  sich  u.  a.  auch
auf  das  Auftreten  von  Kummerformen  zu  erstrecken  hat,  zum  Ziele  führen.
ad  2.  Die  tierischen  Organismen  sind  gegen  Veränderungen  ihrer  Lebensbedingungen
in  verschiedenem  Grade  empfindlich.  Die  einen  leben  nur  in  sauerstoffreichem  und  klarem
Wasser,  andere  gedeihen  dagegen  in  faulenden,  sauerstoffarmen  Gewässern,  die  einen  tiefen,
sandigen  Untergrund  und  schnell  fließendes  Wasser  haben,  andere  halten  sich  besser  auf
modrigem  Grund  an  ruhigen  Stellen  usw.  usw.
So  sind  z.  B.  für  die  schnell  strömenden,  reinen  Gewässer  der  Forellenregion  besonders ­
  kennzeichnend:
der  gemeine  Flohkrebs,  Gammarus  pulex,
die  Napfsohneoke,  Ancylus  fluviatilis,
die  Larve  der  Kriebelmücke,  Simulia  ornata,
die  Larven  einzelner  Köcherfliegen  (Phryganiden),  Hydropsyche,  Ryacophila,  Aigoplestron,
  Brachycentrus.
            
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