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eine besondere Rolle verliehen *). Schon dieses Bremer Beispiel zeigt,
daß die Trennung der Handwerke keineswegs in allen Fällen schematisch
in der Weise vor sich ging, daß die Trennung zwischen Weißgerbern
und Rotgerbern eine abschließende Phase in dem Prozeß der Produktionsteilung
bedeutet hätte, wenn letzteres auch häufig der Fall gewesen sein
mag. Ähnlich wie hier die Weißgerber gemeinsam mit den Riemenschneidern
und Senklern als Alaun- bzw. Sämischgerber den mit Vegetabilien
gerbenden Lederarbeitern der Schuster und Gerber gegenüberstanden,
so stellt z. B. auch das Verzeichnis der Bremer Kaufmannschaft
und der Zechen vom Jahre 1419 die Weißgerber in Gegensatz zu den
„Schustern und Rotgerbern" ^).
Auch für den Fall der Trennung der Weißgerberei von der Rotgerberei
lassen sich Beispiele beobachten. In Leipzig wurden schon im
Anfang des 15. Jahrhunderts die beiden Gewerbe scharf geschieden 3 * * * 7 ),
und zu einer ähnlichen vollständigen Scheidung kommt es in Würzburg
erst im 16. Jahrhundert, wo eine innere Spaltung schon länger bestanden
hatte; als sich aber hier zwischen den Gesellen beider Handwerke Zwietracht
wegen der Kerzen ergab, wurden die Handwerke geteilt, und jedes
erhielt seine eigenen Kerzen Z; dabei wurden die Handwerksgebräuche
der Weißgerber nicht im Anschluß an diese Trennung bestimmt, sondern
sie wurden vom Rate erst etwas später bei Gelegenheit einer Handwerksstreitigkeit
veröffentlicht °).
Ein nicht uninteressanter Fall einer Trennung von Rot und Weiß
liegt in Memmingen vor"). Hier ist die Trennungsurkunde datiert
vom 14. Januar 1680, und erst der daraufhin zustande kommende
Schriftenverkehr orientiert uns über die Vorgeschichte der Trennung.
Die beiden Handwerke waren hier seit unvordenklichen Zeiten vereint
gewesen, aber schon seit 25 Jahren wurde die Trennung erwogen'),
wobei sich zwei Parteien gegenüberstanden. Die zahlreichere und mächtigere,
auf Trennung hindrängende Partei umfaßt die Rotgerber; diese
niachten vor allen Dingen geltend, „daß unsere Söhne in der Wanderschafft
nicht fortkommen können, item, daß man sie aufs den märckten
aus dem los stosse" 8 ), weil überall die redlichen Meister sich nur mit
Rot oder nur mit Weiß beschäftigten; weiter führten sie an, daß die
Lohe für sie alle nicht ausreiche 9 ). Die zweite, kleinere Partei, haupt-0
Mitteilung des Archivs der freien Hansastadt Bremen.
2 ) Borgins 1895, S. 5. ->) Junghans 1896, S. 393.
4 ) Wiirzburg 1580, S. 266 ff. °) Wnr'zburg 1580, S. 488 ff.
°) Memmingen: Schubl. 434, Paket 6 und 7; Schubl. 435, Paket 1 und 2.
7 ) Memmingen 23. Jan. 1680, 16. Febr. 1680.
8 ) Ebenda, 23. Jan. 1680; 17. April 1680; 15. Nov. 1680.
*) Ebenda, 15. März 1680.