Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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zum  Gerben  aufmerksam  gemacht.  Ungeheures  Aufsehen  erregten  die
Heinzerling'schen  Patente  1878  x );  man  glaubte,  das  Ende  der  vegetabilischen ­
  Gerbung  sei  gekommen-).  Allein  für  Heinzerliug  fehlte  die
politische  Propaganda,  welche  seinerzeit  Seguin  zu  Hilfe  gekommen
war.  Die  Bücher,  Technologien  und  Zeitschriften  im  ersten  Jahrzehnt
des  19.  Jahrhundert  sind  vollgestopft  mit  Anklagen  gegen  Seguin,  wir
hören  immer  und  immer  wieder,  daß  sich  die  Methoden  nicht  bewähren,
daß  sie  nur  schlechtes  Leder  liefern,  die  Methoden  wollten  sich  in  Europa
nicht  einführen;  sie  waren  in  Amerika  längst  in  großartigem  Maßstabe
durchgeführt,  als  Gall  1824  nach  seiner  Heimkehr  aus  der  neuen  Welt
in  einer  eigenen  Broschüre  ausdrücklich  auf  die  amerikanischen  Verfahren
hinwies  ").
Die  Chromgerbung,  welcher  nur  konservative  Skeptiker  gegenüberstanden, ­
  welcher  kein  großer  durchschlagender  Erfolg  den  Beweis  ihrer
Brauchbarkeit  erbracht  hatte,  erfuhr  die  gleiche  Behandlung  wie  Seguins
Methode,  nur  mit  einem  anderen  Resultat:  Der  Ledermarkt  schrieb  noch
1886  „Damit  ist  die  Zahl  derjenigen,  welche  mit  Heinzerlings  Chromgerbung ­
  hereingefallen  sind,  um  eins  vermehrt;  es  sind  ungeheure
Summen  durch  dieses  nichtsnutzige  Verfahren  verloren  gegangen"  *).  Die
Chromgerbung  galt  als  unrettbar  und  als  erledigt.  Das  Verfahren
war  eben  noch  mangelhaft,  die  Zurichterei  ungenügend,  die  grünliche
Farbe  empfahl  es  nicht  auf  dem  Markt,  der  Handel  stand  der  Ware
ablehnend  gegenüber"),  das  Färben  und  Schwärzen  des  Leders  war
nicht  durchgearbeitet,  kurz,  alle  die  Schwierigkeiten,  welche  sich  dem
Versuche  entgegenstellen,  eine  im  Laboratorium  erfundene  und  erprobte
Methode  in  die  Praxis  zu  übertragen,  die  ungeheuren  Kosten,  welche
zur  Überwindung  solcher  Schwierigkeiten  immer  wieder  erwachsen,
hatten  dafür  gesorgt,  daß  Chromleder  als  eine  völlige  aussichtslose
Sache  galt.
Die  Hoffnung  auf  dieses  als  vollkommen  obsolet  geltende  Verfahren
uicht  aufgegeben  zu  haben,  gebührt  dem  Deutschen  Schultz"),  welcher
we  Chromgerbung  nochmals  nach  einer  anderen  Methode  aufgriff 7 ),
ntf)  1884  ein  amerikanisches  Patent  erwarb"),  und  dieses  dann  bei
^mem  großen  Chevreauxfabrikanten  unterzubringen  wußte").  Aber  auch
rn  Amerika  „hat  sich  gar  mancher  die  Finger  verbrannt  und  manchem
pt  über  das  Bemühen,  das  Geheimnis  der  Chromgerbung  herauszufinden,
Heinzerling  1882.  -)  Siehe  Borgmann  1902,  S.  6.  3 )  Gall  1824.
4 )  Ledermarkt  1886,  Nr.  50.  b )  Gerber  1900,  S.  1.
6 )  Gerbercourier  1893,  Nr.  21,  Beilage.
’)  Schuh  und  Leder  1896,  Nr.  21,  S.  16.
°)  Siehe  auch  Jörissen  1909,  S.  31.
*)  Siehe  Gerbercourier  1893,  Nr.  21,  Beilage  und  Ledermarkt  1904,  Nr.  95.
            
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