Object: Mittheilungen aus der Geschäfts- und Sterblichkeits-Statistik der Lebensversicherungsbank für Deutschland zu Gotha für die fünfzig Jahre von 1829 - 1878

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Y. Theil. Statistik der Sterblichkeitsverhältnisse. 
allen Beobachtungsgebieten geltend machen, wo die schwächeren 
Personen entweder durch günstige Umstände geschont oder 
durch ungünstige einem vorzeitigen Tode zugeführt werden. 
Zum Schluss möge noch eine Vergleichung der mittleren 
Lebensdauer der verschiedenen Summenklassen mit der mitt 
leren Lebensdauer nach den Beobachtungen der 20 englischen 
Gesellschaften und Heym’s folgen: 
Tabelle 3. 
Mittlere Lebensdauer für Versicherte verschiedener 
Summenklassen. 
Alter 
Gotha, Männer 
Versieh.- 
Summe von 
unter 3000 
Versieh.- 
Summe von 
1.000—6000 
Versieh.- 
Summe von 
über 6000 
Ueberhaupt 
10 engl. 
Gesellsch. 
Männer 
(unaus 
geglichen) 
H oym 
(Sachsen, 
Männer und 
Frauen) 
25 
30 
35 
40 
45 
50 
55 
60 
65 
70 
75 
80 
85 
90 
40,98 
37-61 
33,66 
30-28 
26,49 
22,76 
19,16 
15,87 
12,85 
10,15 
7,85 
5,92 
4,13 
2,64 
1,76 
42,78 
39,20 
34,89 
3 ï,00 
27,10 
23,27 
19,67 
16,19 
12,99 
10,17 
7,91 
5,86 
4.18 
3,ii 
2.18 
39,48 
34-99 
30,95 
26,94 
23,02 
19,30 
15,81 
12,67 
9-82 
7,81 
5,68 
4,17 
3,03 
1,95 
42,25 
38,70 
34,67 
30,77 
26.88 
23.00 
19,43 
16.01 
12.88 
10,09 
7,81 
5,84 
4,17 
2,96 
2,10 
42,09 
38,44 
34,68 
31,03 
27,42 
23.79 
20,30 
16,93 
13.80 
I 1,01 
8,54 
6,42 
4,71 
3,84 
2,35 
39,31 
35,70 
32,09 
28,54 
25,00 
21,47 
I 8,03 
14,74 
I 1,74 
9,08 
6,88 
5,19 
3,91 ' 
2,75 
1,88 
Die anfänglich günstige Sterblichkeit der höchsten Summen 
klasse gegenüber der mittleren zeigt sich hier so abgeschwächt, 
dass nur die mittlere Lebensdauer einer einzigen Altersstufe, 
die des 25. Lebensjahres, bei der höchsten Summenklasse 
grösser ist, als bei der mittleren. (Für die Alter unter 25 
hat in der höchsten Summenklasse eine Berechnung der mitt 
leren Lebensdauer überhaupt nicht stattgefunden, da für diese 
Alter nur kleine Zahlen der Lebenden unter Risico und gar 
keine Sterbefälle vorhanden waren.) Vergleicht man indessen 
die bezüglichen Werthe nicht blos für die hier gegebenen 
5jährigen Zwischenstufen, sondern nach einzelnen Lebens 
jahren (Tabelle XXXIV), so wird man finden, dass ausser dem 
Kreuzpunkt bei dem Alter 30 noch ein zweiter bei 37 vor 
handen ist, dass zwischen diesen Altern die mittlere Lebens 
dauer der beiden Summenklassen nahezu übereinstimmt und 
dass erst mit dem 38. Lebensjahre die der höchsten Summen 
klasse für eine längere Reihe von Jahren unter die der mittleren 
Summenklasse herabsinkt, nämlich bis zum Alter 76, von wo 
ab wieder zahlreiche Schwankungen in dem gegenseitigen Ver 
hältnisse eintreten, die sich einestheils durch den etwas günsti 
geren Verlauf der Sterblichkeit in der höchsten Summenklasse, 
anderenteils aber auch blos durch die Unregelmäsigkeiten in 
den Procentscalen der Sterblichkeit erklären. Zwischen der 
niedrigsten und mittleren Summenklasse gestaltet sich, wie der 
genaue Vergleich nach einzelnen Lebensjahren zeigt, das Ver 
hältnis so, dass bis zum 67. Lebensjahr inclusive die letztere 
die günstigere verbleibt, von da ab aber zahlreiche Schwank 
ungen eintreten, welche bald die eine, bald die andere, meist 
aber die niedere Summenklasse, als die günstigere erscheinen 
lassen, bis mit dem 82. Lebensjahr die niedere definitiv die 
Oberhand erhält; zwischen der niedrigsten und der höchsten 
so, dass bis zum 54. Lebensjahr inclusive die höchste Klasse 
als die günstigere, vom 55. bis zum 79. inclusive aber conse 
quent als die ungünstigere, und vom 80. ab, abgesehen von 
mannigfachen Schwankungen, wieder als die günstigere er 
scheint. Das Verhältnis zwischen der mittleren Lebensdauer 
der einzelnen Summenklassen und derjenigen der zum Ver 
gleich herangezogenen fremden Listen entspricht den Resultaten, 
welche bezüglich der Sterblichkeitsprocentsätze gewonnen wurden. 
Die mittlere Lebensdauer der mittleren und höchsten Summen 
klasse liegt durchgängig, die der niedrigsten für alle Lebens 
alter bis zum 84. Lebensjahre inclusive über derjenigen von 
Heym, dagegen übertrifft die mittlere Lebensdauer der 20 
englischen Gesellschaften (Männer) durchgängig die der nied 
rigsten Summenklasse, während sie diejenige der beiden höheren 
Summenklassen resp. zwischen dem 34. und 35. und beim 
34. Lebensjahre (es fallen die bezüglichen Weithe hier ganz 
zusammen) kreuzt. 
VIII. Kapitel. 
Die Sterblichkeit nach der Versicherungsdauer. 
Die ärztliche Prüfung, bez. Auswahl, welcher die Antrag 
steller von Versicherungen unterworfen und durch welche alle 
diejenigen ausgeschieden werden, welche an erkennbaren acuten 
oder chronischen Krankheiten leiden, hat naturgemäs zur 
Folge, dass die Sterblichkeit solcher Versicherter, welche neu 
aufgenommen sind, unter sonst gleichen Verhältnissen, d. h. für 
denselben Beobachtungskreis (Gesellschaft) und dasselbe Lebens 
alter, eine andere und zwar geringere ist, als die solcher Ver 
sicherter, deren Prüfung bereits vor mehreren Jahren stattfand. 
Während man aber früher allgemein annahm, dass der Erfolg 
der ärztlichen Auswahl dadurch, dass manche Antragsteller 
wirklich vorhandene Krankheiten oder gefährliche Krankheits 
dispositionen absichtlich oder unabsichtlich verschweigen, und 
dass man diese Zustände auch wirklich bei der Untersuchung 
nicht erkennt, fast vollständig paralysirt werde, und dass daher 
die Sterblichkeit nach der Versicherungsdauer nur in den 
ersten — etwa 2 bis 3 — Jahren eine geringe Depression, 
für alle höheren Versicherungsjahre aber nahezu ein constantes 
Verhältniss zeigen müsse, haben die bisherigen, in England 
wirklich angestellten, Beobachtungen ein wesentlich anderes 
Resultat ergeben, indem sie nicht nur darauf hinweisen, dass 
die Depression eine anfänglich sehr starke ist, sondern auch 
darauf, dass während einer ziemlich langen Reihe von Jahren 
auffällige Veränderungen in der Sterblichkeit stattfinden. Diese 
Ergebnisse, welche, wie wir alsbald sehen werden, durch die 
Erfahrungen der Gothaer Bank im Grossen und Ganzen be 
stätigt werden, lassen die Frage nach der Sterblichkeit in ver 
schiedenen Perioden der Versicherung als in jeder Beziehung 
wichtig erscheinen. In technischer Beziehung ist sie besonders 
wichtig für die Beurtheilung der Methoden, welche bisher bei 
Prämien- und Reserveberechnungen angewendet worden sind, 
sowie der diesen Methoden zu Grunde liegenden Mortalitäts 
tafeln. Die bisher aus den Beobachtungen versicherter Leben 
hervorgegangenen Sterblichkeitstafeln sind nämlich durchgängig 
ohne Rücksicht auf die Versicherungsdauer berechnet; sie geben 
also durchschnittliche SterblichkeitsVerhältnisse, welche je nach 
den Verschiedenheiten der wirklichen Sterblichkeit, in den 
einzelnen Versicherungsjahren bald zu hoch und bald zu niedrig 
sind. Berechnet man nach diesem durchschnittlichen Verhält 
niss ohne irgend welche Einschränkung die Prämien und Re 
serven für die verschiedenen Beitrittsalter resp. Versicherungs 
jahre, so kann es also leicht kommen, dass die Resultate von
	        
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