Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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Eine  hervorragende  Rolle  unter  den  ausländischen  Gerbstoffen
nimmt  das  Quebrachoholz  ein,  welches  zu  den  gerbstoffreichsten  Stubstanzen ­
  gehört,  welche  man  kennt.  Die  Geschichte  seiner  Einführung  soll
hier  kurz  gestreift  werden.  In  dem  Konkurrenzkämpfe  zwischen  Eichenschälwald ­
  und  ausländischen  Gerbematerialien  war  es  1879  gelungen,
auf  ausländische  Gerbstoffe  einen  niedrigen  Zoll  zu  legen,  um  dadurch
den  Verbrauch  an  Eichenlohe  zu  steigern.  Allein  gerade  das  Quebrachoholz
  war  durch  den  Zoll  nicht  getroffen,  es  wurde  in  steigenden  Mengen
eingeführt,  und  im  Laufe  der  80  er  Jahre  ging  infolgedessen  der  Verbrauch ­
  an  Eichenlohe  so  stark  zurück,  daß  man  1892  die  Gerbstoffzölle
wieder  fallen  ließ.  Wohl  kein  Punkt  in  der  deutschen  Lederindustrie
hat  eine  solch  ungeheure  Litteratur  in  Fachzeitschriften  und  einzelnen
Broschüren,  Flugblättern  usw.  hervorgerufen  als  der  Kampf  um  diese
Gerbstoffzölle.  1902  war  es  dennoch  gelungen,  auf  Quebracho  einen
erneuten  hohen  Zoll  zu  legen,  welcher  aber  der  deutschen  Lederindustrie
nicht  mehr  so  viel  geschadet  hat,  da  heute  aus  der  ganzen  Oberlederindustrie ­
  vegetabilische  Gerbstoffe  durch  das  Chrom  vollständig  verdrängt ­
  sind.
Ein  Moment  hat  die  Einführung  der  ausländischen  Gerbstoffe  in
den  letzten  Jahrzehnten  noch  besonders  befördert,  das  ist  die  Herstellung
der  Gerbstoffextrakte.  Schon  1768  hatte  man  das  Dividivi  großenteils
mit  Rücksicht  auf  die  hohen  Transportkosten  bei  verhältnismäßig  geringem ­
  Gerbstosigehalt  fallen  lassen.  Die  Erfindung  der  Schnellgerberei
durch  Seguin  anfangs  der  90  er  Jahre  des  18.  Jahrhunderts  hatte
sich  der  Brühengerbung  bedient  und  Hermbstüdt  hatte,  darauf  fußend,
bereits  1807  Z  die  Herstellung  eines  Extraktes  aus  Eichenlohe  zur  Konsistenz ­
  des  Mußes  vorgeschlagen,  um  dadurch  die  Transportkosten  um
90°/g  zu  vermindern.  Er  glaubte  auf  diese  Weise  das  Eichenschälwaldproblem ­
  für  die  nicht  an  Eichenwäldern  gelegenen  Gerberein  zu  lösen.
Es  scheint  sich  jedoch  die  Extraktion  damals  ziemlich  langsam  eingeführt
zu  haben,  1820  wird  sie  noch  nicht  im  großen  ausgeübt^),  aber  1829
kommen  bereits  Lohextrakte  aus  Eichenrinde,  Mimosenrinde,  aus  der
Rinde  des  Manglebaumes  vor^).  Mit  der  Einführung  der  Schnellgerberei ­
  hat  sich  naturgemäß  die  Brühengerbung  eingeführt,  aber  in  der
Mitte  des  19.  Jahrhunderts 4 )  stellen  die  englischen  Gerber  die  Extrakte
aus  den  Gerbstoffen  noch  selbst  her,  und  auch  heute  noch  kann  man
zahlreiche  Etablissements  besuchen,  wo  die  Brühen  erst  kurz  vor  dem
Gerben  bereitet  werden.  Einen  eigentlichen  Fortschritt  brachte  hier  erst  die
Gerbstoffzollpolitik.  Das  Quebrachoholz  hatte  seit  1879  den  deutschen

0  Hermbstädt  1807,  Bd.  II,  S.  216.  2 )  Keeß  1820,  S.  15.
s )  Keeß  1829,  Bd.  I,  S.  36.  4 )  A.  London  1851,  Bd.  I,  Gerbstoffe.
            
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