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arbeitung des Materials. Dieses durch jahrhundertelange Übung gewonnene
Verhältnis wurde durch die Einführung von Maschinen vollständig
verschoben; es ist kein Zufall in der Entwicklung auch der
Maschinentechnik, daß die Textilindustrieen, die Metaüindustrieen heute
noch au erster Stelle stehen, daß sie einen weiten Vorsprung vor der
Gerbereitechnik gewonnen haben; denn die maschinenmäßige Entwicklung
dieser Jndustrieen war von langer Hand vorbereitet gewesen, ihnen
fehlte gewissermaßen nur noch die Dampfkraft. 1530 war das Spinnrad
erfunden worden ü, und damit war die durch die menschlichen Organe
begrenzte Länge des Fadens zum Spinnen zu einer gewissermaßen
unbegrenzten ausgedehnt worden, die Metallindustrieen aber waren bei
der Einführung von Maschinen zunächst überhaupt vor leichtere Aufgaben
gestellt. Das gehört nämlich mit zum Wesen des Maschinenbetriebes
und ist bei vielen Gewerben die Vorbedingung zu seiner rationellen
Durchführung, daß ein Prozeß kontinuierlich geleitet werden
kann, daß die Natur des Materials nicht dem Prinzip der kontinuierlichen
Prozesse widerspricht. Es ist nicht richtig, wenn, wie es im allgemeinen
geschieht, der Beginn der maschinenmäßigen Entwicklung etwa in die
Wende des 18. Jahrhunderts oder einige Dezennien vorher verlegt wird.
Das Mittelalter kannte eine Menge Maschinen, man brauchte es nur
einmal daraufhin zu untersuchen; die Steigkünste der Bergleute, die
Pochhämmer der Kupfer-, Hammerschmiede und Zainer, die Walken
der Gerber und Tuchmacher, die Drehbänke der Büchsenmacher, der
Holzarbeiter, der Alabasterer, die Pressen der Buchdrucker und Kupferdrucker,
der Webstuhl usw., wir finden sie alle heute noch, nur betrieben
durch Dampfkraft oder umgewandelt für einen kontinuierlichen Prozeß,
wie dies z. B. bei der Rotationspresse der Fall ist. In diesen oben
erwähnten Erfindungen ist die erste Phase der maschinentechnischen Entwicklung
zu erblicken, auf welche eine zweite Phase durch Einführung
der Dampfkraft folgt. Warum die Gerberei außer der Walke keine
Maschinen besaß, das liegt begründet in der Natur ihres Rohmaterials,
welches seiner natürlichen Beschaffenheit nach zunächst dem Wesen des
kontinuierlichen Prozesses widerspricht.
Ein zweites Moment, welches die Entwicklung von Maschinen für
die Gerberei verzögert hat, war die lange Dauer der Gerbeprozesse;
nicht nur dauerte die Lohgerbung außerordentlich lange, auch die anderen
Methoden beanspruchten sehr viel Zeit, weil sich auf Grund der falschen
Anschauung, daß der Kalk eine Härtung der Haut bewirke 2 ), die Überzeugung
herausgebildet hatte, daß die Häute gar nicht lange genug im
Kalküscher liegen können. Unter solchen Verhältnissen haben natürlich
') Nehlen 1855, S. 19.
2 ) Vgl. Schauplatz 1775, Bd. II, S. 275.