Full text: Die Entwicklung der Weißgerberei

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Charakter eines Prachtbandes als den einer wissenschaftlichen Abhand 
lung trägt; die benutzte Litteratur ist offenbar viel zu klein, und bei 
Trier und Jörissen vermißt man den fast völligen Mangel von Litte 
raturhinweisen; bei Letzterem sind selbst die abgedruckten Abbildungen 
ohne Hinweis. Auch Jörissen 1911 hütet sich beinahe ängstlich vor 
einem Eingehen in die Verhältnisse der WeißgerbereU). 
Betrachten wir im Anschluß an diese wenigen Abhandlungen spezi 
ellsten Inhalts die für eine solche Untersuchung in Betracht kommenden 
Quellen. 
Für die Entwicklung der letzten hundert Jahre etwa pflegt der 
artigen Untersuchungen die Statistik mit exakten Daten an die Hand 
zu gehen. Daher kommt es, daß unsere gewerbepolitischen Untersuchungen 
welche eben durch die moderne Statistik so sehr erleichert sind, gewöhnlich 
ebenso gut unter dem Titel einer statistique resumee begriffen werden 
können; die weitere Folge ist, daß sie erstens historisch nicht mehr ver 
tieft sind, als die Statistik zurückreicht, und daß zweitens die kleinste 
Einheit der amtlichen Statistik gleichzeitig auch das sachlich kleinste Thema 
solcher Untersuchungen abzugeben pflegt. Daraus auch ergibt sich die 
merkwürdige Folgerung, daß bei der Untersuchung noch kleinerer Rubriken 
als sie die amtliche Statistik kennt, dennoch die Zahlen dieser Statistik 
zur Illustrierung herangezogen werden. Um das konkret zu exempli 
fizieren: Die Arbeit von Trier über die deutsche Lederindustrie be 
handelt in Wirklichkeit^) nur die vegetabilische und die Chromgerberei 
unter bewußter Ausscheidung aller anderen Zweige der Gerberei, und 
sie zieht stets die Zahlen der amtlichen Statistik heran, deren kleinste 
Einheit der Begriff „Gerberei» ist, während für noch kleinere Abteilungen, 
wie „vegetabilische Gerberei», „Chromgerberei», keine Zahlen mehr 
vorhanden sind. Auf die Unrichtigkeit einer solchen Verwendung der 
Zahlen braucht hier nicht eigens hingewiesen zu werden; dagegen 
müssen wir uns bewußt sein, daß wir uns bei einer Untersuchung'über 
Weißgerberei in Tiefen begeben, in welchen wir von vorneherein auf 
die Anwendung der amtlichen Statistik verzichtet haben; denn auch die 
Zahlen der Statistik des auswärtigen Handels sind nach anderen, hier 
nicht brauchbaren Gesichtspunkten gruppiert^). 
Dagegen haben wir als statistische Quellen — freilich nicht von 
der großen Einheitlichkeit und Zuverlässigkeit des amtlichen Materials — 
an der Hand: für das Mittelalter die Meist erbü cher und gelegent 
liche Angaben in Gewerbeakten, für moderne Verhältnisse die in 
parteipolitischem Interesse erhobenen Zahlen von Zweckverbänden der 
9 Jörissen 1911, S. 9; vgl. z. B. was hier über Frankreich gesagt ist. 
9 Trier 1909, S. 3. 3 ) Vgl. auch S. 302.
	        
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