Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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Alaunmonopols  eine  energische  Mitwirkung  üben.  So  kam  es,  daß  die
Alaungruben  zu  Volterra  und  andere  kleine  Alaunsiedereien,  welche  um
die  Mitte  des  15.  Jahrhunderts  massenhaft  entstanden  waren,  eingingen
und  verschwanden,  während  der  Alaun  von  Civita  Vecchia  souverän
und  konkurrenzlos  das  weite  Feld  behauptete.  Die  Alaunpreise  stiegen
und  stiegen  und  wurden  schließlich  unter  dem  Schutze  dieses  Monopols
so  stark  in  die  Höhe  geschraubt,  daß  der  Alaunbezug  aus  Spanien  oder
sogar  aus  Kleinasien  trotz  der  damaligen  hohen  Frachtspesen  billiger
war  als  der  Alaun  aus  dem  Kirchenstaate.
So  wurde  Philipp  der  Schöne  von  Österreich  1504  mit  der  Strafe
der  Exkommunikation  bedroht,  als  er  Alaun  aus  Kleinasien  bezog;  im
allgemeinen  aber  waren  solche  Fälle  verhältnismäßig  selten,  in  welchen
türkischer  Alaun  gegen  den  Alaun  aus  dem  Kirchenstaate,  welch  letzterer
allgemein  nur  noch  der  „römische"  genannt,  und  unter  diesem  Namen
ob  seiner  vorzüglichen  Qualität  hoch  geschätzt  wurde,  auf  den  Plan  trat;
denn  die  europäischen  Völker,  welche  sich  während  der  Kreuzzüge  Jahrhunderte ­
  laug  merkwürdig  offen  nach  außen  hin  gezeigt  hatten,  waren
nach  einem  Prozeß  der  Selbsteinkehr  und  der  Konsolidation  zu  immer
geschlosseneren  Formen  des  Wirtschaftssystems  übergegangen,  und  so
drückende  Mouopolausbeutungen  wie  die  von  seiten  der  Päpste  durch
den  Alaun  mußten  bei  den  herrschenden  wirtschaftlichen  Anschauungen
und  der  damaligen  Lage  der  Verkehrswirtschast  nicht,  wie  dies  heute
der  Fall  wäre,  immer  neues  Angebot  aus  immer  größeren  Fernen
herbeilocken,  sondern  sie  mußten  Bestrebungen  zur  wirtschaftlichen  Selbsthilfe ­
  innerhalb  jener  geschlossenen  Kreise  erzeugen  und  fördern.
So  entstanden  im  Laufe  des  16.  Jahrhunderts  eine  ganze  Reihe
von  Alaunwerken  außerhalb  Italiens,  so  in  Böhmens,  in  Spanien,
in  England,  Schweden *  2 ),  später  auch  in  Jütland,  in  Schonen,  in  Österreich, ­
  in  Toskana,  auf  Sizilien  u.  a. 3 ),  wobei  man  nicht  selten  heimlich
päpstliche  Alaunmeister  und  Arbeiter  zur  Einführung  dieser  neuen
Fabrikation  kommen  ließ 4 ).  So  hatte  die  päpstliche  Alaunpolitik  gerade
das  Gegenteil  der  Absicht  erreicht  und  wesentlich  zur  Verbreitung  der
Alaunfabrikation  in  Europa  beigetragen.
Auch  in  Deutschland  waren  natürlich  die  gleichen  Bestrebungen
wie  im  übrigen  Europa  wach  geworden.  Schon  Basilius  Valentinus
sprach  von  Alaunwassern,  welche  sich  an  mehreren  Orten  Deutschlands
finden 5 ),  eines  der  ersten  deutschen  Alaunwerke  wurde  1554  zu  Ober-0
  Roth  1800,  Bd.  III,  S.  20—21;  Beckmann  1784,  Bd.  II,  S.  140.
-)  Beckmann  1784,  Bd.  II,  S.  140,  143,  144;  Kopp  1843,  Bd.  IV,  S.  56  ff.
-)  Krünitz  1782,  Bd.  I,  S.  475—476.
4 )  Roth  1800,  Bd.  III,  S.  21;  Beckmann  1784,  Bd.  II,  S.  140  ff.
°)  Kopp  1843,  Bd.  IV,  S.  56  ff.
            
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