XIV
Unternehmer und der Arbeiter. Allein bei der Verwendung der von
den modernen Zweckverbänden erhobenen Zahlen ergeben sich wiederum
bedeutende Schwierigkeiten; denn während die zünftlerischen Gewerbe
beschränkungen in Verbindung mit den „Großen Handwerken" eine ge
wisse Einheitlichkeit der Fabrikation in bezug auf verwendeten Rohstoff,
auf Herstellungsweise *) und auf fertiges Produkt, und damit auch eine
gewisse Vergleichbarkeit der in den lokalen und Selbstverwaltungskör
pern erzeugten Statistiken gewährleisteten, fehlt eine solche Einheitlich
keit und Vergleichbarkeit in den Statt st iken der modernen Zweck
verbände, welche letztere unter dem Zeichen der Gewerbefreiheit ent
standen sind. So sind im Zentralverband der Lederarbeiter und -ar-
beiterinnen Deutschlands^) die Weißgerber zusammengefaßt mit den Leder
färbern, und im Verwaltungsbericht der Lederindustrieberufsgenossenschaft^)
gehören die Weißgerbereien, je nach ihrer Ausstattung mit Handbetrieb
oder mit Motorenbetrieb, zu den Gefahrenklassen F. bzw. K, und neben
ihnen sind in diesen Gefahrenklassen noch alle anderen Leder herstellen
den Betriebe enthalten; auch ein Versuch, aus dem Adreßbuch der
Lederindustrie „Schuh und Leder"Z eine Statistik zu gewinnen, führt
nicht zum Ziele; denn alles, was sich hier finden läßt, ist eventuell die
Zahl der Betriebe, aber ohne weitere Details, wie Zahl der beschäftigten
Arbeiter, Zahl und Art vorhandener Maschinen, Leistungsfähigkeit usw.
Neben der bisher angedeuteten Litteratur liefert weiteres Material,
allerdings ebenfalls nur von bedingter Zuverlässigkeit, das große Heer
der modernen Zeitschriften.
Für weiter zurückliegende Perioden dieses Jahrhunderts kommen
zunächst in Betracht Gewerbeakten und Gewerbekonzessionen
usw., welche meist noch in den Archiven der Magistrate der Städte vor
handen sind.
Daran schließen sich dann an die Gewerbeakten, Zunftbriefe,
Urkunden, Rollen und Akten des späteren Mittelalters, ein enormes
Aktenmaterial, welches bereits in die Kreis- bzw. Staatsarchive abge
geben ist.
Einen weiteren und ohne Zweifel großen Schatz für gewerbe
historische und gewerbepolitische Untersuchungen enthalten die in dick
leibigen Urkundenbüchern gesammelten Urkunden älterer Zeit, aber
diese großen Sammlungen sind fast alle für spezielle wirtschaftsgeschicht
liche Untersuchungen nicht zugänglich gemacht, geschweige denn für solche
gewerblicher Natur, da sie wohl meist mit einem eingehenden Personen-
und Ortsregister versehen sind, während eine Zusammenstellung nach
sachlichen Gesichtspunkten vollständig fehlt.
i) Vgl. bes. S. 250 ff. i) 2 ) Siehe dessen Jahresberichte.
3 ) Lederindustrieberufsgen. *) Schuh und Leder.