Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

306

niedergelegt  oder  den  Arbeitskontrakt  gebrochen  haben,  nicht  eher  zu  beschäftigen, ­
  bis  ihnen  seitens  des  Vorstandes  zugegangen  ist,  daß  die
vorliegenden  Differenzen  erledigt  sind.
8  23.
Die  Mitglieder  verpflichten  sich
a)  Arbeitnehmer,  die  zuletzt  bei  Vereinsmitgliedern  gearbeitet  haben^
nur  gegen  Vorzeigung  eines  auf  dem  Vereinsformular  ansgestellten
ordnungsmäßigen  Entlassungsscheines,
b)  Lehrlinge,  welche  ihre  Lehrzeit  noch  nicht  beendet  haben,  keinesfalls ­
  ohne  schriftliche  Einwilligung  des  früheren  Lehrherrn  einzustellen.
Unter  den  110  Mitgliedern  befinden  sich  60—70  Firmen  Fabrikanten, ­
  die  übrigen  Mitglieder  des  Vereins  verteilen  sich  auf  die  übrigen
unter  §  3  genannten  Mitgliederkategorieen.
Ähnlich  sind  die  Bestimmungen  des  Süddeutschen  Weißgerber ­
  Verbandes,  welcher  sich  hauptsächlich  auf  Württemberg  erstreckt.
Die  Gerberinnung  Kirchhain  ist  ein  mehr  lokaler  Verband,
und  in  ihren  Statuten  tritt  deutlich  noch  ihre  Herkunft  aus  der  Innung
hervor,  wie  Regelung  des  Lehrlings-  und  Gesellenwesens,  Meisterprüfung, ­
  Gesellenausschuß,  Ausschuß  für  das  Lehrlingswesen,  Ausschuß
für  Gesellen-  und  Herbergswesen.  Aber  alle  diese  Bestimmungen  bewegen ­
  sich  im  Rahmen  der  Innungen  überhaupt,  so  daß  es  genügt,
darauf  hinzuweisen.
Eine  zweite  Gruppe  von  Arbeitgeberverbänden  sind  die  Konzentrationsformen ­
  der  Industrie.
Von  historischem  Interesse  ist  hier  ein  Verbot  der  preußischen
Weißgerberordnung  von  1737,  „daß  weder  einzelne  Meister  noch
weniger  das  gantze  Handwerck  der  Weißgerber  sich  unter  einander  heimlich ­
  bereden  und  verbinden,  ihre  Arbeit  auf  einen  gewissen  Preis  zu
setzen 1 )."
Zu  echten  Kartellen,  Trusts  usw.  ist  es  jedoch  in  der  Weißlederindustrie ­
  bis  jetzt  nicht  gekommen.  Schon  in  der  Loh-  und  Chromlederfabrikation
  bedurfte  es  besonderer  Veranlassung  zur  Bildung  von
Kartellen"),  aber  die  vielfältigen  Qualitäten  und  Fabrikate  der  Weißl
  e  d  e  r  industrie  haben  bisher  zu  irgendwelchen  Konzentrationsformen  nicht
geführt.  Am  ehesten  Aussicht  zur  Bildung  solcher  Verbindungen  scheint
zu  sein  nicht  mit  Rücksicht  auf  das  Hauptprodukt  dieser  Jndustrieen,
auf  das  Leder,  sondern  in  bezug  auf  den  Verkauf  eines  der  wichtigsten
-)  Königsberg  1737,  XVIII.
ff  Vgl.  Großmann  1891,  S.  271;  Grunze!  1902,  S.  300;  Gerbercourier
1910,  Nr.  52;  1911,  Nr.  51.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.