Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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sie  gaben  ihren  Geschäften  eine  Ausdehnung,  welche  groß  genug  war,
um  einen  großen  Teil  des  Landes  zu  versehen,  der  niedere  Preis  ihrer
Waren  zog  ihnen  eine  Menge  Bestellungen  zu,  und  den  Gerbern  von
Lüttich  wurde  es  unmöglich,  gegen  ihre  Konkurrenz  aufzukommen.  Nachdem ­
  sie  nach  Einführung  eines  anfänglich  hohen  Schutzzolles  noch  ein
absolutes  Einfuhrverbot  verlangt  hatten,  wurden  von  seiten  der  Verwaltung ­
  neue  Vorschriften  eingeführt,  welche  sich  zu  den  alten  Zunftgrundsätzen
  in  Gegensatz  stellten  ft.
Zu  Calw  im  Württembergischen  wurde  eine  Saffianfabrik  eingerichtet ­
  mit  einer  jährlichen  Produktion  von  12000  Stück  Saffianfellen ­
  ft,  in  Berlin  gab  es  1786  zwei  Lederwalckmühlen,  eine  in  Neuköln, ­
  und  die  andere  vor  dem  Schlesischen  Tore,  dem  Lederfabrikanten
Lutz  gehörig  ft,  welcher  darin  gewalkte  englische  Stiefelschäfte  verfertigte;
feit  1780  bestand  in  Berlin  ein  Lohgerberwerk  mit  118  Arbeitern,
welches  auch  Alaunleder  fabrizierte  ft,  und  das  Berliner  Weißgerberwerk ­
  hat  1780  durch  76  Arbeiter  an  weißgaren  Schaffellen,  sämischgaren
  Hammelfellen,  fämischgarem  Bockleder  und  Kalbfellen,  Hirschund
  Wildhüuten  sowie  an  weiß-  und  sämischgaren  Rindledern  zusammen ­
  99  300  Stück  im  Werte  von  47  733  Rthlr.  verfertigt,  und  dazu
wurden  für  25  725  Rthlr.  Materialien  verbraucht;  von  der  Produktion
gingen  außer  Landes  für  17  900,  während  im  Lande  für  29  933  Rthlr.
blieben  ft.  Auf  die  große  Zahl  der  damals  allenthalben  entstandenen
Rotgerbermanufakturen  kann  hier  nicht  eingegangen  werden,  es  soll
damit  lediglich  auf  ihre  Existenz  hingewiesen  fein  ft.  Wien  allein  zählte
1820  neben  12  mit  den  Landesfabriksbefugnissen  versehenen  großen
Rotgerbereien  2  Landes-befugte  Alaun-  und  Sämischgerbereien  ft.
Die  ganze  Entwicklung  der  Manufakturen  ist  also  auch  in  Deutschland ­
  um  die  Wende  des  18.  Jahrhunderts  bereits  zu  einer  sehr  ansehnlichen ­
  Höhe  emporgediehen;  ein  Wiener  Arbeitsbrief  der  Weißgerber
von  1807  z.  B.  enthält  folgenden  stereotypen  Passus:  „Wir  Vorsteher
des  Hauptmittls  und  der  Laade  der  bürgerlichen  Weißgärber-  und
Sammischmachermeister  .  .  .  urkunden  hiemit,  daß  Vorzeiger  dieses...
bei  dem  Fabrikanten  allhier  .  .  .  in  Arbeit  gestanden.  Dahero  wir
unsere  sämtliche  Mitmeister  geziemend  ersuchen,  diesen  Gesellen  nicht
uur  allein  mit  Arbeit  zu  unterstützen,  sondern  auch  bei  jeder  Gelegenheit ­
  fein  weiteres  gutes  Fortkommen  und  feinen  künftigen  Wohlstand
uach  Möglichkeit  zu  befördern"  ft.  Dieses  Beispiel  mag  uns  zeigen,
ft  Bormans  1863,  S.  171  s.  ft  Beckmann  1796,  S.  288.
ft  Nicolai  1786,  S.  518.  ft  Nicolai  1786,  S.  547.  ft  Ebenda.
;  ft  Vgl.  Rößig  1803,  Bd.  II,  S.  329  f.;  Hamburg  1805,  S.  3,  72,  75,  77,
78,  100,  119,  120;  Wiedfeldt  1898,  S.  44,  59,  66,  70  ff.
ft  Kecß  1820,  S.  20.  ft  Wien  1807.
            
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