Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Schmieröle.

943

Filtrieren  durch  ein  trockenes  Filter  oder  durch  vorsichtiges  Erwärmen  auf  110°  in  offener
Schale  bis  zum  ruhigen  Fließen  zu  entwässern.  Mit  dem  entwässerten  Öle  ist  eine
Kontrollbestimmung  auszuführen.  “
Das  Englersche  Viskosimeter  (Pig.  348)  besteht  aus  der  mittels  Deckel  A'  zu
schließenden  Kapsel  A,  deren  Form  und  Größenverhältniaae  aus  der  Abbildung  zu  ersehen
sind.  Die  Mitte  des  konisch  verlaufenden  Bodens  mündet  in  ein  3  mm  weites  und  20  mm
langes  Ausflußrohr  a,  welches  aus  Messing  angefertigt  ist.  Dasselbe  kann  mit  dem  gut
eiugepaßten  Ventilstift  b  verschlossen  und  geöffnet  werden.  24  mm  über  dem  trichterförmigen ­
  Boden  trägt  die  Kapsel  4  Stifte  c,  die  zum  Abmessen  des  Öles  dienen,  indem  der
Innenkasten,  bis  hier  gefüllt,  240  ccm  faßt.  Durch  eine  Öffnung  des  Deckels  wird  das
Thermometer  in  das  zu  prüfende  Öl  eingesenkt.
Der  ganze  Apparat  ist  von  einem  oben  offenen  Messingmantel  B  umgeben,  welcher
für  gewöhnlich  mit  Wasser  und  bei  Viskositätsbestimmungen  für  höhere  Temperatur  mit
Paraffinöl  angefüllt  wird.
Ein  Dreifuß  dient  als  Träger  des  Apparates.  Der  beigegebene  Meßkolben,  welcher
die  Marken  200  und  240  ccm  trägt,  muß  genau  unter  die  Ausflußöffnung  des  Apparates
gestellt  werden,  so  daß  das  ausfließende  Öl  nicht  die  Wandungen  des  Halses  streift.
Zur  Eichung  des  Apparates,  d.  h.  zur  Bestimmung  der  Zeit,  welche  zum  Ausfluß ­
  von  200  com  Wasser  erforderlich  ist,  wird  Wasser  von  20°  in  den  Innenkasten  genau
bis  zu  den  Markenstiften  c  gegeben,  wozu  240  ccm  erforderlich  sind.  Auch  der  Kaum
zwischen  dem  Innenkasten  A  und  dem  Mantel  B  wird  mit  Wasser 1 )  von  derselben  Temperatur ­
  gefüllt,  alsdann  der  Stopfen  geöffnet  und  nun  mittels  einer  Sekundenuhr  oder
besser  eines  Chronoskops  die  Zeit  bestimmt,  in  der  ein  untergestellter  200  ccm-Kolben  gefüllt ­
  ist.  Die  Ausflußzeit  soll  bei  richtig  gebauten  Apparaten  60—52  Sekunden  betragen.
Die  Bestimmung  der  Zähflüssigkeit  eines  Öles  wird,  nachdem  der  Apparat
vollkommen  gereinigt  und  trocken  ist,  wie  vorhin  beschrieben,  mit  240  ccm  (bezw.  bis  zu
den  Markeustiften)  des  auf  die  erforderliche  Versuchstemperatur  (20°,  50°  usw.)  erwärmten
Öles  vorgenommen.  Durch  Division  der  Auslaufzeit  von  200  ccm  Wasser  in  die  Auslaufzeit ­
  von  200  ccm  Öl  findet  man  den  Viskositätsgrad  nach  Engler  für  das  betreffende  Öl.
Es  ist  selbstverständlich  genau  darauf  zu  achten,  daß  der  Apparat  stets  rein  und
trocken  verwendet  wird  und  die  Temperaturen  möglichst  genau  innegehalten  werden.  Die
zulässigen  Temperaturschwankungen  betragen  nach  D.  Holde  0,05—0,16°  für  20°,  0,2°
für  30°,  0,4°  für  40°,  0,6°  für  50°  usw.  Bei  Versuchen,  die  bei  höheren  Temperaturen
ausgeführt  werden,  ist  die  Volumenzusammenziehung  des  ausgelaufenen  Öles  zu  berücksichtigen. ­
  Nach  D.  Holde  dehnen  sich  240  ccm  Öl  für  je  10°  Erwärmung  um  1,7  ccm  aus.
Man  bringt  alsdann  eine  Korrektur  an,  welche  auf  je  5  Minuten  Ausflußzeit  für  1  ccm
Auffüllungsfehler  -)-1  Sekunde  beträgt.
Im  Handel  unterscheidet  man  hinsichtlich  der  Viskosität  zwischen  Spindelölen ­
  (für  leichte  Belastung  und  große  Geschwindigkeit)  mit  einer  Viskosität  unter
10  Englerschen  Graden  hei  20°  und  zwischen  Maschinenölen  (für  schwere  Belastung) ­
  mit  einer  Viskosität  über  10  Englerschen  Graden.  Uber  die  Viskosität
anderer  Schmieröle  und  die  von  der  preußischen  Eisenbahn-Verwaltung  an  Wagenund
  Lokomotivöle  gestellten  Anforderungen  vergl.  S.  941.
Zur  mechanischen  Prüfung  der  Öle  hinsichtlich  ihres  Reibungskoeffizienten
dienen  die  sog.  ölprobiermasehinen,  bezüglich  deren  Einrichtung  auf  die  Literatur
verwiesen  sei,  insbesondere  auf  D.  Holdes  „Untersuchung  der  Mineralöle  und  Fette,
sowie  der  ihnen  verwandten  Stoffe  mit  besonderer  Berücksichtigung  der  Schmiermittel“ ­
  (Berlin  bei  Julius  Springer,  II.  Aufl.,  1905).
3.  Untersuchung  des  Verhaltens  der  Schmieröle  in  der  Killte  (Bestimmung
des  „Kältepunktes“).  Das  Verhalten  der  Schmieröle  in  der  Kälte,  insbesondere  die
Bestimmung  der  Temperatur,  bei  der  die  Öle  zu  erstarren  beginnen  (des  Kälte-9

  Bei  Viakoaitätsbestimmungen  über  50°  verwendet  man  als  Heizflüssigkeit  Paraffinöl.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.