Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

gezogen,  und  das  Ergebnis  dieser  letzten  Phase  ist,  daß  der  Tran  heute
der  Lederindustrie  als  eines  der  billigen  Fette  in  genügenden  Mengen
zur  Verfügung  steht.

8  7.  Eigelb.
Mit  der  Besprechung  des  Alauns,  der  vegetabilischen  Gerbstoffe
und  des  Trans  ist  zwar  die  Reihe  der  wichtigsten,  für  den  Weißgerber
in  Betracht  kommenden  Gerbstoffe  erledigt,  aber  auch  die  der  „Nahrung"
zugesetzten  oder  nicht  zum  eigentlichen  Gerbeprozeß  gehörigen  Substanzen
sind  technisch  und  ökonomisch  so  wichtig,  daß  sie  mindestens  einer  kurzen
Betrachtung  bedürfen.  Einer  der  wichtigsten  Zusätze  zu  Gare  des
Glacegerbers  ist  das  Eigelb.
Die  gewöhnliche  Form,  in  welcher  das  Eigelb  in  die  Gerberei
gelangte,  war  das  rohe  natürliche  EiZ.  Die  Glacegerber  des  17.,  18.
Jahrhunderts  und  fast  des  ganzen  19.  Jahrhunderts  kauften  je  nach
der  Größe  ihres  Geschäftes  die  Eier  in  kleinen  Mengen  oder  in  großen
Abschlüssen;  sie  schlugen  die  Eier  selbst  auf 1  2  * )  und  suchten  das  anfallende
für  sie  unbrauchbare  Eiweiß  in  die  Industrie  oder  in  die  Nahrungsmittelbranche ­
  wieder  los  zu  werden.  Die  Preise  der  Eier  unterlagen
dabei  natürlich,  je  nach  der  Jahreszeit,  den  üblichen  periodischen
Schwankungen,  und  die  Höhe  der  Preise  war,  da  nur  reine  und  gute
Eier  zur  Glacegerbung  verwendbar  sind,  gegeben  durch  den  üblichen
Marktpreis  der  Eier 2 ).
Die  Konservierung  der  ganzen  Eier  durch  Ein  kalken  bedeutete,  wie
für  die  ganze  Nahrungsmittelindustrie,  so  auch  für  die  Gerberei  einen
Fortschritt;  denn  nunmehr  war  man  wenigstens  den  periodischen
Schwankungen  nicht  mehr  so  wie  früher  preisgegeben,  wenn  natürlich
auch  die  Gefahr  des  Schlecht-Werdens  der  Eier  durch  die  Einkalkung,
eine  verhältnismäßig  große  war,  ganz  abgesehen  davon,  daß  das  Kalkei
inhaltlich,  also  auch  in  seiner  gerberischen  Wirksamkeit  hinter  dem  frischen
Ei  zurücksteht 4 ).
Erst  die  60  er,  70  er  Jahre  des  vorigen  Jahrhunderts  und  die  in
ihnen  eintretenden  Lebensmittelteurungen  veranlaßten  zu  einer  Reihe
von  Versuchen,  dieses  teuerste  unter  allen  Rohmaterialien  der  Glacegerberei ­
  auf  irgendeine  Weise  zu  verbilligen.  Mit  zu  den  ersten  in
dieser  Richtung  unternommenen  Schritten  gehört  die  Einführung  der
sog.  ,,Faßeier"°);  es  ist  das  ökonomisch  betrachtet  nichts  weiter  als>

1 )  Vgl.  Gerber  1888,  S.  100.  -)  Ebenda  und  Gerber  1893,  S  4.
-)  Gerber  1893,  S.  4.  *)  Gerber  1874,  S.  135  und  Gerber  1893,  S.  4..
s )  Ebenda.
            
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