238
bei Fioravanti, wonach die Schreiber ihr Pergament selbst zubereitet
haben *). Im 18. Jahrhundert gingen durch die steigende Konkurrenz
des Papieres die Pergamentmacher immer mehr zurück. So bestanden
z. B. in Leipzig 2 )
1716 4 Pergamenter
1746 5
1770 3
1800 2
1796 war in Göttingen nur noch einer, desgleichen auch in Berlin
nur einer 3 ), 1820 in Wien zwei 4 5 ), und das sinkende Handwerk, welches
sich zur Zeit seiner Blüte stellenweise ganz von den Weißgerbern
emanzipiert haben mag, kehrte wieder zu diesen zurück 2 ); eine ganze
Reihe von Gewerbsakten bezeugen, daß sie wegen Weißgerberei mit den
Weißgerbern in Konflikt kamen, bis schließlich die Pergamentmacherei
in der Weißgerberei aufgegangen ist.
Ein Gewerbe, welches in noch engerer Fühlung mit dem Weißgerber
gestanden hat, ist das Leimsieden; denn die Abfälle und Abschabsel
der Weißgerber wie auch der Pergamenter stellen ein sehr
wertvolles Ausgangsmaterial zur Herstellung von Leim dar. Damit
ist natürlich eine Konfliktsmöglichkeit zwischen Weißgerbern und Pergamentern
gegeben für den Fall, daß diese beiden Gewerbe zwei verschiedene
Handwerke bilden; ein solcher Streit wurde bereits etwa 1550
in Nürnberg durch Ratsbeschluß dahin entschieden, daß das Leimsieden
als freie Kunst beiden Gewerben zu betreiben gestattet sein soll 2 ); daher
sagt auch Hans Sachs in seinem Gedicht „Der Permennier": „Auß
ohren vnd klauwen seud ich Leim" 7 ); auch im ganzen 18. und im
Anfang des 19. Jahrhunderts noch ist das Leimsieden eine Beschäftigung
der Weißgerber 8 ), wenn es auch gelegentlich in größeren Städten eigene
Leimsieder gegeben hat; letztere gewöhnlich arme Weißgerber, welche
nicht das Vermögen besaßen, ihre Profession zu betreiben 2 ), haben hie
und da das Leimsieden als ausschließliche Beschäftigung für sich beansprucht
und dann Anlaß zu gewerblichen Auseinandersetzungen gegeben;
weniger, um letztere zu illustrieren, als um den guten Humor
des Handwerks zu zeigen, sei eine Stelle aufgeführt aus einem Antwortschreiben
eines Weißgerbergesellen aus Flohnheim an das Weißgerberhandwerk
zu Speier 1759, welches ihm die Aufnahme in die Zunft
-) Fioravanti 1564, Bd. I, S. 11; vgl. Wattenbach 1871, S. 84.
-) Rößig 1803, Bd. II, S. 333. -) Beckmann 1796, S. 301.
*) Keeß 1820.
5 ) Jacobson 1782, Bd. III, S. 223; vgl. auch die Akten des Weißgerbers
Kirchhofs am Stadtarchiv Nürnberg 1855. 6 ) Nürnberg 1535, M. S., 452.
’) Sachs 1568, S. 93. -) Halle 1762, Bd. II, S. 369; Beck 1807, S. 57 f.
°) Jacobson 1782, Bd. II, S. 590.