Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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Wenn  wir  bei  den  Hautmaterialien  gehört  haben,  daß  eine  stets  steigende
Menge  von  Schafen  und  Ziegen  aus  der  Weißgerberei  in  die  Chromgerberei ­
  abgeführt  wird,  fo  bedeutet  das  natürlich  eine  Verdrängung
des  Alauns  durch  das  Chrom:  andererseits  haben  die  Gerbstoffextrakte
einen  Teil  dieses  Ausfalls  wenigstens  für  das  Handwerk  wieder  wett
gemacht;  denn  feit  der  Einführung  der  Gewerbefreiheit  haben  sich  kleine
und  große  Weißgerber  auf  die  braunen  Schafleder  geworfen,  und  ein
Faß  mit  Quebrachoextrakt  ist  ein  fast  unentbehrliches  Ausrüstungsstück
der  kleinen,  noch  bestehenden  Weißgerbereien,  welche  unter  anderem  auch
durch  ihn  ihr  Leben  weiter  fristen  konnten.
8  6.  Tran.
Nächst  den  vegetabilischen  und  mineralischen  Gerbstoffen  ist  der
dritte  wichtigste  Gerbstoff  der  Tran;  denn  er  ist  nicht  nur  die  wichtigste ­
  Grundlage  der  ganzen  Sämischgerberei  überhaupt,  sondern  er
wurde  und  wird  noch  in  großen  Mengen  zum  Einfetten  hauptsächlich
der  loh-  und  chromgaren  Leder  verwendet.  Er  wird  gewonnen  von
einer  Anzahl  echter  Fische,  so  von  den  Haifischen,  Dorsch,  Kabeljau
und  anderen,  dann  von  verschiedenen  Formen  aus  der  Klasse  der
Cetaceen,  und  endlich  liefern  auch  Robben  und  Seehunde  Tran.
Die  Geschichte  der  Trangewinnung  läßt  sich  ganz  natürlich  in
sechs,  nach  Zeit  und  Ort  verschiedene  Phasen  zerlegen.  Der  Schauplatz ­
  der  ersten  Phase  ist  die  Westküste  Europas  vom  Golf  von  Biscaya
bis  hinauf  an  den  nördlichen  Polarkreis.  Es  herrscht  in  der  Litteratur
keine  Einstimmigkeit,  ob  die  Basken  oder  Norweger  sich  zuerst  mit  der
Trangewinnung  beschäftigt  haben,  und  welches  Volk  des  anderen  Lehrmeister ­
  gewesen  ist  Z.  Nachgewiesen  ist  der  Walfischfang  der  Norweger ­
  schon  im  9.  Jahrhundert,  und  hauptsächlich  mit  norwegischem
Tran  aus  den  nördlichen  Kontoren  der  Hansa  müssen  wir  uns  die
Handwerker  des  ganzen  Mittelalters  versorgt  denken.
Eine  weitere  Periode  beginnt  um  die  Wende  des  16.  Jahrhunderts,
wo,  angeregt  durch  die  Fahrten  und  Beobachtungen  der  Seefahrer
Barents,  Hudson  und  Poole 2 ),  englische  Schiffe  nach  dem  nördlichen
Eismeer  zum  Walfischsange  ausliefen 3 ),  welchen  aber  bald  andere
Nationalitäten,  wie  Holländer  und  Hanseaten  sich  anschlossen.  Um
diese  Zeit  wurde  eine  Reihe  Gesellschaften  gegründet,  um  die  Trangewinnung ­
  vom  Heimatlande  aus  zu  organisieren,  nämlich  in  England,
zuerst  die  moskovitische  Gesellschaft^),  dann  in  Holland  und  Friesland,
wo  man  sich  hauptsächlich  der  Basken  als  Lehrmeister  für  den  Fang
')  Vgl.  Krünitz  1844,  S.  482;  Ungewitter  1846,  S.  369;  Scherzer  1885,
S.  447—448.  2 )  Krünitz  1844,  S.  483.  s )  Ebenda.  4 )  Ebenda.
            
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