Pascal.
führt: dagegen ist ihm die nächstliegende Beziehung auf
Descartes entgangen. In Descartes’ Streitschriften gegen die
holländischen Theologen findet sich in der Tat der Gedanke
Pascals nicht nur seinem allgemeinen Gehalt, sondern auch
seiner eigentümlichen und charakteristischen Form nach voll-
ständig wieder. Die Peripatetische Physik — so hält Descartes
hier seinen scholastischen Gegnern entgegen — enthält Nichts,
was nicht in Wahrheit neu, weil altbekannten Erfahrungen
widersprechend, ist: während die seinige sich hinwiederum nur
auf die ältesten Prinzipien, nämlich auf die Begriffe der Aus-
dehnung, Gestalt und Bewegung stützt, die allen Philosophen
gemeinsam und unserm Geiste selbst von allem Anfang an einge-
pflanzt und mitgegeben sind.®)
Schreitet man von Pascals Abhandlung über das Leere so-
dann zu seiner eigentlichen methodischen Hauptschrift fort,
so sicht man, wie in ihr das reine rationale Ideal der Er-
kenntnis sich festigt und zu schärferer Begründung gelangt.
Das Ziel des echten Wissens muss darin bestehen, von keinem
[Inhalt Gebrauch zu machen, den wir nicht zuvor in seiner Ilo-
gischen Struktur und Zusammensetzung begriffen und aus den
ersten Bedingungen und Fundamenten des Denkens abgeleitet
haben. Erst in dieser durchgehenden und vollendeten Analyse
wird das gegebene Problemobjekt dem Machtbereich des Ver-
standes unterworfen und seinen Mitteln durchgehend zugänglich
gemacht. Die echte Methode wird somit keinen Begriff dulden
dürfen, den sie nicht zuvor selbsttätig definiert, keinen Satz,
len sie nicht aus diesen ursprünglichen Definitionen abgeleitet
and erwiesen hat. Wenn indes in dieser Forderung das absolute
Vorbild des Wissens festgehalten ist, so muss für die relative
menschliche Erkenntnis allerdings alsbald eine Einschränkung hin-
zutreten. Die ersten Prinzipien, die wir der Mathematik und
mathematischen Physik zu Grunde legen, entziehen sich der wei-
teren Zurückführung auf einfachere Elemente: die Klarheit und
Evidenz, mit der wir sie erfassen, bezeichnet zugleich die Schranke
ihrer begrifflichen Zerlegbarkeit und Beweisbarkeit. Stehen wir
somit hier vor einer Begrenzung, die in der Natur unserer Er-
Kenntnis selbst ihren Grund hat, so wird doch der Charakter
ınd die immanente Gewissheit, die der Mathematik zukommt.