Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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bei  Fioravanti,  wonach  die  Schreiber  ihr  Pergament  selbst  zubereitet
haben  *).  Im  18.  Jahrhundert  gingen  durch  die  steigende  Konkurrenz
des  Papieres  die  Pergamentmacher  immer  mehr  zurück.  So  bestanden
z.  B.  in  Leipzig 2 )
1716  4  Pergamenter
1746  5
1770  3
1800  2
1796  war  in  Göttingen  nur  noch  einer,  desgleichen  auch  in  Berlin
nur  einer  3 ),  1820  in  Wien  zwei 4  5 ),  und  das  sinkende  Handwerk,  welches
sich  zur  Zeit  seiner  Blüte  stellenweise  ganz  von  den  Weißgerbern
emanzipiert  haben  mag,  kehrte  wieder  zu  diesen  zurück 2 );  eine  ganze
Reihe  von  Gewerbsakten  bezeugen,  daß  sie  wegen  Weißgerberei  mit  den
Weißgerbern  in  Konflikt  kamen,  bis  schließlich  die  Pergamentmacherei
in  der  Weißgerberei  aufgegangen  ist.
Ein  Gewerbe,  welches  in  noch  engerer  Fühlung  mit  dem  Weißgerber ­
  gestanden  hat,  ist  das  Leimsieden;  denn  die  Abfälle  und  Abschabsel
  der  Weißgerber  wie  auch  der  Pergamenter  stellen  ein  sehr
wertvolles  Ausgangsmaterial  zur  Herstellung  von  Leim  dar.  Damit
ist  natürlich  eine  Konfliktsmöglichkeit  zwischen  Weißgerbern  und  Pergamentern
  gegeben  für  den  Fall,  daß  diese  beiden  Gewerbe  zwei  verschiedene ­
  Handwerke  bilden;  ein  solcher  Streit  wurde  bereits  etwa  1550
in  Nürnberg  durch  Ratsbeschluß  dahin  entschieden,  daß  das  Leimsieden
als  freie  Kunst  beiden  Gewerben  zu  betreiben  gestattet  sein  soll 2 );  daher
sagt  auch  Hans  Sachs  in  seinem  Gedicht  „Der  Permennier":  „Auß
ohren  vnd  klauwen  seud  ich  Leim" 7 );  auch  im  ganzen  18.  und  im
Anfang  des  19.  Jahrhunderts  noch  ist  das  Leimsieden  eine  Beschäftigung
der  Weißgerber 8 ),  wenn  es  auch  gelegentlich  in  größeren  Städten  eigene
Leimsieder  gegeben  hat;  letztere  gewöhnlich  arme  Weißgerber,  welche
nicht  das  Vermögen  besaßen,  ihre  Profession  zu  betreiben 2 ),  haben  hie
und  da  das  Leimsieden  als  ausschließliche  Beschäftigung  für  sich  beansprucht ­
  und  dann  Anlaß  zu  gewerblichen  Auseinandersetzungen  gegeben; ­
  weniger,  um  letztere  zu  illustrieren,  als  um  den  guten  Humor
des  Handwerks  zu  zeigen,  sei  eine  Stelle  aufgeführt  aus  einem  Antwortschreiben ­
  eines  Weißgerbergesellen  aus  Flohnheim  an  das  Weißgerberhandwerk ­
  zu  Speier  1759,  welches  ihm  die  Aufnahme  in  die  Zunft
-)  Fioravanti  1564,  Bd.  I,  S.  11;  vgl.  Wattenbach  1871,  S.  84.
-)  Rößig  1803,  Bd.  II,  S.  333.  -)  Beckmann  1796,  S.  301.
*)  Keeß  1820.
5 )  Jacobson  1782,  Bd.  III,  S.  223;  vgl.  auch  die  Akten  des  Weißgerbers
Kirchhofs  am  Stadtarchiv  Nürnberg  1855.  6 )  Nürnberg  1535,  M.  S.,  452.
’)  Sachs  1568,  S.  93.  -)  Halle  1762,  Bd.  II,  S.  369;  Beck  1807,  S.  57  f.
°)  Jacobson  1782,  Bd.  II,  S.  590.
            
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