Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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der  Betrieb  zu  einem  kompletten  ergänzt,  welcher  nun  weiße  und  braune
Schaffelle  nebeneinander  erzeugt;  fo  bald  aber  eine  gewisse  Größe
erreicht  ist,  hält  die  Chromgerberei  ihren  Einzug  in  solche  Betriebe,
und  diese  gestalten  sich,  äußerlich  ihrem  Umfange  und  der  maschinellen
Einrichtung  der  Zurichterei  nach,  innerlich  nach  den  Mengen  und  der
Art  des  Umsatzes,  zu  andersgearteten  industriellen  Gebilden  um.
Ebenfalls  zu  einer  Umgestaltung,  aber  in  einem  abermals  anderen
Sinne,  neigt  die  Glacegerberei.  Während  nämlich  die  Schuhfabrikation
erst  in  verhältnismäßig  neuer  Zeit  wieder  zur  Kombination  übergegangen
ist  x )  —  letzteres  freilich  auch  keine  neue  Erscheinung,  wenn  man  an
die  alten  Gerberhöfe  der  Schuhmacher  denkt,  welche  oben^)  mehrfach
erwähnt  wurden  —  trat  bei  uns  die  Glacegerberei  gleich  in  so  engem
Anschlüsse  an  die  Handschuhmacherei  auf,  daß  die  Vereinigung  der  beiden
Gewerbe  in  einer  einzigen  Hand  fast  bei  jedem  Betriebe  immer  nur
eine  Frage  der  Zeit  ist.  Wir  haben  gesehen,  daß  die  beiden  Gewerbe
schon  bei  ihrem  Größerwerden  in  Frankreich  hauptsächlich  aufeinander
angewiesen  waren,  und  das  Aufblühen  der  beiden  Gewerbe  fällt  auch
in  Frankreich  in  eine  Zeit,  wo  die  zünftlerischen  Gewerbebestimmungen
nicht  mehr  allzu  engherzig  befolgt  wurden.
Wir  können  im  Gegenteil  die  Trennung  beider  Gewerbe  unter  der
Kategorie  derSpezialisationen  aufführen.  Wir  haben  gesehen,  daß  auch
das  keine  neue  Erscheinung  ist;  als  ältere  Beispiele  dieses  wirtschaftlichen
Vorganges  wurden  oben  angeführt  die  Pariser  Pergamenter,  welche  die
fertigen  Blößen  von  den  Weißgerbern  bezogen,  oder  die  reinen  französischen ­
  Sämischgerber,  welche  ebenfalls  nur  in  die  ihnen  gelieferten
Blößen  noch  den  Tran  einwalkten  und  die  Zurichtung  besorgten;  auch
sonst  kommen  ähnliche  Zustände  vor;  die  Astrachan'schen  Saffianfabrikanten ­
  pflegten  um  die  Wende  des  18.  Jahrhunderts  vielen  Häuten
nur  die  erste  Zubereitung  zu  geben,  und  diese  dann  an  die  Perser  zu
verkaufen,  welche  die  Bearbeitung  vollendeten,  und  dann  die  fertigen
Häute  nach  Europa  brachten^);  um  die  gleiche  Zeit  ließ  man  auch
in  Deutschland  die  schon  für  Corduan  teilweise  zubereiteten  Bockfelle
aus  der  Türkei  über  Venedig  kommen,  und  nur  das  Narben,  Glätten
und  Färben  besorgte  man  noch  selbst^).
Eine  weitere  Art  der  Spezialisation  ist  die  Trennung  der  Lederfärberei ­
  von  der  Glacegerberei;  es  gibt  eigene  Lederfärbereien 6 ),  meist
aber  vereinigt  sich  dann  die  von  der  Glacegerberei  abgetrennte  Lederfärberei ­
  mit  der  Handschuhmacherei.  So  stellte  das  Haus  Jouvin
und  Doyon  in  Paris,  welches  schon  1855  jährlich  10000  Dtzd.  Paar
')  Vgl.  Behr  1908,  S.  35.  -)  Vgl.  S.  136  f.  ')  Hermbstädt  1807,  Bd.  II,  S.  147.
4 )  Beckmann  1796,  S.  289;  Hermbstädt  1807,  Bd.  II,  S.  178.
8 )  Vgl.  SB.  b.  Erf.  1874,  S.  427;  Ledermarkt  1893,  S.  1236.
            
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