163
schon sehr verwischt. Die deutschen Fabrikanten haben im großen ganzen
nach den Konstruktionen und Ideen der Ausländer gearbeitet, haben
dieselben aber in eigener Weise vervollkommnet, und namentlich den
deutschen Verhältnissen, d. h. den Produktions- und Arbeitsbedingungen
der Leder- und Lederwarenfabrikation angepaßt. Will man nun einen
charakteristischen Vergleich zwischen den ausländischen, namentlich den
amerikanischen und den deutschen Maschinen ziehen, so läßt sich derselbe
dahin zusammenfassen, daß die deutschen Maschinen, Werkzeuge und
Apparate in ihrer äußeren Erscheinung, in der schöneren Ausstattung
zurückstehen, hinsichtlich der konstruktiven Durcharbeitung aber und in
der soliden Arbeit an und für sich das ausländische Fabrikat mehrfach
übertreffen."
Es hat sich in Deutschland eine eigene Gerbereimaschinenindustrie
entwickelt, z. T. sehr große Betriebe, wie die Badische Maschinenfabrik
Durlach, freilich immer wieder stark beeinflußt durch amerikanische Ideen;
denn amerikanische Fabriken haben große Filialen in Deutschland
errichtet, welche dann allerdings mehr oder weniger selbständig geworden
sind. Eine solche ist z. B. The Turner Compagny in Frankfurt
a. M., deren Stammhaus, The Turner Tannig Machinery Co., in
Peabody, Mass. U. S. A. sich befindet.
Haben wir die allgemeine Entwicklung maschinentechnischer Ideen
kennen gelernt, so erwächst uns die weitere Aufgabe, die Entwicklung
der Arbeitsmaschine aus dem handwerksmäßigen Werkzeug im Hinblick
auf die Fortbildung oder Abänderung der Arbeitsprinzipien zu studieren.
Die Schwierigkeit dieser Aufgabe erklärt sich nicht nur daraus, daß
auch auf diesem Gebiete die Gerberei noch keinen Einzug in die modernen
Lehrbücher gehalten hat, so daß auch für diesen Fall breiteste Materialsammlung
die notwendige Vorbedingung zur Erlangung einer Übersicht
über den ungeordneten Stoff bildete, sondern auch aus der Tatsache,
daß es gilt, aus dem ungeheuren Gewirr von Arbeitsmaschinen
und Arbeitsprozessen nur die wesentlichen Grundgedanken herauszulösen
und deren Entwicklung darzustellen J ).
SJBir haben die Fülle der Gerbereimaschinen in zwei große Kategorieen
geteilt, und wir haben die maschinelle Ausbildung der ersten
dieser beiden Kategorieen bereits besprochen. Wir haben gesehen, daß
die Formen dieser Reihe auf das verhältnismäßig einfache Problem sich
zurückführen lassen, ein nicht allzugroßes Quantum von Flüssigkeit mitsamt
den Häuten in Bewegung zu setzen; dieses Problem wurde in
verschiedener Weise gelöst in den Formen des Rührwerks, des Haspels,
des Walkfasses, dreier Typen, welche in verschiedenen Modifikationen
’) Die Zusammenstellung der speziellen Patente siehe 22. Jahresbericht der
Deutschen Gerberschule zu Freiberg in Sachsen 1911 und früher.
11*