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Weiß- und Rotgerberei sowie der Glacegerberei vorerst existenzsähiger
zu sein scheint, soweit nicht die oben dargelegten Verhältnisse einen
Rückgang desselben bewirken. Der Einfluß der Abgaben aus Häute
und Leder, welcher ost einen sehr störenden Charakter angenommen
hat*), der Übergang der Lederschaugebühren in Lederzölle 2 ), Exportprämien,
Schutzzoll und Finanzzoll in seinem Einfluß aus die Lederindustrie^)
und endlich der Veredlungsverkehr, welcher zwar sür die
Handschuhindustrie, aber nicht sür die Weißgerberei von Bedeutung ist 4 ),
das alles kann in diesem speziellen Zusammenhang keine Berücksichtigung
flnden. Auf den Einfluß der Kriege auf das Ledergewerbe wurde
schon mehrmals hingewiesen"); im 19. Jahrhundert beeinflussen sie
hauptsächlich durch ihren direkten Bedarf auf Grund der Umgestaltung
der Produktionsprinzipien nur noch die vegetabilische Gerbung, und
damit die Werkstätten ihrer Ausübung, während die Weißlederindustrie
nur indirekt von den Kriegen alteriert wird; so ging die Berliner
Weiß- und Sämischgerberei nach den Kriegen von 1813/14 ein, weil
die in den Rheinlanden blühende Lederindustrie, welche ihren Absatz
nach Frankreich versperrt sah, nun auf den deutschen Märkten zu dominieren
begann"). Umgekehrt war, worauf ja auch schon hingewiesen,
der Erfolg von 1870/71; denn als nach dem siegreichen Ausgang dieses
Krieges die ausländischen Aufträge speziell für Handschuhleder und für
Handschuhe nicht mehr nach Frankreich, sondern nach Deutschland flössen,
nahm die Handschuhsabrikation in Deutschland tagtäglich einen größeren
Aufschwung; diese so bedeutend erhöhten Ansprüche an die Leistungsfähigkeit
der Fabriken führten zur Gründung vieler neuer, großenteils
mehr auf den Kaufmann als auf den Gerbereiverständigen aufgebauter
Etablissements. Die Rückwirkung dieser plötzlichen ungesunden Entwicklung
der deutschen Handschuhindustrie blieb nicht aus; denn nachdem
die ersten Waren an ihrem Bestellungsort angelangt waren, sahen
die Besteller, daß dieselben sich mit der früher aus Frankreich bezogenen
Ware nicht messen konnten; daher reduzierten sich die überseeischen Aufträge
sehr bald wieder auf die ursprüngliche Größe, und die Handschuhindustrie,
und damit die Glaccgerberei, gingen stark zurück?) In der
Folge nahm dann die deutsche Glacelederindustrie im erfolgreichen Kontz
Vgl. z. B. Schauplatz 1775, Bd. IV, S. 124.
tz Vgl. Leder-Schau-Ordnung 1773; Würzburg 1728.
tz Vgl. Jörissen 1989, S. 379; Gülich 1830, Bd. IV, S. 266, 269; Gunzenhausen
1798—1804; 1803. *) Vgl. Jörissen 1909, 392.
tz Vgl. Würzburg 1702; Schauplatz 1766, Bd. V, 324; Gunzenhausen 1798
bis 1804; 1800; Würzburg 1818/1819; Bormans 1863, S. 7b; Gerber Courier
1901, Nr. 3b; 1890, Nr. 8 u. 10; Behr 1908, S. 23; Deutsche Gerberzeimng 1883,
Nr. 48; 1876, Nr. 47, Beil. °) Wicdseldt 1898, S. 73, 91, 364.
tz Lederausstellung 1878, S. 19b.